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Brückeneinsturz Zahl der Toten von Genua steigt auf 43

Die Einsatzkräfte in Genua rechnen nicht mehr mit weiteren Leichen unter den Trümmern, wollen die Suche aber noch nicht beenden. Der Betreiber der Autobahnbrücke bestreitet, Schuld an dem Unglück zu sein.

19.08.2018 12:16
Unglücksort
Der Ort der Katastrophe: Die eingestürzte Morandi-Autobahnbrücke. Foto: Vigili Del Fuoco/Vigili del Fuoco/AP

Rettungskräfte in Genua haben die Leichen der letzten Vermissten aus den Trümmern der eingestürzten Brücke geborgen. Zuletzt habe man in der Nacht zum Sonntag die Körper eines 9-jährigen Mädchens und seiner Eltern herausgeholt, teilte die Feuerwehr bei Twitter mit.

Außerdem starb am Samstag ein verletzter Mann im Krankenhaus, wie ein Kliniksprecher bestätigte. Damit stieg die offizielle Zahl der Todesopfer auf 43. In einer bewegenden Trauerfeier, in der die Namen aller Toten verlesen wurden, nahmen Tausende Menschen Abschied.

Die Feuerwehr betonte, man wolle die Unglücksstelle weiter untersuchen, um sicherzustellen, dass sich keine weiteren Menschen unter den Trümmern befänden, die eventuell nicht als vermisst gemeldet worden seien. Bereits am Samstag berichteten italienische Medien, ein vermisster deutscher Tourist habe sich gemeldet, um zu sagen, dass es ihm gut gehe.

Laut Innenministerium sind unter den Toten 13 Ausländer. Dabei handle es sich um vier Franzosen, drei Chilenen, zwei Albaner, zwei Rumänen sowie einen Kolumbianer und einen Peruaner. Neun Verletzte befänden sich derzeit noch im Krankenhaus.

Das Polcevera-Viadukt in der norditalienischen Hafenstadt, auch Morandi-Brücke genannt, war während eines Unwetters am Dienstag eingestürzt. Über 30 Fahrzeuge stürzten rund 45 Meter in die Tiefe.

Die private Betreibergesellschaft Autostrade per l'Italia weist die Verantwortung für den verheerenden Brückeneinsturz von sich. „Wir denken nicht, dass die Voraussetzungen vorliegen, Verantwortung für ein Ereignis zu übernehmen, dessen Ursache zunächst noch ermittelt werden muss“, sagte Hauptgeschäftsführer Giovanni Castellucci auf einer Pressekonferenz. Experten vermuten, dass der Einsturz durch den Riss eines Tragseils verursacht worden sein könnte.

In einer Trauerzeremonie nahmen Tausende Menschen am Samstag Abschied von den Opfern des Einsturzes. Feuerwehrleute wurden bei ihrer Ankunft mit Applaus begrüßt. „Auf Genua schaut derzeit die ganze Welt, in einer großen Umarmung aus Emotionen, Zuneigung und Erwartung“, sagt Erzbischof Angelo Bagnasco.

Im Mittelpunkt der Zeremonie standen 18 mit Blumen geschmückte Särge. Einige Angehörige von Opfern nahmen aus Protest gegen die Regierung nicht an der Veranstaltung teil, wie Medien berichteten. Andere hielten Trauerfeiern in ihren Heimatgemeinden ab, etwa im Piemont und in Süditalien.

Nach der Trauerfeier hatte die italienische Regierung angekündigt, weitere 28,5 Millionen Euro Soforthilfe bereitzustellen, zusätzlich zu den am Mittwoch versprochenen 5 Millionen Euro.

Der Versicherer Allianz ist gleich zweifach vom Brückeneinsturz im italienischen Genua betroffen: Der Konzern gehört nicht nur zu den Versicherern des Bauwerks, sondern ist auch an der Betreibergesellschaft Autostrade per l'Italia beteiligt, wie eine Allianz-Sprecherin am Samstag bestätigte. Zuvor hatte die „Welt am Sonntag“ darüber berichtet.

Für die Brücken in Deutschland kündigte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ein verbessertes Kontrollsystem an. „Unabhängig von den Ereignissen in Genua werden wir Ende 2018 einen neuen weiterentwickelten Prüfungsindex für Brücken vorlegen“, sagte der CSU-Politiker der „Bild am Sonntag“. Es gehe darum, mit einer Art Brücken-TÜV „noch genauer den aktuellen Zustand der Brücken“ abzubilden.

Zu Sorgen nach der Katastrophe in Italien sagte Scheuer: „Es sind im internationalen Vergleich die schärfsten Kontrollen überhaupt. Unsere Bürger können beruhigt sein.“ Grundsätzlich würden die Brücken alle drei und sechs Jahre mit einer Einfach- und Hauptprüfung detailliert untersucht, zudem jedes Jahr kontrolliert und halbjährlich beobachtet. „Deutschland liegt in Sachen Brücken-Monitoring im internationalen Vergleich nach der Schweiz auf Platz zwei.“ (dpa)

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