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Coburg Mutter gesteht Schuld am Tod ihrer Babys

Die Eltern wollten ohne Einschränkungen leben, so die Staatsanwaltschaft. Ermittler fanden acht Babyleichen in ihrem Haus. Jetzt müssen sich die Eltern vor Gericht verantworten - für vier Todesfälle.

12.07.2016 11:44
Die wegen Mordes angeklagte Andrea G. (2.v.r) steht neben ihren Anwälten. Links steht ihr wegen Beihilfe zum Mord angeklagter Mann, Johann G. Foto: dpa

Die Mutter der acht toten Kinder von Wallenfels in Oberfranken hat über ihren Anwalt vor Gericht ein Geständnis abgelegt. Sie habe die acht Neugeborenen in Handtücher gewickelt und versteckt - egal, ob sie Lebenszeichen gezeigt hätten oder nicht, sagte der Verteidiger am Dienstag für die Angeklagte am Landgericht Coburg. Dort begann der Prozess gegen die 45-jährige Frau wegen Mordes in vier Fällen und gegen ihren 55 Jahre alten Noch-Ehemann wegen Beihilfe zum Mord.

Die Mutter wisse nicht mehr genau, wie viele Säuglinge unmittelbar nach der Geburt lebten, schilderte der Verteidiger. Es seien zwei, drei oder vier gewesen. Um den Kopf der Neugeborenen habe sie die Handtücher immer etwas enger gewickelt. Die Schwangerschaften habe die Frau jedes Mal so verdrängt, dass sie von den Geburten überrascht gewesen sei - auch weil ihr Mann keine Kinder mehr habe bekommen wollen. Der Vater wollte zu den konkreten Vorwürfen nichts sagen und machte nur Angaben zu seiner Person.

Mitte November waren in dem Haus der Familie in der oberfränkischen Kleinstadt Wallenfels acht tote Babys entdeckt worden. Der Fund hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht und Betroffenheit erregt. Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter vor, vier der Babys vorsätzlich umgebracht zu haben. Dem Vater legt sie zur Last, ihr dabei geholfen zu haben. Demnach wollten die Angeklagten ohne Einschränkung durch weitere Kinder leben. Die beiden, die sich wenige Wochen vor dem Leichenfund getrennt hatten, haben noch drei gemeinsame lebende Kinder und jeweils zwei weitere aus erster Ehe.

Bei vier der in Wallenfels gefundenen Babyleichen konnte der Staatsanwaltschaft zufolge nicht geklärt werden, ob die Kinder nach der Geburt tatsächlich lebten und auch lebensfähig waren. Daher sind diese nicht Teil der Anklage.

Die sterblichen Überreste der Neugeborenen waren in Plastiktüten und Handtücher gewickelt und in einem Abstellraum versteckt. Wenig später wurde die Mutter gefasst, die sich mit ihrem neuen Lebensgefährten im nahen Kronach in einer Pension aufgehalten hatte.

Für den Prozess sind zunächst fünf Verhandlungstermine vorgesehen, alle im Juli (Az. 105 Js 9472/15). (dpa)

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