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Die Frage nach dem Stil Was haben Sie denn da versteckt, Herr Beckham?

Die Wölbung in David Beckhams Hose auf meterhohen Werbepostern erinnert vom Umfang an eine holländische Salatgurke. Und löst Abwehrreflexe aus.

11.02.2012 20:26
Rudolf Novotny
Zu dezent? Dann achten Sie auf die Plakate mit den weißen Schlüpfern! Foto: H&M

Socken? Fotoshop? Nein. Alles echt. Sagt er selbst. "Ich habe mir niemals meine Hosen ausgestopft oder Socken da reingesteckt … ich brauche in diesem Bereich keine Hilfe." David Beckham hat gelächelt bei diesen Sätzen, schreibt das englische Boulevardblatt Daily Mirror. Schön für ihn. Wenigstens David Beckham scheint es also zu gefallen, dass David Beckham halbnackt auf meterhohen Werbepostern in europäischen Innenstädten posiert und dabei eine Wölbung in der Hose hat, die vom Umfang her an eine holländische Salatgurke, zumindest aber an eine quergelegte Victoria Beckham erinnert.

Allerdings sollen sogar seine eigenen Söhne beim Anblick der Bilder ausgerufen haben: "Oh Gott Daddy, bitte, nicht schon wieder." Ein Chor, in den man spontan einstimmen möchte. Aber woher kommen diese Abwehrreflexe? Ist es nicht erfreulich, dass auch Männer jetzt zeigen müssen, was sie haben? Ist es nicht wahre Emanzipation? Schließlich hängen an jeder Ecke zum Platzen gefüllte Silikon-Dekolletés.

Beckham definiert Männlichkeit ausschließlich über die Oberfläche

Stimmt. Diese Bilder sind Emanzipation. Leider in die falsche Richtung. Weil es nicht auf Socken oder Silikon ankommt, sondern auf die Botschaft. Und die lautet: Ein echter Mann hat ein großes Ding. Womit die Idee dessen, was einen Mann ausmacht, auf dasselbe Niveau runtergezogen wird, auf dem sich schon das entsprechende Frauenbild befindet. Männlichkeit bemisst sich in Zentimetern? Sicher, es gab Zeiten, in denen Männer mit Hasenpfoten in der Unterhose Sexsymbole waren. Mick Jagger und Rudolf Nurejew waren jung damals. Lange her.

Heute finden ausgestopfte Hosen im Wesentlichen nur noch bei Transsexuellen, Radfahrern und Pornostars Verwendung. Drei Gruppen, die dafür gute Gründe haben. Schwanzvergleich zur Bestimmung der Männlichkeit funktioniert höchstens im Pfadfinderlager.

Man könnte David Beckham jetzt zugute halten, dass er sich treu geblieben ist. Definierte er seine Männlichkeit doch schon früher, als metrosexuelle Stilikone, ausschließlich über die Oberfläche. Man könnte ihm aber auch einen Satz entgegenschleudern. Von einem echten Mann. Einem, der wusste, worauf es ankommt. Man könnte sagen: "Ich seh dir in die Augen, Kleines!"

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