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Comeback-Tour David Hasselhoff Mission Rückkehr

"The Hoff is back": David Hasselhoff, TV-Held der 80er und 90er, will sich von seinem Trunkenbold-Image befreien. Natürlich in Deutschland.

13.02.2011 13:29
Boris Halva
Tournee-Auftakt in Frankfurt: David Hasselhoff. Foto: dapd

Ein junger Mann, vielleicht 19, 20, poltert zur Tür hinein und stürmt ans Pissoir: „So’n Mist, da draußen spielt der Hoff und ich muss aufs Klo.“ Er ruft in den Raum: „So geil, da draußen spielt der Hoff.“ Ja, da draußen spielt der Hoff, David Hasselhoff. TV-Held der 80er und 90er, zunächst im schwarzen Wunderauto K.I.T.T. unterwegs, dann als „Baywatch“-Retter in roter Badehose am Strand im Einsatz. Obwohl „The Hoff“, wie ihn seine Fans nennen, gewissermaßen vor der Kamera lebte, fand er zwischendurch noch Kraft und Zeit, um als Sänger Karriere zu machen. Unvergessen sein Auftritt in der blinkenden Lederjacke am Brandenburger Tor, wo er 1989 die Mauer mit „I’ve been looking for freedom“ niedersang. „The Hoff“ war ein ganz Großer.

Sieben Jahre später, 1996, nahm das Ende seinen Anfang. Der erfolgsverwöhnte Beau, der im goldenen Anzug auf einer goldenen Harley-Davidson posierte, ließ sich zunehmend gehen. Die Entzugsklinik wurde sein Zweitwohnsitz, und als 2007 im Internet ein Videofilm (den hatte übrigens Tochter Taylor-Ann gedreht) auftauchte, der zeigt, wie er sich im Vollsuff an einem Cheeseburger abmüht, dürfte auch der letzte Fan eingesehen haben, dass da nichts mehr zu retten war. Der saußenverschmierte David würde nicht mehr aufstehen.

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Von wegen: er ist wieder da. „The Hoff is back“ heißt seine Comeback-Tour, auf der ihn sogar seine singenden Töchter Taylor-Ann und Hayley-Amber begleiten dürfen (ein großer Mann kann eben verzeihen) und die ihn unter anderem nach Deutschland führt. Ja, The Hoff is back – und der 58-Jährige lässt es richtig krachen beim Auftaktkonzert in der Ballsporthalle in Höchst. „I’ve been looking for freedom“ ist die erste Nummer des Abends, und David steigt nicht die blinkende Showtreppe hinab, sondern bahnt sich seinen Weg durchs Publikum, das die Halle etwa zur Hälfte füllt.

Freude für jeden Musical-Fan

Er sieht super aus, er ist gut drauf und entschlossen, den Fans etwas zu bieten fürs Geld. Ein paar Songs später hält es keinen mehr auf seinem Stuhl. Selbst beim Dancefloor-Hit „Hooked on a feeling“, den er selbstironisch als das Lied bezeichnet, das seine Karriere beendet habe, singt das überwiegend erstaunlich junge Publikum lauthals mit.

Dann flimmert das Wort „Pause“ in großen Lettern über die Videoleinwände. Draußen steht das Wunderauto K.I.T.T. im Nieselregen. Pärchen posieren fürs Foto. Irgendeiner macht was Unerwünschtes, es gibt Ärger mit der Polizei. Gegröle ringsum. Was drinnen eben noch nach bierseliger Ausgelassenheit geklungen hat, entpuppt sich hier draußen als Streitlust. Ein fülliger Typ trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck: „What would the Hoff do?“ Gute Frage. Vielleicht eine Schorle holen? Am Getränkestand unterhalten sich zwei Männer Anfang Dreißig. Einer sagt: „Das ist so scheiße, dass es schon wieder gut ist.“ Nein, dazu ist es nicht schlecht genug.

Was Hasselhoff mit einem Dutzend Musikern und einer Handvoll Tänzerinnen und Tänzer auf die Bühne bringt, ist ordentliches Handwerk. Und auch Teil zwei des Abends basiert auf dem Dreiklang Kostüme, Tänze, Schlagerpop. Gutes Beispiel: das Lied über ein Zigeuner-Mädchen, das The Hoff verzaubert hat. Die Tänzerin mit den dunklen Locken umtanzt im wehenden Rock den im Liebeswahn schwankenden Hasselhoff mit kreisenden Hüften und – dank Videoleinwand gut zu erkennen – düster-geheimnisvollem Blick. Es ist fast so, als würde da ein Remake von „Ich denke oft an Piroschka“ gedreht. Bei „Country Road“ legen die Tänzerinnen und Tänzer mit Hut und Holzfällerhemd einen Line-Dance auf die Bühnenbretter.

Auf der Bühne wird geschmust, geprügelt und im Badeanzug defiliert, dass es eine Freude ist für jeden Musical-Fan. Tänzer und Musiker machen ihren Job gut, aber im Mittelpunkt steht „The Hoff“. Mal im Rocker-Outfit, dann im schwarzen Smoking, dann im Ledermantel. Große Kunst ist was anderes, aber um für einen Abend in die guten alten Zeiten abzutauchen und mit Freunden Spaß zu haben reicht es allemal. Denn darum geht es in den meisten Liedern: Party feiern und eine gute Zeit haben. Und allein dafür ist „The Hoff“ angetreten. Da bleibt nur zu sagen: Mission erfüllt.

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