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Costa Concordia Die Katastrophe hat einen Helden: Gregorio de Falco

Während der Kapitän der sinkenden "Costa Concordia" sich panisch aus dem Staub machte, behielt der Kommandant der Küstenwache einen klaren Kopf. In Italien wird Gregorio de Falco deshalb als Held gefeiert.

Noch immer sind Passagiere auf der "Costa Concordia" vermisst, die Suche nach ihnen dauert an. Foto: rtr

Erst blamierte Ex-Regierungschef Berlusconi das Land, dann verließ auch noch der Kapitän der untergehenden Costa Concordia das Schiff. Es liegt nahe, dass Italien sich nach einem Helden sehnt.

Der ist jetzt gefunden: Er heißt Gregorio De Falco, ist 46 Jahre alt, braune Adleraugen, gerader Blick. De Falco ist der Kommandant der Küstenwache, der den flüchtenden Kapitän Schettino zur Schnecke machte. Schettino hatte das Schiff mutmaßlich mit einem riskanten Manöver zum Kentern gebracht.

„Sie gehen an Bord, das ist ein Befehl“, brüllte De Falco ins Telefon, weil der andere sich auf ein Boot rettete, ohne sich um seine ertrinkenden Passagiere zu kümmern.

Vor Wut geweint

Dann erteilt De Falco, dessen Name passenderweise „Falke" heißt, dem verdatterten Kapitän Anweisungen. „Sie fahren jetzt mit Ihrem Rettungsboot unter die rechte Seite des Bugs. Da ist eine Leiter. Sie gehen die Leiter hoch und an Bord des Schiffs. Sie gehen an Bord und sagen mir, wie viele Personen dort sind. Ist Ihnen das klar?“

Ein Mitarbeiter wird später berichten, De Falco habe vor Wut geweint. Stimmt, gibt der zu , aber er denke nicht, dass das eine Schwäche sei. "Menschlich zu sein, ist kein Fehler."

"Nur meine Pflicht erfüllt"

Wie es sich für einen Helden gebührt, behielt der im Chaos den Überblick und fühlte doch mit den Opfern, um die er kämpfte, als ginge es um seine Familie.

Wie es sich für einen Helden gehört, spielt er jetzt die eigene Rolle herunter. „Jesus, was habe ich Außergewöhnliches gemacht?“, sagte er der Zeitung „La Repubblica". „Ich habe nur meine Pflicht erfüllt.“

Die Ehre, sagt er, gebühre eigentlich einem seiner Untergebenen, Alessandro Tosi. Der habe in dieser Nacht alles in die Hände genommen, ihn selbst sollten die Journalisten vergessen.

Die Zeitung lässt das nicht gelten; sielässt auch die Mutter zu Wort kommen, die sagt, was Mütter eben so sagen: Dass sie stolz auf ihren Giorgio sei, dass er ein ausgeprägtes Pflichtgefühl habe.

Der Jugendfreund Marco Donnarumma sagt, De Falcos Einsatz habe ihn nicht überrascht. "Schon als Kind hatte er einen starken Charakter", sagt der, für ihn sei der Freund ein lebender Mythos gewesen. Al einen ausgezeichneten Schwimmer beschreibt er ihn und als einen, der das Meer liebt.

De Falco wuchs in Ischia auf, einer kleinen Insel vor dem Golf von Neapel. Mit seiner Frau hat er zwei Kinder, fünf und zwölf Jahre alt.

18.000 Facebook-Fans

Im Internet hat der Kommandant inzwischen Zehntausende Fans, alleine bei Facebook sind es knapp 18.000. Auf Twitter wurde seine Aufforderung „Vada a bordo, cazzo“ zu einem der beliebtesten Hashtags, frei übersetzt: Geh verdammt noch mal an Bord. Beliebt sind auch T-Shirts mit dem Spruch.

De Falco und der Kapitän stehen für zwei Seiten der italienischen Seele, schreibt der „Corriere della Sera“. Auf der einen Seite der pflichtbewusste Helfer, auf der anderen der Feigling, der nur an sich selbst denkt.

„De Falco hat Italienern, die bedrückt über einen Unfall sind, der scheinbar so viele negative Aspekte ihres nationalen Stereotyps bestätigt hat, ein gewisses Maß an Würde zurückgegeben“, schreibt der britische „Independent“.

Es gibt einen weiteren Helfer, auf den die Italiener stolz sein können: Wie Zeugen sagten, verzichtete der Schlagzeuger der Schiffsband auf seinen Platz im Rettungsboot, um ein Kind zu retten. Giuseppe Girolamo wird bis heute vermisst. (mit dpa)

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