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Biografie Chamäleon im Elysée-Palast

„Verführerisch wie eine Katze, schlau wie ein Affe und kalt wie eine Schlange“ heißt es von Carla Bruni in einer nicht autorisierten Biografie, die die Journalistin Besma Lahouri geschrieben hat.

Hinter der Maske ist Carla Bruni ganz anders – so steht es in der unautorisierten Biografie, die am Mittwoch erschien. Foto: AFP

„Verführerisch wie eine Katze, schlau wie ein Affe und kalt wie eine Schlange“ heißt es von Carla Bruni in einer nicht autorisierten Biografie, die die Journalistin Besma Lahouri geschrieben hat.

Über Carla Bruni nur Gutes. Ein ungeschriebenes Gesetz ist das, seit sie vor gut zweieinhalb Jahren Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy geheiratet hat und auf wundersame Weise vom männermordenden Model zur perfekten Première Dame mutiert ist wie die Raupe zum Schmetterling. Aber das Gesetz gilt nicht mehr. Die Journalistin Besma Lahouri schreibt Schlechtes. Sie geht mit Carla Bruni ins Gericht. Eine 300 Seiten starke Anklageschrift hat Lahouri am Mittwoch vorgelegt, in Form einer Bruni-Biografie. „Carla. Ein geheimes Leben“, heißt sie.

Der Vorwurf lautet: Täuschung. Lahouri hält das Bild, das die Première Dame in der Öffentlichkeit abgibt, für gefälscht. Hinter der Maske der manchmal fast schon schüchtern wirkenden, sich dezent im Hintergrund haltenden Präsidentengattin und sozialen Wohltäterin glaubt die Enthüllungsjournalistin das Ex-Model Carla Bruni im Elysée-Palast entdeckt zu haben: noch immer selbstverliebt, Ruhm und Rampenlicht suchend, eine Meisterin des Rollenspiels, stets das eigene Fortkommen im Sinn, den Aufstieg, die Macht.

„Bei ihr (Carla Bruni) ist alles unter Kontrolle: das Lächeln, das Auftreten, die Kommunikation, die Freunde, die Rivalen, die Liebschaften, die Familie bis hin zur eigenen Legende“, schreibt Lahouri und schiebt bei der Vorstellung des Buches noch nach: „Eines weiß ich genau, die Carla, die die Franzosen sehen, ist nicht die echte.“

Dutzende von Belastungszeugen bietet die Anklägerin in ihrem – sprachlich eher mittelmäßigen – Buch auf. Ob Pierre Charon, der frühere Imageberater im Elysée-Palast, ein unter dem Pseudonym M. X. firmierender Pariser Schönheitschirurg oder ehemalige Liebhaber: Alle kommen in der von der Protagonistin nicht autorisierten Biografie zu Wort. „Ich musste ihr helfen, sich bei den Franzosen ein neues Image zuzulegen, das einer jungen, schüchternen Frau etwa“, zitiert die Autorin jenen Pierre Charon, den inzwischen durch Brunis ehemalige Mannequin-Agentin Véronique Rampazzo ersetzten Berater. Der Staatschef selbst scheint am neuen Image maßgeblich mitgezeichnet zu haben. „Er ist der Urheber des Bildes ,Carla Présidente‘: bescheiden, freundlich, zurückhaltend, Tochter aus gutem Hause“, schreibt Besma Lahouri.

Animalisch Abgründiges unter glatt-gefälliger Oberfläche

Schön durfte Carla Bruni freilich bleiben. Wobei die so ebenmäßigen Züge der Première Dame nach Lahouris Erkenntnissen allerdings auch nicht echt sind, sondern das Werk jenes im 16. Pariser Arrondissement operierenden M. X. Um das animalisch Abgründige unter der glatt-gefälligen Oberfläche der Präsidentengattin zu veranschaulichen, nehmen Weggefährten von einst Anleihen im Tierreich. Der Rechtsanwalt Arno Klarsfeld hat die ehemalige Geliebte als „wahrhaftige Tigerin“ in Erinnerung. Dem Modeschöpfer Jean-Jacques Picart scheint Carla „verführerisch wie eine Katze, schlau wie ein Affe und kalt wie eine Schlange“. Die Autorin selbst sieht in Bruni eher „ein Chamäleon“.

Anders als die Première Dame glauben mache, hätten ihre Sorgen mit denen der Bevölkerung überhaupt nichts zu tun, stellt die Autorin fest. Was der Präsidentengattin in Wahrheit Sorgenfalten ins schöne Gesicht grabe, seien die wenigen Frauen, die Bruni für ebenbürtig halte: Cécilia Ciganer zunächst, die sich vor ihrer Zeit an Nicolas Sarkozys Seite versuchen durfte, und dann vor allem Michelle Obama.

Die Gattin des US-Präsidenten, schreibt Lahouri, sei in Brunis Augen „die einzige, die ihr den Titel streitig machen könnte, die sexuell attraktivste, glamouröseste First Lady des Planeten zu sein“. Entschlossen habe sich die Franko-Italienerin um die Gunst der Ebenbürtigen bemüht. Als „Freundin“ habe Bruni sie schon tituliert. „Schade nur, dass die neue Kameradin kaum Wert darauf legt, dass die Freundschaft Früchte trägt“, merkt die Biografin bissig an.

So sehr die selbsternannte Anklägerin freilich auch mit Carla Bruni ins Gericht geht, gegen Ende des Buches gesteht die Autorin der Präsidentengattin dann doch mildernde Umstände zu: eine von Einsamkeit überschattete Kindheit, den Tod des geliebten älteren Bruders Virginio.

Ob das genügt, die über die Biografie bestimmt nicht erbaute Première Dame ebenfalls milde zu stimmen? Sie hat sich am Wochenende einen Vorabdruck des Werks zukommen lassen und in der Zwischenzeit sicherlich ausgiebig studiert. Gut möglich, dass auch Carla Bruni bald eine Anklageschrift verfasst, adressiert an die Staatsanwaltschaft.

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