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Donald Duck Wenn Enten Gänse essen

Don Rosa ist neben dem legendären Carl Barks der renommierteste Zeichner von Donald-Duck-Geschichten. Ein Gespräch mit dem Comic-Autor über Weihnachten bei den Ducks und Federvieh, das nicht in die Kirche geht.

22.12.2010 16:54
Kannibalismus in Entenhausen? Enten, die sich wie Menschen benehmen, dürfen auch Geflügel verzehren, findet jedenfalls der Duck-Zeichner Don Rosa. Foto: Disney

Mr. Rosa, der von Ihnen verehrte Carl Barks hat zahlreiche Weihnachtsgeschichten mit den Ducks gezeichnet. In einer Story sehen wir Donald und Co beim Festtagsschmaus, wie sie gerade einen knusprigen Gänsebraten verspeisen. Ein Bild, das immer wieder amüsante Debatten über Kannibalismus im Comic ausgelöst hat. Warum dürfen Enten Gänse essen?

Für mich ist das nicht so bizarr, wie es vielen erscheinen mag. Denn ich sehe die Comic-Enten als Menschen. Ich habe Donald Duck jedenfalls nie als sprechende Ente gesehen. Sehen Sie, ich habe die Donald-Duck- Geschichten, vor allem die von Carl Barks, gelesen, seit ich mich erinnern kann. Ich habe die Heftchen immer von meiner elf Jahre älteren Schwester bekommen und verschlungen. Ich bin mit diesen Enten aufgewachsen.

Was hat Sie gerade an den Enten so fasziniert? Sie hätten ja auch Goofy verfallen können.

Das lag vor allem an der großen Zeichen- und Erzählkunst von Carl Barks. Er schaffte es, aus den Ducks menschliche Persönlichkeiten zu machen.

Ist es nicht dennoch ein bisschen unappetitlich, dass die Ducks ausgerechnet eine Gans verspeisen? Der größte Widersacher von Donald ist ja auch eine Gans – Gustav, der Glückspilz.

Ich sehe schon, das scheint Sie sehr zu beschäftigen. Gustav Gans ist aber ebenso wenig eine Gans, wie Donald eine Ente ist. Beide sind für mich Menschen. Lassen Sie es mich anders ausdrücken: Ich habe mal darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn Donald mit Tick, Trick und Track in eine lebensbedrohliche Situation geriete und sich nur mit Hilfe einer Feder retten könnte.

Und...?

Also in meiner Geschichte könnte er sich jedenfalls nicht einfach eine Feder am Bürzel ausreißen. Weil ein menschliches Wesen keine Federn hat. Insofern dürfte er auch in meinen Geschichten ganz herzhaft in einen gebratenen Truthahn- oder Gänseschenkel beißen.

Haben Sie einen Favoriten unter den vielen Weihnachtsgeschichten von Carl Barks?

Da muss ich nicht lange überlegen: „Christmas on Bear Mountain“ (Die Mutprobe).

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Da schickt Dagobert seinen Neffen Donald und die drei Großneffen auf seine Hütte in den Bergen, wo er sie mit einem Bärenkostüm erschrecken will – bis dann ein richtiger Bär auftaucht.

Ja. Ich liebe diese Geschichte. Aber nicht so sehr, weil sie an Weihnachten spielt, sondern weil hier zum ersten Mal Onkel Dagobert auftritt. Was hat er nicht alles für Abenteuer überstanden. Dagobert ist für mich der größte Held der Literatur.

Mr. Rosa, die Ducks essen Gänsebraten, aber sie gehen nie in die Kirche. Warum eigentlich nicht?

Die Duck-Geschichten waren schon immer säkulare Comics, Religion hat damit nichts zu tun.

Würde es Sie reizen, das zu ändern?

Nein. Ich wüsste nicht, warum. Religion hat keinen Einfluss auf eine gute Story. Sie hat nichts mit Donald Duck oder Dagobert zu tun. Vielleicht sind sie religiös, vielleicht auch nicht. Das ist für mich als Geschichtenerzähler-- nicht wichtig.

Sie haben auch mal eine Weihnachtsgeschichte mit Donald für Disney gezeichnet...

Nicht für Disney. Ich habe nie direkt für Disney gearbeitet, die haben nichts mit meinen Geschichten zu tun. Das ist mir sehr wichtig. Die Dagobert- und Donald-Geschichten und Charaktere sind alle von freiberuflichen Autoren geschaffen worden, wie von Carl Barks, mir und anderen. Disney hatte und hat da keinen Einfluss. Disney hatte die Lizenzen für Donald Duck seinerzeit an Dell Comics verkauft, die wiederum an Carl Barks herangetreten sind. Meine Werke erscheinen heute bei Ehapa, einem der größten Verlage für Disney-lizensierte Comics. Aber deshalb arbeite ich nicht für Disney. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Es stimmt, ich habe mal eine Weihnachtsgeschichte mit den Ducks gezeichnet, darin ging es um einen Weihnachtsbaum.

Einen Baum, um den Donald eine Lichterkette mit hunderten von Glühbirnen wickelt, die sogar eine Starkstromzufuhr benötigen. Am Ende geht das Ganze nicht gut aus. Schon in dieser kleinen Story zeigt sich Ihre Vorliebe für das Kantige, das Sie Ihren Enten mitgeben. Barks galt als der gute Zeichner, Sie als derjenige, der Elemente der Underground-Comics in die Geschichten brachte. War es schwer, sich damit durchzusetzen?

Nein. Man hat mir nie Vorschriften gemacht.

Nach mehr als 20 Jahren mit Donald ist Ihr ebenso ungeschliffener wie detailverliebter Stil inzwischen selbst stilbildend geworden.
Ich habe nie versucht, so etwas wie einen Underground-Stil zu entwickeln. Ich weiß, dass mein Zeichenstil vielen schlicht und unfein vorkommt. Was soll ich machen? Es ist die einzige Art, in der ich zeichnen kann. Das ist vielleicht ein Grund, warum ich meine Bilder mit so vielen extra Details auffülle. Weil ich keine schönen Bilder zeichnen kann, versuche ich, so viel wie möglich in die Bilder zu packen. Ich wollte lediglich Geschichten erzählen, in denen die von Carl Barks geschaffenen Charaktere vorkommen, sie aber ein bisschen weiterführen. Im Grunde versuche ich nur, solche Geschichten zu erzählen, die mich selbst als Kind begeistert haben.

Interview: Martin Scholz

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