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Berliner Modewoche Die Kanzlerin und ein buntes wildes Stück

Selten war die Berliner Modewoche politischer. Und das liegt nicht nur an den Kleidern, die in der Hauptstadt präsentiert wurden.

Marina Hoermanseder
Marina Hoermanseder. Foto: kraul

Renate Künast jedenfalls hat am Rande des Laufstegs Platz genommen. „Ich gehe doch immer zu dieser Show“, ruft sie ins FR-Aufnahmegerät. „Ich war auch schon da, als die Sachen hier noch mehr nachhaltig als schick waren.“ Natürlich schaut sich die Grünen-Politikerin vergangene Woche nicht irgendwelche Kleider an. Sie beklatscht die Modenschau des Green Showroom, der nachhaltig und fair produzierende Designer eint. Das passt eben hervorragend zum Parteiprofil. „Wow, will ich haben, will ich tragen“, denke sie sich bei so einer Show ganz häufig.

Angst vorm Thema Mode wie viele ihrer Kollegen scheint die Künast nicht zu haben. „Vielleicht hat Frau Merkel noch nicht verstanden, dass genau hier Umweltschutz und Sozialpolitik mit Mode verbunden werden“, glaubt sie. Was Renate Künast an diesem Dienstag noch nicht weiß: Ihren großen kleinen Auftritt wird die Bundeskanzlerin am Ende der Berliner Fashion Week noch haben.

Es ist ja ohnehin nicht so, als würde die Politik auf der Modewoche ausgespart. Das zeigen viele der Kollektionen, die neben vier großen Messen auch auf fast 20 Schauen der von Mercedes-Benz hauptgesponserten Fashion Week präsentiert werden.

Plakativ etwa näherte sich Rebekka Ruétz dem Thema: Auf den Entwürfen der Österreicherin sind symbolträchtige Sprüchlein gedruckt, „Race: Human“, steht da oder „Make Love Great Again“. Dass dazu Lyrics wie „Fuck you Donald Trump“ aus den Boxen dröhnen, gehört da schon fast zum guten Ton. Hängenbleiben wird am Ende vor allem ein Druck der Designerin: „Sometimes it takes balls to be a woman“ – „Manchmal braucht es Eier, um eine Frau zu sein“. Was Ruétz paradoxer Weise phallisch auszudrücken versucht, wird zu einer Kernaussage des Frühjahrs 2019. Zumindest wenn es nach den Teilnehmern der Berliner Fashion Week geht.

Zu einer Diskussionsrunde zum Thema „Female Empowerment“ etwa hatte am Mittwoch wieder Mercedes-Benz geladen, diesmal zusammen mit der Dating-App „Bumble“: Dass es endlich Zeit für die Geschlechter sei, sich in allen Lebenslagen auf Augenhöhe zu begegnen, da waren sich Designerin Malaika Raiss, Modebloggerin Jessica Weiss und die Mitbegründerin der Online-Plattform „Edition F.“, Susann Hoffmann, am Mittwoch einig. Damit dass nicht nur beim Entwerfen hübscher Kleider klappt, sondern auch in der oftmals unbequemen Realität einer hart umkämpften Branche, sei es entscheidend, sich gegenseitig zu stärken. Und sichtbar zu machen, was Frau so alles kann.

Business, Braut oder Barbie – bei Marina Hoermanseder darf die Trägerin jedenfalls vieles sein. Und das am besten gleichzeitig. Deswegen zeigte die Österreicherin neben allerlei rosafarbenem Tüll und stilisierten Hochzeitskleidern auch kantige Jacketts. Und genau die, das versicherten gleich mehrere Kollektionen, werden ohnehin das Kleidungsstück der übernächsten Saison. Der Nachwuchs-Designer Danny Reinke zum Beispiel zeigte ein herrlich lilafarbenes Exemplar. Die Frau in der Arbeitswelt – noch drastischer wurde das nur bei Hugo zum Thema. Nach Jahren der Abstinenz gastierte Hugo Boss mit seiner Untermarke erstmals wieder mit einer großen Schau in der heimischen Hauptstadt. Ihren in sportlichen Zwirn und Anleihen der Funktionskleidung gehüllten männlichen Kollegen standen die weiblichen Models mit derben Latzhosen und übergroßen Jacketts jedenfalls in Nichts nach.

Dass Frau aber nur breite Schultern machen kann, wenn sich die Herren auch mal schmaler machen, das bewies Ivan Mandžukic. Für sein Label Ivanman ließ er Männermodels in engen Strickpullovern - allesamt bunt gemustert - und gefährlich kurzen Shorts über den Laufsteg laufen. Ein handfestes Statement ist das allemal – eine politische Botschaft wohl nur bedingt. Die aber braucht es eben nicht immer, um gute Mode zu machen – auch das war vergangene Woche in Berlin zu sehen. Dawid Tomaszewski feierte den skulpturalen Moment, das renommierte Label Odeeh den gekonnten Mustermix. Zwei Marken, die sich in politisch turbulenten Zeiten ganz aufs Handwerk, ganz auf sich besinnen.

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