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Cosplay „Sie retten die Welt und haben Pubertätspickel“

Zwei Kenner von Manga & Co. über die Faszination an der Popkultur.

Cosplay in Tokio
„Es hat einfach Spaß gemacht, sich mal zu verkleiden, anders auszusehen, in eine andere Rolle zu schlüpfen für einen Tag“, beschreibt Nadine Andersson. Foto: afp

Nadine Andersson und Wolfgang Strzyz arbeiten in Frankfurts erstem, 1982 eröffneten Comicladen – X-tra-BooX. Er seit 1988, sie seit 2017. Er hat das Heraufziehen der Manga und in deren Folge die Verbreitung von Cosplay mit Interesse beobachtet und ist nun einer der Organisatoren des zu jeder Frankfurter Buchmesse stattfindenden Finales der Deutschen Cosplay-Meisterschaften, DCM. Auf der Messe geht er als originaler Organisator des Comiczentrums eh ein und aus. Sie liebt Manga und hat selbst schon Cosplay gemacht. Die beiden zusammen kennen sich in der eigentümlichen bunten Kostümwelt bestens aus.

Frau Andersson, Herr Strzyz, was ist so toll an der japanischen Popkultur?
Andersson: Man findet schneller Berührungspunkte mit anderen. Wenn ich jemanden treffe, der Manga liest oder Anime schaut, dann kommt der Mensch gleich sympathisch rüber, weil man ja die gleichen Interessen teilt. Was ich an Manga mag, sind die beeindruckenden Zeichnungen, wie detailreich die sind, wie viel Mühe darin steckt – aber eben auch die Storys. Und die sind nicht nur Freundschaft, Spaß und so, sondern auch ernstere Themen. Das ist dann auch nicht schön bunt dargestellt.
Strzyz: Das war bei der frühen Erfolgsserie „Sailor Moon“ – Leserschaft 100 Prozent weiblich – ganz wichtig. Die retten ja die Welt. Auf der einen Seite. Auf der anderen haben sie Pubertätspickel, sind schlecht in der Schule oder unglücklich verliebt, sind fast-food-süchtig. Das macht ein Stück weit Identifikation möglich. Du kannst dich als Leser nicht mit jemandem wie Superman oder den Avengers identifizieren; die sind viel zu weit weg. Bei den Manga können die Geschichten noch fantastischer sein, aber die Personen sind „normaler“, näher dran an der Realität.

Wie funktioniert das mit der Identifikation? Manga-Figuren scheinen doch durch die Bank dem berüchtigten Kindchenschema – große Augen, Stupsnase. kleiner Mund – zu entsprechen.
Andersson: Ich denke, es ist mehr, was die Figuren erleben, womit du dich identifizieren kannst. In „Silent Voice“ (ein Manga von 2011, Anm. d. Red.) wird jemand gemobbt – das kann dir ja auch schon passiert sein, und so fühlst du eher mit der Person. Das mit dem Kindchenschema stimmt nicht immer; manche Zeichner gehen weit darüber hinaus. Und dann macht aber genau das doch auch wieder viele Manga aus.
Strzyz: Da muss man auch anmerken, dass dieses Schema in Japan original von Walt Disneys „Bambi“ übernommen wurde.

Zum „kostümierten Spiel“, dem Cosplay: Was für Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Andersson: Ich hab’ das mal selbst gemacht. Ich habe Figuren gecosplayt, die mich fasziniert haben, die zu mir vom Charakter her passten. Da war eine, die nur im Bett gelegen hat (lacht), aber doch ganz cool war, wenn es darauf ankam. Es hat einfach Spaß gemacht, sich mal zu verkleiden, anders auszusehen, in eine andere Rolle zu schlüpfen für einen Tag – man soll sich ja auch wie die Originalfigur verhalten. Auf dem Japan-Tag (deutsch-japanisches Begegnungsfest in Düsseldorf) gab es dann auch viele Komplimente. Man hat sich ja auch Mühe gegeben mit dem Kostüm. Die Leute haben auch meistens gleich gesehen, was du cosplayst, die kommen dann auf dich zu: „Oh, die Figur find ich auch toll!“ – und schon hast du ein Gesprächsthema. Mit anderen, die auch cosplayen, ist man viel offener, und du schließt dann viel schneller Freundschaften.

Und wenn man nicht auf einer speziellen Veranstaltung für Cosplay ist? In Frankfurt hat man Cosplayer auch schon samstags einfach so im Straßenbild gesehen – was passiert dann?
Andersson: (lacht) Dann bekommt man „interessante“ Blicke zugeworfen. Aber wenn man als Gruppe so unterwegs ist, ist es auch ganz lustig.
Strzyz: Cosplayer brauchen auch ja schon mal so zwei Stunden, um sich zu schminken und durchzustylen. Das machst du dann auch nicht mal einfach so, im Alltag schon gar nicht.

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