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Bischöfin Libby Lane Meilenstein der Gleichberechtigung

Libby Lane wird als erste Frau in der fast 500-jährigen Geschichte der Mutterkirche des Anglikanismus zur Bischöfin geweiht. Die Einsegnung der Pfarrerin stellt einen Meilenstein dar auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche.

Die 48-Jährige löst in ihrer Freizeit gerne knifflige Kreuzworträtsel und spielt Saxophon. Foto: REUTERS

Sie war das Mittelkind, immer in den Fußstapfen der „sehr klugen“ älteren Schwester. Da habe sie schon im Elternhaus zwei Dinge gelernt, glaubt Libby Lane: „Eiserne Entschlossenheit und das Bedürfnis, für Ausgleich zu sorgen.“

Beide Charaktereigenschaften wird die 48-Jährige in ihrem neuen Job häufig brauchen. Als erste Frau in der fast 500-jährigen Geschichte der Mutterkirche des Anglikanismus übernimmt Lane, 48, ein Bischofsamt. Mag es sich auch um den vergleichsweise unbedeutenden Posten des Regionalbischofs von Stockport bei Manchester in der Diözese Chester handeln – die Einsegnung der Pfarrerin stellt einen Meilenstein dar auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche.

Dementsprechend groß ist der Andrang von Geistlichen und Laien an diesem Montag im berühmten Minster der Erzdiözese York. Einen nicht unerheblichen Teil der historischen Gelegenheit nimmt die Verlesung der Berufungsurkunde ein; deren Unterzeichnerin, Queen Elizabeth II, fungiert bis heute als weltliches Oberhaupt der Staatskirche. Manche Tradition ist also unverändert geblieben, seit sich Heinrich VIII 1534 von Rom lossagte. Hingegen erinnert die Person des Hausherrn von York die Gläubigen daran, dass ihre Gemeinschaft in anderer Hinsicht bereits Fortschritte gemacht hat: John Sentamu ist der erste schwarze Erzbischof der englischen Anglikaner.

Nun hat es eine Frau in ein Leitungsamt der Anglikaner geschafft, und zwar erstmals in ganz Großbritannien – ein Signal auch für die Gemeinschaft der Anglikaner, der weltweit 80 Millionen Gläubige angehören. Freilich vollzieht die Church of England nur nach, was liberale Gliedkirchen in Amerika und Australien seit Jahrzehnten praktizieren.

Zudem war Lanes Berufung nur möglich durch Zugeständnisse an die kleine Minderheit von Konservativen, deren enge Bibelauslegung bis heute Frauen als Priesterinnen, geschweige denn Bischöfinnen für unmöglich hält. Der Posten in Stockport bringt die hochgewachsene, schlanke Frau mit dem markanten Muttermal auf der Wange ihrem Geburtsort Glossop ganz nahe.

Lane ist ein typisches Beispiel englischer Elitebildung: Sie besuchte eine bekannte Privatschule in Manchester und studierte in Oxford – bis heute Eintrittskarte in jenen Kreis, aus dem England seine Führungspersonen rekrutiert. Was früher Männern vorbehalten war, stand längst vor Lanes Ausbildung auch Frauen offen. In ihrer Kirche hingegen gehörte die junge Frau noch zu den Pionieren: Mit ihrem Mann George zählte sie zu den ersten Ehepaaren, deren Priesterweihe gemeinsam erfolgte. Während er als Flughafenseelsorger arbeitet, amtierte sie zuletzt als Gemeindepfarrerin sowie als Frauenbeauftragte der Diözese. Die beiden Kinder sind aus dem Haus, in ihrer Freizeit löst Lane gern knifflige Kreuzworträtsel und spielt Saxophon.

Seit dem Tag im Advent, als ihre Berufung bekanntgegeben wurde, hat sich die zukünftige Assistenzbischöfin von den Medien ferngehalten. Rechtzeitig zum Yorker Festtag veröffentlichten die Anglikaner, ganz modern, ein Filmchen auf Youtube. Darin spricht Lane über ihre Kindheit in einer Kirchenfernen Familie und ihre Bekehrung zur „Christin und begeisterten Anglikanerin“.

Im modernen England (55 Millionen Einwohner) zählt die Pionierin damit selbst zu einer winzigen Minderheit: Gerade noch 800 000 Menschen kommen sonntags zum Gottesdienst der Staatskirche. Bei den Katholiken sind es nur unwesentlich mehr. In den nächsten Jahren werden die Bischöfe viel über Mangelverwaltung zu reden haben. Aber immerhin dürfen dann auch die Frauen mitdiskutieren.

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