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Brunner-Prozess Und immer wieder: „Bastard!“

Im Landgericht München I war am Dienstag die Stimme eines Toten zu hören. Sie stammt von Dominik Brunner. Sein Handy hatte die tödliche Schlägerei aufgezeichnet. Außerdem beteuerte Brunners Ex-Freundin im Zeugenstand, dass der Manager kerngesund war.

27.07.2010 15:43
Jörg Schindler
Akten im Fall Brunner. Foto: AFP

Im Landgericht München I war am Dienstag die Stimme eines Toten zu hören. Sie stammt von Dominik Brunner, der am 12. September 2009 am Münchner S-Bahnhof Solln nach einer Schlägerei mit zwei des Mordes angeklagten Jugendlichen starb. Einem Zufall ist es zu verdanken, dass die dramatischen zwei Minuten vom Handy des Opfers aufgezeichnet wurden. Eine Sachverständige des Landeskriminalamtes präsentierte den Mitschnitt am achten Prozesstag.

Folgt man der Verschriftlichung der LKA-Expertin, dann rief Brunner an seinem Todestag gegen 16.10 Uhr: „Oan erwischt’s gleich“ und „I nehm oan mit“. Es sind die letzten zusammenhängenden Sätze Brunners, anschließend ist nur noch mehrfaches Ächzen und Stöhnen des 50-Jährigen zu vernehmen.

Die Stimmen und Schreie der beiden Täter, Markus S. und Sebastian L., sind dagegen noch weitere eineinhalb Minuten zu hören. Darunter vielfach „Komm her, Mann!“, „Du Motherfucker!“ und immer wieder „Bastard!“. Die vor Gericht ausgewertete Aufzeichnung endet nach zwei Minuten und fünf Sekunden mit der Stimme einer Frau: „Hallo, ruft mal jemand nach’m Arzt?“

Nachdem Dominik Brunner gegen 16.13 Uhr ohnmächtig zusammengesackt war, kämpften Ärzte und Rettungssanitäter noch zwei Stunden um sein Leben. Dabei gingen – wie am Dienstag ebenfalls deutlich wurde – alle beteiligten Mediziner frühzeitig von einem Herzversagen des 50-Jährigen aus. „Bis auf Nasenbluten habe ich keine weiteren äußeren Verletzungen gesehen“, sagte der Notarzt Christian B. „Wir hielten Herzversagen für die Todesursache“, bestätigte auch der Sanitäter Peter A.

Zwischen 16.20 und 18.20 Uhr versuchten Mediziner insgesamt sechsmal erfolglos, Brunner wiederzubeleben. Laut Obduktionsbericht litt er an einem krankhaft vergrößerten Herzmuskel. In der neunseitigen Anklageschrift hatte die Staatsanwaltschaft München diese Tatsache verschwiegen – sie war erst aufgrund von Presseanfragen publik geworden.

Zeitlebens in bester Verfassung

Brunners Ex-Freundin beteuerte vor der Jugendkammer jedoch, Brunner sei zeitlebens in bester Verfassung gewesen. Bis auf gelegentliche, allergiebedingte Asthma-Anfälle habe er „keine gesundheitlichen Probleme gehabt“, so die 51-jährige Ärztin. „Er hat nie über Herzbeschwerden geklagt, über so was hätten wir ganz sicher geredet.“

Am Vortag hatte bereits Brunners 80-jähriger Vater, der als Nebenkläger an dem Verfahren teilnimmt, über seine Anwältin mitteilen lassen, sein Sohn sei „kerngesund“ gewesen. Die Todesursache könnte erhebliche Auswirkungen auf das vom Gericht zu verkündende Strafmaß haben.

Brunners Ex-Freundin beschrieb ihn als einen „wachen und regen“ Mann , der sich oft eingemischt habe, „wenn er das Gefühl hatte, dass jemand bedrängt wird“. Dann habe er „relativ flott versucht, zu entzerren“. Das aber nie mit körperlicher Gewalt, „ich habe ihn nie in tätlicher Aktion gesehen“. Sport habe er regelmäßig gemacht, vor allem Joggen und Schwimmen, in den 90er Jahren auch kurzzeitig einmal Boxen, das aber „hauptsächlich, um sich gesund zu halten.“

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