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Comic Immer an alles denken

Die Zeichnerin Emma hat in Frankreich mit ihren Bildgeschichten über Diskriminierung großen Erfolg. Bekannt gemacht hat sie ein Comic über ein Problem, das viele Frauen kennen.

Comic „Du hättest mich fragen sollen“
Foto: emmaclit.com

Eine Frau ist bei einer Kollegin, irgendwo in Frankreich, zum Abendessen eingeladen. Als sie die Wohnung betritt, ist die Gastgeberin dabei zu kochen und sich um die Kinder zu kümmern. „Setzt euch schon mal, ich komme gleich“, sagt sie zu ihrem Partner und der Kollegin. Beide setzen sich mit einem Glas Wein aufs Sofa.

Während die Gastgeberin versucht, ihre Kinder dazu zu bringen, ordentlich am Tisch zu sitzen und zu essen, kocht der Topf auf dem Herd über, der Inhalt läuft auf den Boden. Ihr Partner und die eingeladene Kollegin springen auf. Er sagt: „Was für eine Katastrophe, was hast du nur gemacht?“ Sie läuft rot an und schreit: „Was ich gemacht habe? Ich habe ALLES gemacht?“ Er fällt aus allen Wolken und entgegnet: „Aber du hättest mich fragen doch fragen können! Ich hätte dir geholfen!“ 

„Fallait demander“ („Du hättest mich fragen sollen“) heißt der Comic, aus dem diese Szene stammt. Die Autorin hat sie in der Rolle der Kollegin, die zu Gast ist, laut eigenen Angaben tatsächlich so erlebt. Sie heißt Emma, ist 36 Jahre alt, Mutter und von Beruf eigentlich Informatikerin.

Comics zu zeichnen ist ihre Art, sich politisch zu engagieren. Die Französin geht davon aus, dass die beschriebene Szene exemplarisch für den Alltag vieler Frauen im Land ist. Deren Problem: Selbst wenn der Mann im Haushalt einen großen Teil der Arbeiten übernimmt, sind sie es, die die Aufgaben verteilen und den Alltag planen. 

Sie sind Chefinnen des „Projekts Haushalts“, erklärt der Comic, die Männer führten nur aus und hätten damit deutlich weniger Arbeit. „Charge mentale“ nennt man das in Frankreich, was übersetzt so viel heißt wie die nie enden wollende „gedankliche Last“ oder auch immer an alles denken zu müssen: Was muss fürs Wochenende eingekauft werden? Braucht das Kind neue Hosen? Haben wir schon ein Geschenk für die Hochzeit im kommenden Monat? 

Französische Feministinnen haben den Begriff schon in den 80er Jahren geprägt, doch bis Emma ihn in ihrem Comic erklärte, kannte ihn kaum jemand. Sie veröffentlichte die Geschichte im Mai auf ihrem Blog und ihrem Facebook-Account und traf damit offensichtlich einen Nerv: Innerhalb kurzer Zeit wurde der Post mehr als 200 000 Mal geteilt. Zahlreiche Medien berichteten. Viele Französinnen dürften damit erstmals einen Begriff für das permanente Stressgefühl bekommen haben, das ihren Alltag begleitet. „Ich bin froh zu sehen, dass ich nicht die Einzige bin, die so lebt“, schreibt eine Userin auf Facebook. Andere bedanken sich. Doch es gibt auch Männer und Frauen, die sich beschweren, die dargestellten Rollenmuster seien nur Klischees. 

Ein Problem, das einen Namen hat, kann besser erkannt und gelöst werden. Was aber konkret tun, um die Haus- und Familienarbeit in Zukunft gerechter zu verteilen? Die Erzählerin im Comic rät Frauen dazu, die Dinge einfach mal liegen zu lassen und sich deswegen nicht schuldig zu fühlen; bei der Kindererziehung darauf zu achten, nicht nur die Mädchen mit der Spielküche spielen zu lassen und nicht zuletzt: eine längere Elternzeit für Väter einführen, damit auch Männer lernen, sich für die Arbeit im Haushalt.

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