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Die Handschrift Tiefenentspannt beim Schönschreiben

Gestalten und abschalten: Der Trend „Handlettering“ findet immer mehr Fans.

Handschrift
Jede Schrift hat ihren eigenen Charakter – wie ihr Autor. Foto: Luisa Aha

Der Selbsttest zeigt: Es ist doch etwas schwerer, als es aussieht. Die Buchstaben mit einem eleganten Schwung über das Blatt fließen zu lassen, wohlgeordnete Bögen aneinander zu reihen und am Ende ein Ergebnis zu erzielen, das nicht aussieht wie die Schreibübung eines Zweitklässlers braucht tatsächlich etwas Zeit und – je nach vorhandenem Talent und Kreativität – mehr oder weniger Fleiß und Übung. 

„Handlettering“ und „Brushlettering“ sind neue Trends in der Welt der Freizeitbeschäftigung. Nach Ausmal-Büchern für Erwachsene und dem Revival des Strickens und Stickens werden jetzt mit speziellen schwarzen oder farbigen Filzstiften Schriftzüge, Grußkarten und Poster selbst gestaltet. Der Trend ist nur konsequent, schon seit längerem ist die Typografie in der Mode, der Papeterie und dem Interieur-Design wieder stärker angesagt. In Verbindung mit der ebenfalls boomenden DIY-Bewegung („Do it yourself“, also „Mach es selbst“), ist es nur logisch, dass die Fans kreativer Hobbys ihre eigenen Bilder herstellen wollen.

Zudem ist die Handschrift auch im öffentlichen Raum wieder sichtbarer geworden: In den hippen Cafés, Restaurants und Bars der Großstädte steht das Speisen- und Getränkeangebot immer öfter auf aufwendig handschriftlich gestalteten Tafeln. Das passt zum weiterhin anhaltenden Bedürfnis der Individualisierung, dem Wunsch, etwas selbst und anders zu machen als andere.

Da leider nicht jeder per se eine schöne Handschrift hat, ist das Handlettering eine gute Möglichkeit, Texte auf Papier, Holz oder Tafeln schön in Szene zu setzen und so kleine Deko-Objekte oder Geschenke selbst zu gestalten. Neben dem Aspekt, etwas selbst machen wollen, anstatt nur Reproduktionen der Arbeit anderer zu kaufen, spielt für viele, die sich mit dem Handlettering beschäftigen, auch die Entschleunigung eine Rolle. So geht es auch Luisa Aha, der Illustratorin des Schriftzugs „hallo frühling“ auf dieser Seite. Wenn sie sich nach Feierabend mit Papier und Stift hinsetzt, um eine Karte oder ein Bild zu gestalten, sei sie innerhalb weniger Minuten „tiefenentspannt.“ Für sie ist die Beschäftigung mit der Handschrift eine wohltuende Ablenkung von ihrer digitalen Umwelt: „Ich freue mich dann darauf abzuschalten.“

Mit www.schilderij.de hat sich Aha, die hauptberuflich als Social Media Managerin für das Konzerthaus Berlin arbeitet, einen kleinen, feinen Service für das Erstellen von Speisetafeln, Schildern und Karten für Caterer und Eventagenturen aufgebaut. Von ihren Auftraggebern weiß sie, warum diese Art der Gestaltung so gut ankommt: „Den Ursprung hat die Optik in der Streetfood-Bewegung. Schilder und Speisekarten so zu gestalten, ist außerdem praktisch, weil sie schnell verändert werden können, wenn sich im Angebot etwas ändert.“ Außerdem vermittele die Handschrift, dass die Gastronomen mit ihrem Angebot authentisch seien.

Auch wenn sich Anfänger beim Handlettering noch stärker an den Vorlagen der Bücher und Tutorials orientieren müssen als Profis, stellen sich schnell Erfolge ein. „Man kann schon in einer halben Stunde eine schöne Grußkarte gestalten und hat so relativ schnell ein Erfolgserlebnis“, sagt auch die Illustratorin. „Das Handlettering ist deshalb eine sehr zugängliche Art der Kreativität.“

Wer Lust bekommen hat und mit dem Lettering loslegen möchte, findet im Buchhandel, in sozialen Netzwerken wie Pinterest, auf Blogs und Youtube jede Menge Anleitungen und Inspirationen. 

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