Lade Inhalte...

Die Frage nach dem Wein Braucht die Welt Parker und seine Punkte?

Wer kann schon den selbst ernannten Weinkennern und deren Informationen im Netz vertrauen? Welcher Blogger verfügt über die Unabhängigkeit, um wirklich etwas in der Weinwelt zu bewegen? Eins ist klar: Die Weinindustrie braucht für ihre Entwicklung die Stimme von Weinkritikern, deren Meinung Gewicht hat.

03.12.2011 19:51
Romana Echensperger
Die Weinindustrie braucht für ihre Entwicklung die Stimme von Weinkritikern, deren Meinung Gewicht hat. Foto: Max Grönert

Robert M. Parker aus dem US-Bundesstaat Maryland ist der bislang einflussreichste Weinkritiker der Welt, er beurteilt Weine mit Hilfe eines 100-Punktesystems. Besonders Bewertungen oberhalb von 95 Punkten garantieren den wirtschaftlichen Erfolg ganzer Regionen. So hat etwa 1995 ein Winzer eine alte Parzelle in Spanien gekauft und Wein gemacht, der für etwa 14,50?Euro zu haben war. Über Umwege gelangte dieser Tropfen in die Hände von Parker, der 98 Punkte vergab. Ein paar Monate später wurde der Wein in Amerika für fast 500 Dollar gehandelt. Der Winzer heißt Peter Sisseck, sein Weingut Pingus produziert heute einen der teuersten Weine Spaniens.

Solche Bewertungen sind zwar Momentaufnahmen, die subjektive Meinungen repräsentieren. Doch es ist kein Zufall, dass Parker und seine Punkte so viel Einfluss haben. Das mathematische Bewertungssystem hat klar Stärken. Punkte werden weltweit verstanden und geben eine Qualitätseinschätzung wieder, ohne dass man Verkostungsnotizen lesen müsste, deren ewige Floskeln wie „strukturiertes Tannin und Kirschfrucht“ dem Leser oft nichts sagen. 98 Punkte – sowas ist ein Fakt.

Die Welt braucht eine gewichtige Meinung

Allerdings hängen Parkers Bewertungen mit einem bestimmten Weinstil zusammen. Er ist berüchtigt dafür, dass er sehr kräftige Weine hoch schätzt. Es scheint jedoch so etwas wie eine „Götterdämmerung“ zu geben. Der Trend zu immer kräftigeren Weinen, um seinen Geschmack zu treffen, hat wohl den Gipfel erreicht. Es gibt eine regelrechte Gegenbewegung. Weine mit mehr Frische und Finesse sind gefragt, wie der weltweite Aufstieg der Rebsorten Pinot Noir und Riesling beweist. Selbst Parker kann sich dem nicht mehr entziehen und bewertet solche Weine zunehmend milde. Anscheinend will sich der 64-Jährige in naher Zukunft auch zur Ruhe setzen, schon im nächsten Jahr wird er Kalifornien nicht mehr persönlich bewerten. Sehr zum Bedauern der dortigen Winzer, die um ihren Marktvorteil bangen. Auch deshalb wird heute darüber spekuliert, ob Parker vom Internet abgelöst wird.

Doch wer kann schon den selbst ernannten Weinkennern und deren Informationen im Netz vertrauen? Welcher Blogger verfügt über die Unabhängigkeit, um wirklich etwas in der Weinwelt zu bewegen? Welcher Konsument kann sich in diesem Dschungel orientieren? Da liegt die Frage nahe, ob wir einen neuen Parker brauchen. Denn eins ist klar: Die Weinindustrie braucht für ihre Entwicklung die Stimme von Weinkritikern, deren Meinung Gewicht hat.

Eine Probe nach Parker: 2005 Convento San Francisco/Ribera del Duero. 26,90 Euro, www.vinogusta.com, 93 Punkte. 2007 La La-ma/Dominio do Bibei, Ribeira Sacra. 17,95 Euro, www.viniberica.com, 94 Parker-Punkte.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen