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Deutschland im Schnee Benzin wird knapp

Schneetief Petra sorgt im ganzen Land für Chaos. Die ersten Tankstellen haben kein Benzin mehr. Der Frankfurter Flughafen musste zeitweise geschlossen werden. Mehrere Menschen starben bei Unfällen.

16.12.2010 15:28
Abgesperrte Zapfsäule Foto: dapd

Schneetief Petra sorgt im ganzen Land für Chaos. Die ersten Tankstellen haben kein Benzin mehr. Der Frankfurter Flughafen musste zeitweise geschlossen werden. Mehrere Menschen starben bei Unfällen.

Den ersten Tankstellen in Deutschland geht wegen des Winterwetters der Treibstoff aus. Weil auch die Tanklastzüge auf den schneebedeckten Autobahnen und Bundesstraßen nicht mehr durchkommen, bleiben einige Lieferungen aus, wie der Mineralölwirtschaftsverband am Freitag mitteilte.

Besonders betroffen seien Stationen in den Mittelgebirgen wie im Harz, Erzgebirge oder Thüringer Wald. Der Verband betonte aber, dass dies noch keine Krisensituation sei. Deutschland habe mit rund 15 000 Stationen ein sehr dichtes Tankstellennetz. Es werde ständig daran gearbeitet, die Versorgungskette nicht abreißen zu lassen.

„Sollte an einer Tankstelle vorübergehend das Benzin knapp werden, könnten die Autofahrer meist auf eine andere ausweichen“, sagte Verbandssprecherin Karin Retzlaff. Einige Mineralölfirmen wie etwa Shell hätten allerdings schon von Lieferproblemen berichtet.

Tanklager abgeschnitten

Problem sei, dass die Tankstellen nur begrenzt Treibstoffvorräte vorhalten und daher regelmäßig beliefert werden müssen. Nach Angaben des Verbandes hatte es wegen der Straßenbedingungen auch in einem großen Tanklager in Thüringen schon Schwierigkeiten mit der Auslieferung gegeben.

Auch im Süden Niedersachsens berichtete die Polizei davon, dass Tanklastwagen die Tankstellen nur schwer erreichen könnten. Bei Sichtweiten unter 50 Metern oder Glätte müssen Gefahrgut-Transporter den nächsten Parkplatz anfahren. In Göttingen wurden demnach Superbenzin und Diesel schon zur Mangelware.

Drei Unfalltote in Bayern

Überall in Deutschland hat der heftige Schneefall in der Nacht zu Freitag und am Freitagvormittag zu teils chaotischen Zuständen auf den Straßen geführt. Es kam zu zahlreichen Unfällen und langen Staus auf Autobahnen und Bundesstraßen. In Bayern starben drei Menschen bei Autounfällen.

Auch der Luftverkehr war zeitweise beeinträchtigt, der Flughafen Frankfurt war für für eine Stunde geschlossen, um die Start- und -Landebahnen räumen zu können. Zahlreiche Flüge wurden annulliert, was aber im Wesentlichen auf Probleme auf anderen Flughäfen zurückzuführen war.

Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach hatte insbesondere für den Norden und den Westen Unwetterwarnungen vor starkem Schneefall und Verwehungen herausgegeben. Am Freitag sei im Nordwesten noch mit Schneeschauern zu rechnen, südostwärts soll es weiter ausdauernd schneien. Für Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt konnte die Warnung allerdings am frühen Morgen aufgehoben werden.

In Hessen fielen in der Nacht etwa 20 Zentimeter Neuschnee, teilte die Landesmeldestelle Verkehr mit. Im Kreis Odenwald waren es sogar 30 Zentimeter, dort sind jetzt Schneeketten vorgeschrieben. Auf mehreren Autobahnen bildeten sich lange Staus. So standen auf der A 3 zwischen dem Wiesbadener Kreuz und Niedernhausen Lastwagen auf einer Strecke von 16 Kilometern dicht an dicht auf allen Spuren.

Chaos an Steigungen

Auf der A 7 behinderten an Steigungen querstehende LKW den Verkehr zwischen dem Kirchheimer Dreieck und Kassel, die A4 Richtung Berlin ist zwischen dem Kirchheimer Dreieck und Friedewald voll gesperrt. Nachdem sich mehrere Fahrzeuge auf der Bundesstraße 417 in Richtung Limburg quergestellt hatten, war die Strecke gesperrt worden. Ebenfalls unpassierbar wurde die Landstraße 3224 zwischen Mühlhausen und Lendorf im Schwalm-Eder-Kreis wegen Schneeverwehungen.

Ähnliche Probleme gab es bei Alsfeld in Mittelhessen, bei Neustadt und im Kreis Marburg-Biedenkopf. Die Bundesstraße 456 wurde zwischen Bad Homburg und der Saalburg gesperrt, die B253 bei Biedenkopf wegen Schneeglätte für Lastwagen.

Schulfrei für Kinder

Geduld brauchten die Autofahrer auch in Nordrhein-Westfalen. Dort bildeten sich gegen Mitternacht Staus von insgesamt 185 Kilometern Länge. Helfer von DRK und THW versorgten die Gestrandeten mit heißen Getränken. Nach heftigen Schneefällen hatten die Behörden alle Autobahnen des Landes für Lastwagen gesperrt. Die Sperrungen wurden am Morgen teilweise aufgehoben.

Die A 1 war am Morgen an drei Stellen zwischen dem Kreuz Leverkusen und Wuppertal gesperrt.
In vielen hessischen Schulen fiel am Freitag der Unterricht aus, weil den Schülern angesichts der Wetter- und Verkehrsverhältnisse die Anreise nicht zuzumuten war.

Bereits am Donnerstag wurden zahlreiche Schüler, etwa im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg oder auch im Rheingau-Taunus-Kreis, früher nach Hause geschickt.
Wegen der schwierigen Straßenverhältnisse müssen Weihnachtspakete in diesem Jahr früher aufgegeben werden, um noch rechtzeitig zum Fest anzukommen.

Lieferausfälle bei Autobauern

Das schneebedingte Lkw-Fahrverbot im benachbarten Ausland hat bei Ford in Köln zu Produktionsausfällen geführt. Notwendige Teile wie Instrumententafeln, Sitze und Heizungen hätten nicht geliefert werden können, sagte ein Ford-Sprecher. „Deshalb konnten mehrere hundert Autos in der vergangenen Nacht nicht gebaut werden. Die Bänder standen still.“ . Inzwischen sei die Produktion wieder angelaufen.

Insgesamt seien etwa 40 Lkw-Ladungen betroffen, die nun nach und nach eintrudelten. „Mit Beginn der Spätschicht wird voraussichtlich alles wieder ganz normal laufen.“ Im Kölner Ford-Werk werden die Kleinwagen Fiesta und Fusion gebaut. Auch beim Werk in Saarlouis kam es zu erheblichen Verzögerungen bei den Lieferungen, allerdings musste die Produktion dort nicht unterbrochen werden.

Die Behörden hatten wegen des Schnees Fahrverbote für Lastwagen über 7,5 Tonnen in Luxemburg, Belgien und Teilen Frankreichs ausgesprochen. Nach Angaben des Polizeipräsidiums in Trier verbrachten bis zu 300 Lkw-Fahrer die Nacht zum Freitag auf dem Standstreifen der Autobahn 64. (dapd/dpa/afp)

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