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CSD - Christopher Street Day in Berlin Bunter Protest vor der russischen Botschaft

Beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin protestierten Hunderttausende - insbesondere gegen die Behandlung von Homosexuellen in Russland. Selbst das Auswärtige Amt mahnt Schwule und Lesben bei einer Reise nach Russland zur Vorsicht.

23.06.2012 17:58
Von Katharina Wagner
Teilnehmer der CSD-Parade halten bei einer Protestaktion vor der Russischen Botschaft eine Russland-Fahne und eine Regenbogenfahne in die Höhe. Foto: dapd

Politisch wollte der 34. Berliner Christopher Street Day in diesem Jahr sein. Das sollte nicht nur durch die 5,5 Kilometer lange Route deutlich werden, die zum ersten Mal in Kreuzberg, an der Gitschiner Straße Ecke Prinzenstraße, startete und von dort am Berliner Abgeordneten Haus und am Homo-Mahnmal vorbei Richtung Brandenburger Tor und Straße des 17. Juni führte.

Vor allem mit der Aktion „Checkpoint Wladimir“ an der russischen Botschaft in Mitte wurde am Nachmittag ein politischer Akzent gesetzt. Kurz bevor der erste Wagen der Parade gegen 15 Uhr die Botschaft in der Glinkastraße passierte, stoppte der Zug. „Bevor wir den russischen Sektor betreten, halten wir kurz“, rief der Geschäftsführer des Berliner CSD e. V. Robert Kastl von einer kleinen Bühne.

„Wir wollen zeigen, dass wir uns von Russland nicht verbieten lassen, als Homosexuelle auf die Straße zu gehen.“ Aus kleinen Konfettikanonen flogen mit einem lauten Knall bunte Papierschnipsel in die Luft und über die Straße Unter den Linden. „Sie sagen, dass Regenbogenfarben gay machen“, rief ein Aktivist aus Sibirien. „Wir lachen über sie.“ Auf dem Grünstreifen hing ein großes Plakat mit Medwedew und Putin als Liebespaar. Sie halten einen Strauß Gänseblümchen in der Hand und tragen pinkes Rouge und Lippenstift.  „You won’t shut us up!“, „Ihr werdet uns nicht zum Schweigen bringen“, ist das Motto des deutsche-russichen Vereins Quarterra, der als zweiter Wagen im Zug mitfährt. Und dies ist auch das inoffizielle Motto des diesjährigen CSD.

Seit dem Frühjahr ist in vielen Regionen Russlands das sogenannte „Anti-Homosexuellen-Propaganda-Gesetz“ in Kraft getreten: Wer sich etwa in St. Peterburg in der Öffentlichkeit positiv über Homo- oder Transsexualität äußert, wer Händchen hält oder eine Regenbogen-Fahne schwenkt, muss mit Strafen von bis zu 500 000 Rubel rechnen (etwa 12 000 Euro). Etliche Aktivisten und Homosexuelle sind seither verhaftet worden. „Es kann nicht sein, dass so etwas in einem Land, das gar nicht weit von Deutschland weg ist, passiert“ sagte Robert Kastl. Und mit einem weiteren lauten Knall regnete es Papierschnitzel in Regenbogenfarben über den russischen Sektor und das Liebespaar Putin und Medwedew.

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