Lade Inhalte...

Denken sie selbst Erleuchtung trifft Commerz

Worum geht´s eigentlich im Buddhismus? Kabarettist und Physiker Vince Ebert über unschöne Seite des Buddhismus.

05.08.2009 00:08

Jetzt hat der Lama vier Tage lang die Commerzbank-Arena mit seiner Anwesenheit beglückt. Der tibetische Gottkönig könnte aus dem Wuppertaler Telefonbuch vorlesen und das gesamte christliche Abendland würde verzückt die Augen verdrehen. Zugegeben, wenn der selbsternannte "Ozean des Wissens" Weisheiten unters Volk wirft, wie: "Eine liebevolle Atmosphäre in deinem Haus ist das Fundament für dein Leben", dann kann man schon mal auf komische Gedanken kommen. Hat die "Große Leuchte der Weisheit" vielleicht doch nur eine Energiesparbirne? Worum geht´s eigentlich im Buddhismus? Begonnen hat alles im Mai 509 vor unserer Zeitrechnung. Da ist Siddhartha Gautama sitzend unter einem Feigenbaum zum Buddha geworden. Und zwar durch die Erkenntnis, man solle sich von Extremen fernhalten und stets den goldenen Mittelweg anstreben. Das war´s. Viel mehr kommt nicht.

Nichtsdestotrotz ist der Buddhismus vielen Menschen sympathisch, weil er eine Lehre ohne Gottheit ist und zu Eigenverantwortung aufruft. Doch auch das ist nicht so ganz richtig. Stark verkürzt wiedergegeben legt der westliche Gebrauchs-Buddhist die Lehre etwa so aus: Wenn du dich in deinem Leben gut verhalten hast, wirst du als Delfin, Günter Jauch oder Schweizer wiedergeboren, wenn nicht, dann als Flughörnchen 9Live-Moderator oder Ostdeutscher. Dieses Weltbild ist alles andere als human. Denn es besagt, dass Menschen an ihrem sozialen Elend selbst schuld sind, da sie in einem früheren Leben ein schlechtes Karma erworben haben. Da Auf- und Abstieg im aktuellen Leben nicht möglich sind, ist es eine perfekte Ideologie, um Vorurteile und Rassenunterschiede zu zementieren.

Was im Übrigen lange Zeit in Tibet üblich war. Jahrhundertelang waren die Lamas brutale Gewaltherrscher, die ihr Volk entweder als Sklaven und Leibeigene gehalten haben oder faktisch verhungern ließen. Noch in den Fünfzigern hatten die Lamas die Macht, jeder tibetischen Familie willkürlich ihre drei- bis vierjährigen Söhne zu entreißen, um sie als Klosterschüler auszubilden. Wen interessiert schon, dass der Dalai Lama den Gründer der für die Giftgas-Anschläge in Tokio verantwortlichen Aum-Sekte, Shoko Asahara, "einen Freund" nannte? Oder dass er bis in die 1990er Jahre hinein mit ehemaligen hohen SS-Offizieren befreundet war? All das ist in Colin Goldners "Dalai Lama - Fall eines Gottkönigs" nachzulesen. Aber wer so nett grinst, kann kein schlechter Mensch sein.

In Wirklichkeit ist das infantile Getue um den Erleuchteten mit dem lustigen Kassengestell der Ausdruck einer verzweifelten Sinnsuche. Das selbstgefällige Rumgejammere einer Gesellschaft, die keine wirklich existenziellen Probleme mehr hat. Wenn wir uns nur ordentlich Sorgen machen, machen wir uns wichtig.

Gehen Sie die Straße pfeifend entlang und die Menschen werden Sie einen Bekloppten nennen. Beugen Sie sich jedoch in der U-Bahn zu einem glücklichen Menschen und sagen: Wie können Sie es wagen zu lächeln, während in Tibet unschuldige Menschen sterben? Dann gelten Sie als verantwortungsvoller, kritischer Mensch. Oooommmm!

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen