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Diplomatische Hilfe Plattfuß in Pretoria

Warum FR-Reporter Johannes Dieterich in den vier Nummern zu großen Schuhen des Botschaftssprechers in Angola vorstellig wurde.

Botschaftsrat Dr. Martin Schäfer in seiner Amtsstube im deutschen Botschaftsgebäude zu Pretoria... Foto: Dieterich

Nicht überall herrscht dieser Tage Eiszeit. Im glücklichen Südafrika steigt das Thermometer derzeit auf Höhen, die das Tragen von Sandalen geraten sein lassen - es sei denn, man hat einen Termin bei der Botschaft der Republik Angola.

Dieser kam zustande, nachdem das diplomatische Personal des westafrikanischen Staates in der zweiten Januarwoche endlich seine Weihnachtsferien beendete - einen Tag nach Beginn des Afrika-Cups, mit dem sich die einstige Bürgerkriegsnation eigentlich der ganzen Welt als strahlender Musterstaat zu präsentieren suchte. Bekanntlich ging das ob des Rebellenangriffs auf den Team-Bus der Togoer ohnehin gründlich daneben. Da die Bearbeitung eines angolanischen Visumantrags gewöhnlich 15 Tage dauert, falls man auf Anhieb tatsächlich sämtliche 324 Anforderungen erfüllt, wäre das Reisedokument schließlich passend zum Ende des Turniers fertig geworden - gäbe es nicht den freundlichen Dr. Martin Schäfer, Sprecher der Deutschen Botschaft zu Pretoria.

Der Repräsentant der Berliner Republik am Kap der Guten Hoffnung erklärt sich nämlich zur Intervention bei den Angolanern bereit, die im diplomatischen Sprachgebrauch wohlklingend "Note Verbale" genannt wird.

Mit der Würde dieses Ortes nicht zu vereinbaren

Los geht´s. Gemeinsam mit dem sommerlich gekleideten Reporter wird Schäfer in der angolanischen Botschaft in Pretoria vorstellig, wo allerdings ein scheeler Blick der Rezeptionistin auf die Füße des Reporters dessen vorzeitiges Ausscheiden bedeutet. Sandalen, heißt es, sind mit der Würde dieses Ortes nicht zu vereinbaren.

So setzt Diplomat Schäfer die Mission eben alleine fort, was ihm auch glänzend gelingt. Nur verlangt die Konsularbeamtin neben den 324 nötigen Dokumenten schließlich auch noch einen Fingerabdruck des Antragstellers. Der Ausgeschlossene in Sandalen will sich zu diesem eher banalen Anlass von keinem seiner Finger trennen und wäre auch erst lange nach Büroschluss zurück, wenn er zur Schuhbeschaffung in sein über 70 Kilometer entferntes Zuhause reisen müsste.

So bleibt nur eine Lösung: Zurück zur deutschen Botschaft, wo sich der freundliche Dr. Schäfer kurz entschlossen von seinem Schuhwerk einschließlich der von der Hitze etwas feuchten Socken trennt. Die Schuhe haben nur einen kleinen Schönheitsfehler: Sie sind dem Reporter ungefähr vier Nummern zu groß.

Nun denn. Mit schlingerndem Schritt zurückgeschlurft in die angolanische Botschaft. Die Rezeptionistin lächelt wieder schief - hat sie die Schuhe heute doch schon mal an einer passenderen Figur gesehen. Doch schließlich öffnet sie die Gittertür. Der die Würde geschlossenen Schuhwerks erfordernde Konsularraum stellt sich als schmuddeliges Hinterzimmer mit Gitterfenster und ein paar Spinnen heraus: Der Reporter hat sich am Ende einer Schlange von gut zwei Dutzend Antragsstellern anzustellen.

Kurz vorm Schwächeanfall

Das ist noch aus anderen Gründen als der eigenen Ungeduld höchst unangenehm: Weiß der Antragsteller doch den freundlichen Dr. Schäfer in dessen Büro zwar in tadellosem Anzug samt Krawatte, doch mit unter dem Schreibtisch versteckten nackten Füßen sitzen - denn natürlich konnte der Botschaftsrat nicht auf die vier Nummern kleineren Sandalen des kümmerlichen Reporters zurückgreifen. Und wenn nun seine Exzellenz, der Botschafter, nach seinem Sprecher verlangt? Gar der angolanische Kollege mit einer "Note Verbale" vorstellig wird? Ganz abgesehen davon, dass sich der Vorgang ausgerechnet um die Mittagszeit abspielt, in der doch gerade auch ein Diplomat dringend der Stärkung bedarf.

Kurz vor dem Schwächeanfall wurde Dr. Schäfer am frühen Nachmittag doch wieder ausgelöst - nur dass seine Socken vom Angsterlebnis des Reporters noch etwas feuchter geworden waren. Nun setzt sich der Diplomat für die Einführung der Sockenpflicht auch in deutschen Hoheitsbereichen ein.

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