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Brückeneinsturz in Genua Die Suche nach den Schuldigen

Nach dem Unglück in Genua ruft die italienische Regierung den Notstand aus. Der Staatsanwalt spricht von „menschlichem Versagen“ - und Experten befürchten weitere Einstürze italienischer Brücken.

Genua
Etwa 30 Fahrzeuge fielen bis zu 45 Meter in die Tiefe. Foto: afp

Der frühere Fußballprofi Davide Capello aus Genua gehört zu denen, die wie durch ein Wunder überlebt haben. Am Dienstagmittag steuerte er sein Auto auf der A10 über das Polcevera-Viadukt, als die vierspurige Fahrbahn vor seinen Augen verschwand. „Ich habe einen Donnerschlag gehört und dann eine Leere gespürt, die mich nach unten zog“, erzählte der 36 Jahre alte Ex-Torhüter des Vereins Cagliari Calcio italienischen Medien. Wie in der Achterbahn sei es gewesen, wie ein Videospiel, „nur dass ich glaubte zu sterben“.

Capello stürzte im Auto in die Tiefe. Er hatte unfassbares Glück. Es wurde nicht von den Trümmern der einstürzenden Brücke verschüttet, Retter befreiten ihn aus dem Wagen, er war nur leicht verletzt. „Rings um mich sah es aus wie in einem apokalyptischen Film“, sagte später.

Viele Lkw nutzen die A10

Etwa 30 Fahrzeuge waren auf dem hundert Meter langen einstürzenden Brückenabschnitt unterwegs. Sie fielen bis zu 45 Meter in die Tiefe, wurden unter Betonblöcken begraben. Bis Mittwochnachmittag hatten die Rettungskräfte nach Angaben der Präfektur 39 Tote geborgen, die Staatsanwaltschaft sprach von 42 (darunter drei französische Staatsbürger). Der Zustand von zwölf Schwerverletzten war kritisch, mehrere Menschen wurden noch vermisst. Noch immer lagen Autos unter den Trümmern.

Die A10, die „Autostrada dei Fiori“, ist nicht nur eine bekannte Urlaubsstrecke an die Riviera, sondern auch die Hauptverbindung zwischen Mittelitalien und der französischen Côte d’Azur. Viele Lkw nutzen sie, ebenso der Güterverkehr aus dem Hafen von Genua. Nicht zuletzt war das Viadukt für die knapp 600.000 Genueser eine wichtige innerstädtische Verkehrsader.

Davide Capello fuhr häufig über die Schrägseilbrücke, die in Genua „Brooklyn Brigde“ hieß. Wie umstritten sie war und dass es Zweifel an ihrer Stabilität gegeben hatte, wurde in aller Deutlichkeit erst nach dem Unglück klar. „Ich hatte nie Angst“, sagte Capello, „es war doch undenkbar, dass so etwas passieren könnte – auf einer der am stärksten befahrenen Straßen Italiens.“ Inzwischen sprechen die Medien vom „Ponte malato“, der kranken Brücke.

Das 1967 eröffnete, knapp 1,2 Kilometer lange Viadukt quert den Polcevera-Fluss sowie ein Wohn- und Gewerbegebiet. Der römische Ingenieur Riccardo Morandi entwickelte eine damals als innovativ geltende Bauweise. Die 90 Meter hohen Pylone sind aus Stahlbeton, für die V-förmigen Schrägverspannungen verwendete er statt Stahlseilen Träger aus Spannbeton. Doch die sind anfällig für Risse und Korrosion. Seit den 70-er Jahren musste ständig ausgebessert werden, die Fahrbahn verformte sich wellenförmig. Anfang der 90-er wurden Stahlkabel längs der alten Träger gespannt.

Antonio Brencich, Stahlbeton-Experte und Universitätsprofessor in Genua, wirft dem 1989 verstorbenen Morandi vor, die Zersetzung des Betons unterschätzt und dessen Bewegung falsch berechnet zu haben. „Die Brücke ist ein bautechnisches Versagen“, sagte er. Es war nicht das erste: In der Bucht von Maracaibo in Venezuela hatte Morandi eine ähnliche Brücke geplant. Zwei Jahre nach Eröffnung stürzte sie 1964 ein, als ein Öltanker einen Pfeiler rammte.

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