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Bremen Mieter nach Polizeischüssen verurteilt

Ein Bremer Mieter provoziert einen Polizeieinsatz, bei dem eine Unbeteiligte verletzt wurde. In zweiter Instanz wird er dafür zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Auch in zweiter Instanz ist ein Bremer Wohnungsmieter für lebensgefährliche Polizeischüsse auf eine Unbeteiligte bestraft worden. Wie bereits berichtet, hatte ein Polizist 2016 blindlings durch die Wohnungstür des Mieters geschossen, weil er sich durch Schreckschüsse aus der Wohnung bedroht fühlte. Der Beamte traf dabei eine unschuldige 17-Jährige, die zufällig hinter der Tür stand, und verletzte sie lebensgefährlich.

Das Landgericht Bremen verurteilte den Mieter jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung, weil er mit einer Schreckschusspistole ins Treppenhaus geschossen und damit die Polizeischüsse quasi provoziert hatte. Nach Ansicht der Richter hat er daher auch die Verletzungen bei der 17-Jährigen zu verantworten, ebenso wie das durch die Schüsse ausgelöste Knalltrauma und den Schock beim Polizisten. Außerdem muss der Verurteilte dem Beamten 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen. In erster Instanz hatte das Amtsgericht eine 14-monatige Bewährungsstrafe verhängt.

Durch die Tür geschossen

Eine Verkettung unglücklicher Umstände hatte zu den Polizeischüssen geführt. Die 17-Jährige feierte damals in der Wohnung ihres Bekannten ihren Geburtstag. Drei ungebetene Gäste störten die Party und wurden von den Feiernden vertrieben, wobei es zu einer blutigen Prügelei kam. Bald darauf versuchte wieder jemand, in die Wohnung einzudringen. Der damals 32-jährige Mieter dachte nach eigenen Angaben, die Störer wären zurückgekehrt, und feuerte durch einen Türspalt mit einer Schreckschusspistole ins Treppenhaus. Tatsächlich standen dort Polizisten, die inzwischen von Partygästen alarmiert worden waren. Ein Beamter glaubte, er werde mit einer scharfen Waffe angegriffen. Er schoss sofort fünfmal durch die Tür zurück und verletzte das dahinterstehende 17-jährige Geburtstagskind lebensgefährlich.

Die Staatsanwaltschaft hielt dem Polizisten eine vermeintliche Notwehrsituation zugute und verzichtete deshalb auf eine Anklage gegen den damals 34-jährigen Beamten. Dem Mieter billigte sie dagegen keine Notwehr zu, sondern klagte ihn erfolgreich wegen Körperverletzung an. Nach Ansicht der Richter hätte er klären müssen, ob wirklich die Störer vor der Tür standen und nicht die Polizei, von deren Alarmierung er gewusst habe.

Gegen seine neuerliche Verurteilung will er in Revision gehen, wie er unserer Zeitung sagte. Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben eines Sprechers sofort Revision eingelegt. Sie möchte erreichen, dass der Mieter nicht nur wegen fahrlässiger, sondern auch wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt wird, jedenfalls soweit es um die Gesundheitsschäden des Polizisten geht.

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