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Costa Concordia Costa-Concordia-Prozess vertagt

Der Prozess-Auftakt gegen „Costa“-Unglückskapitän Schettino dauerte keine Viertelstunde. Die Verhandlung um den havarierten Kreuzfahrt-Koloss startet wegen eines Streiks erst kommende Woche.

09.07.2013 10:35
Kapitän Francesco Schettino in Grossetto auf der Anklagebank. Foto: afp

Der mit Spannung erwartete Prozess gegen „Costa“-Unglückskapitän Francesco Schettino ist wegen eines Anwaltsstreiks gleich zu Beginn verschoben worden. Nach nicht einmal 15 Minuten vertagte das Gericht am Dienstag die Verhandlung um die Katastrophe des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“. Nun muss sich der 52-jährige Angeklagte Schettino von Mittwoch kommender Woche an im toskanischen Grosseto vor Gericht verantworten.

Die Anwälte in Italien legen vom 8. bis 16. Juli landesweit ihre Arbeit nieder, um gegen geplante Justizreformen der Regierung zu protestieren. Auch die Vertreter Schettinos und einige Anwälte der Nebenklage erklärten am Vormittag, an dem Streik teilzunehmen.

Schon mehr als eine Stunde vor Beginn war Schettino selbst mit einem dunkelblauen Alfa Romeo am Hintereingang des Verhandlungssaals vorgefahren. Auch nach der Verhandlung äußerte sich der Süditaliener nicht vor den vielen Fernsehkameras. Wegen des großen öffentlichen Interesses findet das Verfahren in dem umfunktionierten Teatro Moderno im Zentrum von Grosseto statt. Die Staatsanwaltschaft hatte nur Stellvertreter zu dem ersten Termin geschickt.

Schettino ist der einzige Angeklagte. Ihm werden unter anderem mehrfache fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie und das Verlassen des Schiffes noch vor Ende der Evakuierung vorgeworfen. Die „Costa Concordia“ war im Januar 2012 vor der toskanischen Insel Giglio auf einen Felsen gefahren und gekentert. 32 Menschen starben. Unter den Toten waren auch zwölf Deutsche.

„Er geht mit breiten Schultern in den Prozess“

Der Kapitän soll das havarierte Schiff verlassen haben, als noch zahlreiche Passagiere an Bord waren. Ein Hafenkommandant hatte Schettino in einem später veröffentlichten Telefonat mit deutlichen Worten aufgefordert, an Bord zurückzukehren. Schettino behauptete, er sei in ein Rettungsboot gerutscht. „Nein, der Kapitän ist nicht von Bord gegangen, er ist gefallen“, betonte Verteidiger Domenico Pepe am Dienstag. „Er geht mit breiten Schultern in den Prozess.“

Schon der für Montag vorgesehene Abschluss der Voranhörungen war wegen des Streiks auf den 20. Juli verschoben worden. Dann will das Gericht entscheiden, ob es Absprachen über das Strafmaß zwischen der Staatsanwaltschaft und fünf weiteren Beschuldigten zulässt. Sie würden damit einem Prozess und einer Beweisaufnahme entgehen.

Die Reederei Costa Crociere hatte sich schon im April mit der Staatsanwaltschaft geeinigt: Gegen eine Zahlung von einer Million Euro wurde das Verfahren gegen das Unternehmen eingestellt. Es tritt im Prozess gegen Schettino als Nebenkläger auf. Auch die Gemeinde Giglio und mehr als 240 zivile Nebenkläger sind zugelassen.

Das Mammutverfahren gegen Schettino wird damit erst kommende Woche fortgesetzt. Das Gericht hat zunächst drei Termine festgelegt, am 17., 18. und 19. Juli soll verhandelt werden. Insgesamt sind mehr als 400 Zeugen geladen, bis zu einem Urteil könnten Monate vergehen.(dpa)

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