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Brand in Valparaíso Spekulationen über Brandursache

Die Chilenen spekulieren über den Auslöser des verheerenden Brandes in der Weltkulturerbestadt Valparaíso. War es eine Komination unglücklicher Umstände, die die Feuer-Katastrophe auslöste? Oder sind Versäumnisse der Politik und der Stadtplanung schuld?

Die Feuerwehr kämpft am 13. April gegen die Flammen. Foto: AFP

War es einfach die Kombination unglücklicher, aber natürlicher Umstände, die die Feuer-Katastrophe in der chilenischen Hafenstadt Valparaíso auslöste? Oder sind Versäumnisse der Politik und der Stadtplanung schuld? Während am Montag 1500 Feuerwehrleute immer noch Brandherde bekämpften, stellt sich die Gesellschaft die Frage, wer die Verantwortung für die in Chile immer wieder auflodernden Feuersbrünste trägt.

Feuerwehr und Freiwillige versuchten, die Flammen zu löschen, unter anderem unter Einsatz von 17 Flugzeugen, die Wasser abwarfen. 15 Menschen verloren ihr Leben, 2000 Häuser verbrannten, bis zu 10 000 Menschen mussten die Gegend verlassen. Präsidentin Michelle Bachelet, die nach Ausbruch der Brände in die 120 Kilometer nordwestlich von Santiago gelegene Hafenstadt fuhr, ordnete die Mobilisierung von 2000 Polizisten und Soldaten an, die Plünderungen verhindern sollen. Betroffen ist ein 850 Hektar großes Gebiet das überwiegend mit bescheidenen Vierteln bebaut war.

Vermutlich brach das Feuer am Samstag aus, als sich zwei Geier auf Hochspannungsleitungen niederließen, deren Kabel der starke Wind in Berührung brachte. Durch den Kurzschluss verbrannten die Vögel, fielen auf den Boden und entzündeten dort trockenes Laub, so die Darstellung der Ermittler. Brandstiftung wurde zunächst ausgeschlossen.

Ricardo Bravo, der Gouverneur der Region, machte das unglückliche Zusammenspiel verschiedener natürlicher Faktoren verantwortlich. Nach einigen trockenen Jahren sei die Gegend ausgedörrt, starke Winde und Hitze hätten am Wochenende die Idealbedingungen für „den perfekten Brand“ geschaffen, sagte Bravo. Er nannte allerdings auch menschliche Faktoren wie das Fehlen von Brandschneisen. Der chilenische Katastrophenschutz-Experte Michel De L’Herbe sagte, die Ausgangslage gleiche etwa Kalifornien, wo sich die Wohnviertel auch in bewaldete Bergregionen ausdehnten. Aber in Valparaíso sind es vor allem die Armen, die die von Schluchten durchzogenen Berghänge oberhalb der Stadt besiedeln – chaotisch und ungeplant.

Müll landet in der Schlucht

„Valparaíso ist eine viel zu verletzliche Stadt“, räumte Valparaísos Bürgermeister Jorge Castro ein. „Wir sind die Baumeister und Architekten unserer eigenen Gefahren gewesen.“ Die Gefahren seien seit Jahren bekannt, sagte der Urbanist Iván Poduje der Presse, „und es ist ärgerlich, wenn jetzt behauptet wird, die Natur sei schuld“. Die Behörden hätten nicht nur zugeschaut, wie sich arme Chilenen in den bergigen, von Erdrutschen und Bränden bedrohten Risikozonen angesiedelt hätten, sondern diese auch noch anerkannt, indem sie Strom- und Wasseranschlüsse gelegt und Zugangswege gebaut hätten. Dass in die Schluchten Müll, von alten Möbeln bis zu Autoreifen, geworfen wird, weil diese Viertel nicht von der städtischen Müllabfuhr bedient werden, verwandele die Schluchten in Kamine, wenn das Feuer einmal ausgebrochen ist.

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