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China, Japan und Südkorea Wo die Bahn wirklich pünktlich ist

Verspätung? Durchschnittlich 50 Sekunden. Ostasien ist ein Paradies für Bahnreisende. Fast alle Züge fahren schnell, pünktlich und zuverlässig - und wenn doch einmal etwas nicht nach Plan verläuft, gibt es blumige Entschuldigungen.

Bahnfahren in Tokyo
Blitzblanke Bahnsteige und jenseits der Rushhour sogar gesittetes Einsteigen: Bahnfahren in Japan macht Freude. Foto: rtr

In Japan dauern die Entschuldigungen der Bahngesellschaften oft länger als die Verspätungen selbst. Neulich hat ein privater Betreiber noch eins draufgelegt: Die Firma Metropolitan Intercity hat ausführlich ihr Bedauern dafür dargelegt, dass einer ihrer Züge zwanzig Sekunden zu früh losgefahren ist. Der Lokführer hat die Wagen zwar in der richtigen Minute anrollen lassen – doch statt bei Sekunde 40 hat er den Hebel bereits bei Sekunde 20 umgelegt. „Wir drücken unser größtes Bedauern für die Unannehmlichkeiten aus, die wir unseren Kunden verursacht haben könnten“, teilte die Firma im Netz mit. 

„Der verantwortliche Mitarbeiter hat die Fahrplantabelle nicht in gebührender Weise beachtet“, gab das Unternehmen als Begründung an. Eine Untersuchung habe zwar ergeben, dass kein Passagier den Zug wegen der verfrühten Abfahrt verpasst habe. Das Personal habe jedoch klare Anweisung erhalten, eine Wiederholung des „Zwischenfalls“ zu verhindern.

Verspätungen nur bei Erdbeben und Taifunen

In Ostasien fahren Züge generell deutlich pünktlicher als in Deutschland. China, Japan und Südkorea verfügen über engmaschige Netze von Hochgeschwindigkeitsstrecken, auf denen Verspätungen weitgehend unbekannt sind. Die große Bahngesellschaft JR East gibt ihre durchschnittliche Verspätung pro Zug derzeit mit 50 Sekunden an. Sie bezieht jedoch Verzögerungen wegen Naturkatastrophen in diese Rechnung mit ein. Ohne Japans häufige Erdbeben und Taifune läge die Zahl nahe null. 

Umgekehrt gilt es als saftiges Thema für die Fernsehnachrichten, wenn doch einmal ein Shinkansen verspätet ist. Das ist am vergangenen Montag geschehen, als bei der Stadt Yamaguchi eine Oberleitung kaputtgegangen ist und eine Reihe von Zügen zwischen zehn und 50 Minuten verspätet abfuhr. Auch hier veröffentlichte der Betreiber umfangreiche, blumige Entschuldigungen. In Japan hat jeder Passagier einen Anspruch auf eine Verspätungsbescheinigung, wenn ein Shinkansen nur fünf Minuten zu spät ankommt.

Das Nachbarland China erreicht ähnlich gute Werte. Nach eigener Statistik fahren 98,8 Prozent aller Hochgeschwindigkeitszüge dort in den vergangenen Jahren pünktlich ab. Die Wahrnehmung im Alltag bestätigt das. Es kommt höchst selten vor, dass Reisende verspätet ankommen. Jährlich nutzen in China rund 1,5 Milliarden Passagiere das Schnellzugnetz; es ist das größte der Welt. Auch in Taiwan fahren nach Angaben der dortigen Bahngesellschaft über 99 Prozent aller Züge fahrplanmäßig ab. 

Die hohe Pünktlichkeit der Züge in Ostasien liegt vor allem an guter Organisation. Die Hochgeschwindigkeitsstrecken sind baulich komplett vom übrigen Netz getrennt. Das Ein- und Aussteigen läuft zudem weitgehend reibungslos. In Japan stehen die Fahrgäste ordentlich in markierten Reihen am richtigen Wagen an. In China halten sie sich in Wartesälen bereit und dürfen nur für die gezielte Abfertigung ihres Zuges auf den Bahnsteig – ein bisschen wie am Flughafen. Der Effekt ist in beiden Ländern derselbe: Ein Minimum an Chaos, ein Maximum an Berechenbarkeit und Komfort.

In Japan gelten zudem hohe Investitionen in Wartung und Ausbildung als Garant für einen pünktlichen Bahnbetrieb. Die Wagen und die Signalsysteme sind dort nicht unbedingt neu – doch sie erhalten viel Aufmerksamkeit und Pflege. Die Bahngesellschaften setzen ihre Lokführer bewusst über viele Jahre auf denselben Strecken ein, damit sie dort Erfahrung aufbauen können. Sie müssen trotz hoher Zuverlässigkeit regelmäßig zur Nachschulung in den Simulator.

In Japan und China fahren die Züge jedoch nicht nur besonders pünktlich, sondern auch besonders flott. Vor allem die Verbindungen zwischen den wichtigen Großstädten sind von Tür zu Tür oft schneller als das Flugzeug. Der Schnellzug „Nozomi“ schafft die 520 Kilometer lange Strecke von Tokio nach Osaka in zwei Stunden und 20 Minuten. Noch rascher ist die Bahn in China unterwegs.

Die 1300 Kilometer zwischen Peking und Shanghai schafft der dortige Hochgeschwindigkeitszug in lediglich viereinhalb Stunden. In China gelten Züge, die langsamer als 300 Stundenkilometer fahren, gar nicht erst als richtige Hochgeschwindigkeitszüge. 

Die Angaben zu durchschnittlichen Verspätungen der Bahngesellschaften in verschiedenen Ländern lassen sich nur begrenzt vergleichen. In Japan gilt nur eine sekundengenaue Abfahrt als pünktlich; die Uhren des Zugpersonals messen sogar Hundertstelsekunden. In China gilt eine Toleranz von einer Minute. Die Deutsche Bahn zählt eine Abfahrt sogar sechs Minuten nach der Fahrplanzeit noch als pünktlich. In den USA liegt die Toleranz auf längeren Strecken sogar bei zehn Minuten und mehr. Nach diesen großzügigen Maßstäben läge die Pünktlichkeitsquote in Ostasien bei fast 100 Prozent. 

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