Lade Inhalte...

Chile oder Berlin Wohin mit den Honeckers?

Der Enkel des einstigen DDR-Herrscherpaars will seine Großeltern in Berlin beisetzen lassen – das hält nicht jeder für eine gute Idee.

Margot und Erich Honecker – sie sollen zurück nach Deutschland. Ihr Enkel Roberto Yáñez (44) will die Urnen seiner toten Großeltern aus dem fernen Chile nach Berlin bringen. Sein Wunsch: Sie sollen auf dem Friedhof der Sozialisten im Ortsteil Friedrichsfelde beigesetzt werden. Das allerdings sorgt nun für Debatten in der Hauptstadt.

Sie sind tot, man glaubte sie längst begraben. Erich Honecker starb 1994, seine Frau 2016 an Krebs – beide im chilenischen Exil. Es gab zwar für beide Trauerfeiern, aber die Urnen des ehemaligen DDR-Herrscherpaares wurden nie beigesetzt, wie man die Öffentlichkeit bisher glauben ließ.

Geständnis in einem Buch

Enkel Yáñez rückt in seinem Buch „Ich war der letzte Bürger der DDR“, das gerade im Suhrkamp-Insel-Verlag erschienen ist, nun mit der Wahrheit raus. Mit Co-Autor Thomas Grimm erklärt er darin, dass seine Großeltern bis heute kein Grab haben, die Urnen bei einem Freund der Familie stehen. Jetzt wollen die Hinterbliebenen aber, dass die Honeckers ihre letzte Ruhe finden. Im Buch steht, dass Yáñez es am besten finde, wenn Erich und Margot Honecker auf dem Friedhof der Sozialisten beigesetzt werden – „an der Seite ihrer ehemaligen Genossen“.

Die vom Enkel gewünschte Heimkehr der Honeckers stößt in Berlin jedoch auf wenig Begeisterung. „Die Honeckers in Berlin auf diesem Friedhof oder woanders in Deutschland beizusetzen, halte ich für nicht ratsam“, sagt der einstige DDR-Ministerpräsident der Wendezeit und heutiger Linken-Politiker Hans Modrow. Er gibt zu bedenken: „Die Gräber würden zu einem Ort werden, an dem Leute nochmals ihren Hass gegen die DDR ausleben könnten. Im Zweifel würden die Grabstätten sogar geschändet werden.“

Modrow schlägt vor, die Honeckers lieber in Chile beizusetzen. „Ich war in der Hauptstadt Santiago. Auf dem dortigen Zentralfriedhof liegen viele chilenische Kommunisten und Sozialisten wie Salvador Allende. Das wäre ein geeigneterer Ort“, sagt er.

Auch der Linken-Politiker Gregor Gysi rät, dass Enkel Yáñez alles noch einmal überdenken sollte. „Als deutsche Staatsbürger, die die Honeckers ja waren, haben sie auch ein Recht darauf, in Deutschland beigesetzt zu werden“, sagt er. „Allerdings ist die Gedenkstätte der Sozialisten dafür ungeeignet.“

Ähnlich sieht es der CDU-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger. Man könne zwar den Wunsch des Enkels respektieren. „Aber ich sehe keine Veranlassung für ein ehrendes Gedenken an Erich Honecker, der mit dafür verantwortlich war, dass Berlin und Deutschland 28 Jahre geteilt waren und das an dieser Grenze viele Menschen starben oder verwundet wurden.“

Ein Liegeplatz um die Ecke

Der Honecker-Enkel hätte schon formelle Probleme, um seine Großeltern auf dem Friedhof der Sozialisten beizusetzen. Auf dem Gelände der Gedenkstätte, an der stets im Januar der ermordeten KPD-Führer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gedacht wird und auf der auch der einzige DDR-Präsident Wilhelm Pieck liegt, werden seit 1990 keine neuen Gräber vergeben. Eine Alternative gibt es: Die Honeckers könnten neben der Gedenkstätte auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt werden. Die Familie müsste nur einen Antrag stellen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen