Lade Inhalte...

Das Wunder von Chile Bergung kann drei Monate dauern

33 verschüttete Bergarbeiter werden nach 18 Tagen gefunden. Doch bis sie befreit sind, könnte es noch dauern.

Gespenstisches Bild: Eine Videokamera filmte einen der Überlebenden durch ein kleines Loch. Foto: dpa

Chile ist überwältigt von Erleichterung und Freude: Die 33 Bergleute, die vor über zwei Wochen bei einem Grubenunglück in 700 Metern Tiefe verschüttet wurden, sind gefunden, und alle 33 sind am Leben. Hoffnungen, dass die Männer überlebt haben könnten, waren Tag für Tag gesunken – bis eine der neun Sonden, die die Rettungsteams auf der Suche in den Berg trieben, in einen Hohlraum vorstieß. Kurz darauf brachte sie den Zettel ans Licht, der Chile in einen Freudentaumel versetzte. „Wir sind okay, im Schutzraum, alle 33“, stand mit rotem Filzstift darauf.

Chiles Präsident Sebastián Piñera präsentierte das Stück Papier freudestrahlend der Presse. Die seit 17 Tage wartenden Angehörigen fielen sich in die Arme. Ganz Chile verfolgte am Sonntagnachmittag (Ortszeit) atemlos die Nachrichten im Fernsehen. Autos stimmten Hupkonzerte an, die Feuerwehr ließ überall im Land ihre Sirenen heulen.

Die Bergleute waren am 5. August in der Gold- und Kupfer-Mine San José bei Copiapó, knapp 900 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago, verschüttet worden, als sich in 500 Metern Tiefe das Gestein löste und den zickzackförmig in den Berg getriebenen Stollen über eine weite Strecke blockierte. Die 33 Minenarbeiter suchten einen Schutzraum in 700 Metern Tiefe auf. Dort, so hieß es bisher, sei jedoch nur Verpflegung für drei Tage gelagert.

Die Sonde, die sich in einem Kanal von nur acht Zentimetern Radius zu den Verschütteten vorarbeitete, wurde später mit einer Videokamera herabgelassen. „Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen“, berichtete Piñera – acht oder neun Mann, offenbar in guter körperlicher Verfassung, die die Lampen ihrer Grubenhelme wie zum Gruß an die Außenwelt anknipsten, als sie merkten, dass die Sonde eine Kamera in den Schutzraum schob.

Wie André Sougarret, der Chef der Rettungsequipe, sagte, sollte zunächst versucht werden, durch den schmalen Kanal der Sonde Wasser, Glukose, Arznei und Sauerstoff zu den Verunglückten zu bringen. Es könnte 120 Tage dauern, parallel zur Sonde einen Stollen durch Hunderte Meter Gestein zu bohren, der breit genug wäre, die Männer hoch zu holen.

Unter Beschuss steht die Geschäftsführung der Mine, der vorgeworfen wird, die Sicherheitsbestimmungen nur nachlässig erfüllt zu haben, wie es offenbar bei kleineren Bergbauunternehmen oft der Fall ist. Außerdem heißt es, sie habe keine Genehmigung gehabt, um tiefer als 500 Meter Gold und Kupfer abzubauen.

Vorwürfe treffen auch die Behörden: Die 2007 bereits einmal geschlossene Mine sei wiedereröffnet worden, ohne dass sie die Sicherheitsvorkehrungen überwacht hätten. Das Arbeitsministerium sei Berichten, in denen die Arbeitsbedingungen in San José scharf kritisiert wurden, nicht nachgegangen. Bis 2015 erwartet Chiles Bergbau Investitionen von mehr als 50 Milliarden Dollar. Kritiker bemängeln, Chiles Minen seien besonders lukrativ wegen der schlampigen Sicherheitsstandards und der niedrigen Löhne.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen