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ColdHub „Das Leben von Milliarden verbessern“

Ein Großteil afrikanischer Landwirtschaftsprodukte verrottet, bevor er in den Verkauf geht. Die Geschäftsidee eines Farmersohnes aus Nigeria soll das Problem dauerhaft aus der Welt schaffen.

Kühlanlage in Owerri
Gut: Eine Kühlanlage im nigerianischen Owerri findet Anklang. Foto: Brett Eloff/Royal Academy of Engineering

Touristen mögen bereits von kalten Bieren bei der Sahara-Durchquerung träumen, während afrikanische Marktfrauen der Möglichkeit entgegenfiebern, ihr Gemüse über Tage hinweg frisch halten zu können. Doch Nnaemeka Ikegwuonu sind solche Aussichten noch längst nicht ambitioniert genug: Der Nigerianer hat die 470 Millionen Kleinfarmer aus aller Welt im Auge, die bis zur Hälfte ihrer Ernte regelmäßig wegwerfen müssen. Wäre das nicht der Fall, könnten alleine in Afrika der UN zufolge 300 Millionen Menschen zusätzlich ernährt werden – der Hunger wäre Geschichte. „Dies ist eine der innovativsten Ideen, von der ich in jüngster Zeit gehört habe“, meint der amerikanische Startup-Guru Michael Libes: „Sie könnte das Leben von Milliarden von Menschen verbessern.“

Die Rede ist von „ColdHub“ – solarbetriebene Kühlräume, die Nnaemeka Ikegwuonu zu Tausenden in aller Welt verbreiten will. Die knapp zehn Quadratmeter großen Container hat der 35-jährige nigerianische Agrarexperte in den vergangenen Jahren mit Hilfe des Dresdner „Instituts für Luft und Kältetechnik“ (ILK) und der Eschborner Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entwickelt – ihr entscheidender Vorteil ist, dass sie vom Elektrizitätsnetz unabhängig sind. Weit mehr als die Hälfte aller Afrikaner verfügen noch immer nicht über eine Steckdose, aus der anderswo der Strom kommt: Statt weiter vergeblich auf einen Anschluss zu warten, suchen findige Afrikaner zunehmend dezentrale Lösungen mit Solarenergie.

Ikegwuonu weiß schon seit langem um das – neben dem Wetter – größte Problem der afrikanischen Bauern: Dass ein großer Teil ihrer Produkte schon vor ihrem Verkauf verrottet. Bereits als 21-Jähriger hatte der Farmersohn aus dem Igbo-Land eine Kette von Kommunalradiostationen gegründet, über die sich Kleinbauern über ihre Nöte und ihre Lösungsideen austauschen konnten. Eines der brennendsten Themen sei die Tatsache gewesen, dass die Kleinbauern ihr Gemüse und Obst nicht kühlen konnten, erinnert sich der Radiomoderator: „Auf diese Weise geht ihnen regelmäßig ein Viertel ihrer Verdienstmöglichkeit verloren.“

Also machte sich der Hobbyjournalist an die Internet-Recherche und geriet ans Dresdner ILK, das bereits mit einem solarbetriebenen Kühlcontainer aufwarten konnte. Mit 60 000 Euro war der Mercedes unter den Aggregaten für afrikanische Verhältnisse allerdings viel zu teuer: Die Tüftler vom ILK konnten davon nur drei Exemplare in die steinreiche arabische Halbinsel verkaufen. Für Ikegwuonu musste eine wesentlich sparsamere Kühlraumversion gefunden werden: Ein Anfang war damit gemacht, dass der nigerianische Geschäftsmann einen einheimischen Hersteller der Isolierzelle fand. Trotzdem sollte es noch weitere vier Jahre dauern, bis Ikegwuonu mit der GIZ schließlich einen Partner fand, der ihm zu den ersten drei ColdHubs verhalf.

Heute stehen schon sieben der Kühlstationen über ganz Nigeria verteilt: Vier weitere werden bis Ende Mai folgen, eine soll sogar in ein tansanisches Flüchtlingslager gestellt werden. Das Geschäftsprinzip ist für alle ColdHubs dasselbe: Farmer oder Marktfrauen können für umgerechnet 50 US-Cent eine Obst- oder Gemüse-Kiste einen Tag lang in dem zimmergroßen Raum aufbewahren, der auf fünf bis zwölf Grad Celsius heruntergekühlt ist. Auf diese Weise halten die Farmprodukte, die in der afrikanischen Hitze oft schon nach einem Tag vergammeln, bis zu drei Wochen. 

Geschäftsidee eine Goldader

Ikegwuonu geht davon aus, dass sich ein ColdHub, der derzeit noch immer 28 000 US-Dollar kostet, nach spätestens drei Jahren amortisiert hat: Ob die Kühlräume tatsächlich das ganze Jahr über ausgebucht sein werden und sich als genauso beständig wie profitabel erweisen, wird sich erst noch herausstellen müssen. „Wir werden Herrn Ikegwuonu weiter begleiten“, heißt es bei der GIZ in Eschborn.

 Dass die Geschäftsidee des Nigerianers einer Goldader gleicht, bezweifelt in Afrika keiner. Während der Kontinent mit ständiger Hitze und Stromlosigkeit zu kämpfen hat, ist der Sonnenschein garantiert: Solarbetriebene Kühlaggregate sind für Afrika ein „Match made in Heaven“.

Nnaemeka Ikegwuonu will bald 20 000 ColdHubs in aller Welt aufstellen: An Ambition hat es dem Nigerianer noch nie gemangelt. „In 15 Jahren wird ColdHub ein weltweiter Begriff wie Sony oder LG sein“, ist der nigerianische Erfinder überzeugt: Wer wird ihm widersprechen?

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