Lade Inhalte...

Costa Concordia Aus dem Bauch eines Geisterschiffs

Der Künstler Jonathan Danko Kielkowski hat im Wrack der Costa Concordia beeindruckende Bilder gemacht. Das einst größte italienische Kreuzfahrtschiff hatte am 13. Januar 2012 im Mittelmeer einen Felsen gerammt.

Das Wrack des leckgeschlagenen Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia lag anderthalb Jahre vor Giglio, bevor es zur Verschrottung nach Genua geschleppt wurde. Foto: rtr

August 2014. Der Fotograf Jonathan Danko Kielkowski steht im Hafen von Genua und blickt auf das aus dem Meer ragende Wrack der Costa Concordia. Das einst größte italienische Kreuzfahrtschiff rammte am 13. Januar 2012 im Mittelmeer vor der Insel Giglio einen Felsen, schlug leck und kippte auf die Seite.

32 Menschen starben bei dem Unglück, darunter zwölf Deutsche. Anderthalb Jahre lang lag der Ozeanriese vor Giglio, bevor er Ende September 2013 aufgerichtet und im Juli 2014 zur Verschrottung nach Genua abgeschleppt wurde.

Dort sieht der Nürnberger 3D-Künstler Kielkowski das Wrack: „Das havarierte Schiff zog mich an wie ein Magnet und schließlich wagte ich es, hinzuschwimmen.“ Beim ersten Mal schnappt ihn die Küstenwache, der zweite Versuch gelingt jedoch. Die Kamera transportiert er mit einem Kinderschlauchboot, das er vor sich herschiebt. Zu seiner Überraschung findet er das Schiff unbewacht, mit geöffneten Türen, in manchen Räumen brennt Licht. Fast einen ganzen Tag lang hat der Künstler Zeit, mit einem Bordplan in der Hand durch das unbewachte Schiff zu wandern und seine Eindrücke mit der Kamera festzuhalten.

Die Fotos, die Kielkowski im Inneren des gesunkenen Kreuzfahrtschiffs macht, muten seltsam verwunschen und poetisch an. Im einstigen Spielkasino liegen Jetons zwischen Trümmern, als wäre der Boden mit bunter Farbe betupft. Im großen Saal steht der Flügel scheinbar unbeschädigt an seinem Platz. Andere Bilder, etwa von einer Schlafkabine, zeugen von dem Horror, den die mehr als 4000 Menschen auf der Costa Concordia erlebten. Überall Verwüstung, Zerstörung, Verfall. Die zwei Jahre im Wasser haben dem Inneren des Kreuzfahrtschiffs Patina verpasst. Eine Mischung aus Algen und Schlick überzieht Wände und Boden, gibt dem Ort einen märchenhaften Charakter.

Kapitän Francesco Schettino wurde im Februar 2015 zu 16 Jahren Haft verurteilt. Für die Trauernden und Traumatisierten ist das kein Trost. Schettino hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Der White Press Verlag hat die rund 50 Aufnahmen von Kielkowski auf 110 Seiten in einem Bildband mit dem schlichten Titel „Concordia“ versammelt, der am 3. März in Deutschland erscheint. Der Verlag widme das Buch den mehr als 4000 Überlebenden, 32 Verstorbenen, deren Freunden und Angehörigen, sagt Verleger Helge Schlaghecke.

Jonathan Danko Kielkowski/whitepress.com: Das Buch ist erhältlich bei whitepress.com/concordia, 49 Euro (Auflage 800 Stück) bzw. 125 Euro für seine signierte, nummerierte Sammleredition mit Originalfoto (Auflage 200 Stück)