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Disney Der Pluto-Komplex

Seine Herkunft ist ungeklärt, der Grund für seinen Erfolg nicht: Zum 80. Geburtstag des einzig wahren Disney-Hundes Pluto.

Pluto und sein Herrchen Micky. Foto: dpa

Seine Herkunft ist ungeklärt, der Grund für seinen Erfolg nicht: Zum 80. Geburtstag des einzig wahren Disney-Hundes Pluto.

Pluto ist ein Hund. Das ist insofern bemerkenswert, als er zu den wenigen Charakteren in Walt Disneys Entenhausener Bestiarium gehört, die nicht vermenschlicht sind. Pluto ist und bleibt ein Hund, ein Tier, und spielt als bester Freund von Micky Maus (und auch Donald Duck) dennoch eine tragende Rolle. Er spricht nicht, sondern kläfft und knurrt. Er läuft auf allen vieren, schnüffelt in jeder Ecke, wedelt mit dem Schwanz, richtet die Ohren auf, fletscht die Zähne, hebt das Bein… Dabei ist er von einer überaus liebenswürdigen Art, im Großen und Ganzen nicht sonderlich klug und etwas tollpatschig.

Eigentlich wäre das nicht weiter der Rede wert. Aber Pluto kann mehr. Und das hat mit seiner wechselvollen Geschichte zu tun. Alles beginnt mit einem Geheimnis: Seine Herkunft und damit auch sein Geburtsjahr sind ungeklärt. Die einen behaupten, Pluto habe im Jahre 1930 zum ersten Mal das Licht der Leinwand erblickt, und zwar am 18. August in dem Zeichentrickfilm „Die Sträflingskolonie“ („The Chain Gang“). Andere wollen ihn erst am 8. Mai 1931 in „Die Elchjagd“ („The Moose Hunt“) entdeckt haben, einem sieben-minütigen Cartoon. Wieder andere erkennen ihn sogar in Minnie Maus’ Hund Rover wieder.

Dass Pluto ursprünglich zu Minnie gehörte, hat als These einiges für sich: Nur wenig später als „Die Sträflingskolonie“ entstanden, zeigt der Film „Das Picknick“ („The Picnic“) bereits einen Hund, der nicht nur dem Pluto recht ähnlich sieht, wie wir ihn heute kennen. Vielmehr erweist er sich auch als begabter Einzeldarsteller und hat längere Szenen ganz für sich allein, in denen er seinen Schabernack mit Hasen, Flöhen und anderem Getier treibt. Zudem legt die Verbindung von Minnie und Micky eine Erklärung nahe, wie der Mäuserich zu seinem treuen Wegbegleiter gekommen sein könnte.

Plutos erster Auftritt als unentbehrlicher Helfer bei der Elchjagd – auch diese These hat ihren Reiz. Denn Pluto bestreitet in „The Moose Hunt“ große Teile des Films ganz allein, so dass sich seine und Mickys Wege nur noch zufällig zu kreuzen scheinen. Hier ist der Hund als ein durch viele Ungeschicke stolpernder Charakterdarsteller voll entwickelt. Vielleicht schon etwas zu sehr, denn Pluto steht kurz davor, mit Micky zu sprechen und sich damit so sehr zu vermenschlichen, dass er droht, einem anderen Hund, nämlich Goofy, allzu sehr zu ähneln und seinen Charme als tierisches Gegenüber zu verlieren.

Ein neuer Typus von Animation

Bleibt noch der Pluto aus der „Sträflingskolonie“. In diesem Kurzfilm ist er noch ganz das Tier, nämlich der Wachhund in einem Gefängnis, in dem kein geringerer als der gemeingefährliche Kater Karlo einen Aufseher mimt. Micky zeigt sich hier noch von seiner kriminellen Seite – ein Charakteristikum, das er später leider vollkommen verlieren wird. Als es der Maus gelingt zu fliehen, hetzt man ihr zwei Hunde hinterher, keiner von ihnen sieht dem uns bekannten Pluto wirklich ähnlich, aber ihre Bewegungen haben schon etwas von der Geschmeidigkeit, die bald allen Disney-Figuren eigen sein sollte.

Mit dem Wachhund Pluto tritt also ein neuer Typus von Animation in Erscheinung. Neben diesem eher technischen Grund ließe sich ergänzen, dass Walt Disney seine Neuschöpfung nach dem Planeten Pluto benannte, der im Jahre 1930 entdeckt wurde. Mit anderen Worten, so vielfältig die Herkünfte des einzig wahren Entenhausener Tiers auch sein mögen, können wir das Entstehungsdatum des Pluto-Komplexes mit einigem Recht auf den 18. August 1930 legen. Von Bedeutung ist hier vor allem die Fortentwicklung der Animationstechnik – sie war und ist zumeist der Grund für die Schaffung neuer Figuren.

Dass Pluto so beliebt werden sollte, dass ihm Disney ab 1937 sogar eine eigene Film-Reihe widmete und immerhin in 43 Filmen reüssieren ließ, hat allerdings mit seiner anarchischen Verspieltheit zu tun. Sie rührt von dem Rest undressierter Natur, die Pluto im Unterschied zu den anderen Tieren in Disneys Zoo immer noch eigen ist. Vor allem zu Beginn seiner Karriere zeigte er sich als Störenfried, dessen Missetaten auch zulasten der „menschlichen“ Hauptfiguren gingen: Der Hund Pluto hielt die sich zunehmend verspießernden Micky und Donald ordentlich auf Trab – als „echtes“ Tier ist er nicht so sehr der strengen Sitte verpflichtet, ein Haustier eben, das Häuser verwüstet.

Disneys Studios haben seit jeher besondere Sorgfalt auf die Animationen ihrer Tierfiguren verwendet. Genaue Beobachtung der natürlichen Vorbildern verhalfen ihnen zu einem realistischen Bewegungs- und Verhaltensrepertoire. Damit konnten die Comics nicht mithalten. Zwar erscheint Pluto erstmals 1932 in einem Zeitungsstrip, gezeichnet immerhin von dem legendären Floyd Gottfredson, und sollte sich auch hier als Mickys treuer Begleiter bewähren. Aber das Rührende einer bewegten, liebevoll animierten Trickfilmfigur erreichte das Comic-Pendant nie.

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