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Dänemark Wenn ein Blitz Sex bedeutet

Abifeiern auf dänisch: Eine Mütze symbolisiert in Dänemark das bestandene Abitur. Und nicht nur das: Details am Studentenhut verraten, was sein Besitzer erlebt hat - von durchfeierten Nächten, Magenauspumpen im Krankenhaus bis hin zu Sex mit Krankenschwestern.

25.06.2013 19:10
Johannes Gamillscheg
Der Hut bleibt auf: 2012 feiern Studenten in Kopenhagen. Foto: imago stock&people

Wer dieser Tage durch Kopenhagen geht, stößt unweigerlich auf fröhliche junge Menschen, die mit weißen Schildmützen durch die Straßen laufen. „Tillykke med huen“, grüßen auch Wildfremde, „herzlichen Glückwunsch zum Hut“. „Tak“ erwidern die Bemützten. Danke. Der Hut ist eine Auszeichnung. Sie sind jetzt Studenten.
Um sich Student zu nennen, muss man in Dänemark nicht auf die Uni gehen. Es reicht, das Abitur bestanden zu haben, im Dänischen „Studenteksamen“. In dieser Woche ist Prüfungshochbetrieb an den Gymnasien, und der glückliche Abschluss folgt einem festen Zeremoniell. Sobald die Schüler das letzte mündliche Examen bestanden haben, setzt ihnen der Lehrer die Mütze auf den Kopf. Vor dem Prüfungslokal harren Eltern und Freunde und lassen die Studenten mit Sekt und Rosen hochleben, und dann beginnt das große Feiern, das so bald nicht mehr endet.

Mit ideologischem Widerstand ist es vorbei

Während all dieser Zeit bleibt die Mütze auf dem Kopf. „Studenterhuen“, der Studentenhut, stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, war ursprünglich schwarz mit weißem Seidenband und sollte die Gebildeten vom gewöhnlichen Volk abheben. Jetzt ist er weiß mit rotem Band, im Normalfall, aber andere Schulformen haben andere Traditionen, und Techniker oder Handelsgymnasiasten schmücken sich in Blau.
Das Kreuz der dänischen Fahne als Hutknopf kann auch durch einen Davidstern, einen Halbmond oder ein Ahornblatt für Atheisten ersetzt werden. Es ist noch nicht so lange her, dass die Mützentradition zu verschwinden schien, weil viele Studenten den elitären Schmuck ablehnten. Doch seit auch Kindergärtner (orange), Friseure (rosa) oder Fleischhauer (gelb) den Abschluss ihrer Berufsausbildung mit Mützen zelebrieren, ist es mit dem ideologischen Widerstand gegen „Studenterhuen“ vorbei.

Ein Blitz heißt Sex

Den braucht man schließlich nicht nur, damit sich Klassenkameraden und Lehrer darin verewigen können. Er gibt Insidern auch Einblick in das Festgehabe der frischgebackenen Studenten.
Wer durchfeierte bis zum Sonnenaufgang, bekommt eine Kerbe in den Schirm. Ist die Kerbe im Band, hat man gekotzt. Ein Viereck sagt: einen Kasten Bier geleert, in 24 Stunden.

Wer eine Welle in die Mütze schneidet, ist nur mit dem Hut bekleidet ins Wasser gesprungen. Ein Blitz heißt Sex – mit der Mütze auf dem Kopf. Wer zum Auspumpen in die Klinik muss, verliert den Mützenschirm und bekommt ihn nur zurück, wenn er anschließend die Krankenschwester verführt …

Gelegenheit macht Kerbe

So geht das lustige Treiben weiter bis zum Samstag, wenn die Ex-Schüler mit ihren Abi-Zeugnissen und ein paar ernsten Worten ins wahre Leben entlassen werden. Das beginnt auf der Ladefläche eines alten LKW, auf dem die Studenten singend, trinkend und hupend zu all ihren Familien fahren, wo sie reichlich traktiert werden.

So eine Tour zieht sich hin bis in die tiefe Nacht und gibt Gelegenheit für viele weitere Kerben in den nun nicht mehr so weißen Mützen.

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