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Dammbruch Neue Gefahren in Laos

Rund eine Woche nach dem verheerenden Staudammbruch in Laos gibt es nur wenige Helfer vor Ort.

Dammbruch in Laos
Verzweiflung: Viele Menschen haben alles verloren. Foto: dpa

Die Opfer kämpfen sich durch meterdicken Schlamm, um zu ihren Häusern zu gelangen. Am Abend sitzen die Dorfbewohner der Region um das Städtchen Sanamxai in Laos in ihren Notunterkünften beisammen und zählen ihre Nachbarn. Rund 16.000 Menschen waren nach Angaben der Internationalen Föderation des Roten Kreuzes (IFCR) direkt betroffen, als am 23. Juli ein Teil des Xe-Pian Xe-Namnoy Staudammes in der Attapeu-Provinz brach und mit einer gigantischen Flutwelle von fünf Milliarden Litern Wasser die Umgebung überschwemmte. Mehr als 1000 Menschen werden noch vermisst.

Rotes Kreuz warnt vor Bomben und Minen

Nun warnt das Rote Kreuz vor einer weiteren Gefahr: den gefürchteten UXOs, nicht explodierte Bomben und Minen aus der Zeit des Vietnamkriegs. Sie wurden von den Wassermassen mitgerissen und lauern jetzt wieder auf längst geräumtem Land. Kaum eine Gegend wurde während des Vietnamkriegs von US-Flugzeugen so heftig bombardiert wie die Attapeu-Provinz im Länderdreieck von Laos, Vietnam und Kambodscha. Ein Drittel der abgeworfenen Cluster-Bomben, gefüllt mit Tausenden kleineren Sprengsätzen, detonierte nicht. 

Insgesamt wurden zwischen 1964 und 1973 2,5 Millionen Tonnen Minen und Bomben von den USA über Laos abgeworfen. Nun bedroht das Erbe des Vietnamkriegs die Überlebenden des Staudammbruchs. „Die Warnung gilt besonders für die Bewohner der Region“, sagte Ellie van Baaren von der Internationalen Föderation des Roten Kreuz (IFCR) am Dienstag der FR, „die Hilfsmaßnahmen werden bislang weniger betroffen.“

Das liegt auch am Verhalten des kommunistischen Regimes in Laos. Denn rund eine Woche nach dem menschengemachten Desaster gibt es nur wenige Helfer vor Ort und Hilfsorganisationen wie Save the Children sitzen auf heißen Kohlen, weil sie immer noch keine Erlaubnis aus der Hauptstadt Vientiane erhalten haben, in Sanamxai zu helfen.

Dabei sollen viele der rund 1000 Vermissten Kinder sein. Sie werden tot oder lebend in den Wäldern der Region vermutet, in die die wenigen Retter bislang noch nicht vordringen konnten.

Dem Regime in Laos ist der Dammbruch peinlich

Die Bomben aus den 1970er Jahren kombiniert mit dem ehrgeizigen Ansinnen, Laos zur „Batterie Südostasiens“ zu machen, sorgen für ein menschengemachtes Desaster, vor dem Umweltschützer und Aktivisten bereits seit Jahren warnen. „Am unteren Teil des Mekong sollen bis zum Jahr 2040 elf große Staudämme und insgesamt 120 weitere Projekte an Nebenflüssen für Wasserkraftwerke verwirklicht werden“, sagt die Umweltgruppe International Rivers, „das Xe-Pian Xe- Namnoy ist bereits seit 2013 umstritten. Die umgesiedelte Bevölkerung klagt seit Jahren über mangelnde Nahrung.“

Dem in Vientiane herrschenden Regime ist der dritte Staudammbruch in drei Jahren mehr als peinlich. Zunächst gab die Regierung widersprüchliche Erklärungen ab. Nun versucht sie, die Opferzahlen niedrig zu halten. „Wir werden die Verursacher zur Verantwortung ziehen“, erklärte Premierminister Thongloun Sisoulith, der zum mächtigen elfköpfigen Politbüro der Kommunistischen Partei gehört.

Sollte der Regierungschef seine Worte ernst nehmen, müsste er aber das eigene Regime zur Rechenschaft ziehen. Denn der gebrochene Staudamm, der 2019 seine Stromproduktion aufnehmen und 90 Prozent der so gewonnenen Elektrizität ins Nachbarland Thailand liefern sollte, wird von dem Gemeinschaftsunternehmen PNPC betrieben. Involviert sind die südkoreanischen Firmen Korea Western Power und SK Engineering and Construction, Thailands staatlicher Stromkonzern Ratachburi Electricity Generating Holding sowie Laos Holding State Enterprise.

Helfer sprechen von Hohn

Das Projekt gilt zudem als Paradebeispiel des Zusammenspiels von staatlichen Konzernen und dem großen Geld von Banken, das die Experten David Blake and Keith Barney nach einer Untersuchung der laotischen Staudammprojekte als „langsame Gewalt“ bezeichneten. Selbst die Asian Development Bank (ADB) unterstützte das Vorhaben, nachdem ein von ihr gestellter Berater es befürwortete. Die Risiken des Projekts wurden freilich wie bei den meisten anderen Staudammvorhaben in Laos unter Verschluss gehalten. Gegenwärtig ist nicht einmal bekannt, welche Versicherung für die Kosten des Desasters aufkommen wird.

Südkoreas Regierung teilte inzwischen mit, man habe 500.000 US-Dollar Hilfe für die Opfer bereitgestellt. Der Betrag ruft unter Aktivisten lautes Hohngelächter hervor. Schließlich wird der Wert des Staudammprojekts auf ziemlich genau eine Milliarde US-Dollar beziffert.

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