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Bergung vor Giglio "Ein großartiges Gefühl"

Etwa 1,5 Milliarden Euro hat die Bergung der Costa Concordia bislang verschlungen. Zwei deutsche Experten gehören dem Team an. Im Interview erklären Inken Frühling und Tim Habekost, wo die größten Herausforderungen bei der Bergung der Costa Concordia liegen.

23.07.2014 12:01
Unterwegs: Die Costa Concordia auf ihrer letzten Reise. Foto: REUTERS

Die havarierte Costa Concordia wird vor der Insel Giglio abgeschleppt. Mehr als 30 Monate nach dem sie dort auf Grund lief, geht das schwer beschädigte Unglücksschiff auf seineletzte Fahrt nach Genua. Gesteuert wird die Bergung von einem Team internationaler Ingenieure aus einem Kontrollraum auf dem Wrack. Mit dabei sind auch die Deutschen Inken Frühling und Tim Habekost.

Wie genau läuft die Arbeit in dem Kontrollraum ab?

Frühling: Die Ingenieure im Kontrollraum überwachen zu jeder Tag- und Nachtzeit den Zustand des Wracks. Diese Informationen werden ständig zusammengeführt und an den Bergungsleiter kommuniziert. Dieser trifft dann die Entscheidung, wie die nächsten anstehenden Schritte ablaufen. Da bei solchen Bergungsaktionen der tatsächliche Zustand des Wracks nur bedingt bekannt ist, muss während der Operationen kurzfristig auf Änderungen reagiert werden. Das bedeutet für uns, die nächsten Schritte auf Basis der vorhandenen Daten vorauszuberechnen.

Wie kann man sich die Atmosphäre dort vorstellen?

Frühling: Die Atmosphäre ist ruhig und kontrolliert. Bei kurzfristigen Änderungen ist eine hohe Konzentration von uns gefordert, um einen genauen Überblick zu behalten und auf Änderungen im Ablauf korrekt reagieren zu können.

Welches sind die Knackpunkte der Bergung und des Abschleppens, welches die größten Herausforderungen für die Ingenieure?

Habekost: Knackpunkte waren die Installation sämtlicher Schwimmtanks, insbesondere der vorderen Blistertanks, und natürlich das Aufrichten im August/September 2013 sowie jetzt das Aufschwimmen. Die größten Herausforderungen sind die ständigen Anpassungen an neue Erkenntnisse und Rahmenbedingungen. Man ist jederzeit gefordert, sich ein aktuelles Bild von der gesamten Situation des Wracks zu machen und dies in die Planung für Operationen einzuschließen, die so noch nie stattgefunden haben.

Wie schwer ist es, bei einer so komplizierten Aktion den Überblick zu behalten und einen kühlen Kopf zu bewahren?

Anfangs war es deutlich schwieriger. Nach zweieinhalb Jahren Arbeit an diesem Projekt hat man sich jedoch an die Arbeitsweise der Kollegen aus aller Welt und der Bergungsindustrie gewöhnt. Das Team hat sich eingespielt und jeder hat seine Aufgaben.

Was ist es für ein Gefühl, bei einem bislang einzigartigen, internationalen Projekt dabei sein zu können? Ist es eine große Herausforderung und wie ist die Arbeitsatmosphäre?

Frühling: Es ist ein großartiges Gefühl, Teil einer so interessanten und herausfordernden Bergungsoperation zu sein. Ein solches Projekt hat es bisher nicht gegeben und wird es in naher Zukunft wohl auch nicht wieder geben. Weiterhin sind hier viele neue Freundschaften und Kontakte entstanden. Alle Beteiligten haben viel voneinander lernen können und damit hat sich der eigene Horizont auch erweitert. Die Arbeitsatmosphäre ist professionell und freundschaftlich. (dpa)

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