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Banksys „Walled Off Hotel“ Der hässlichste Ausblick der Welt

Direkt an der israelischen Sperrmauer in Bethlehem eröffnet der britische Graffiti-Künstler Banksy ein sehr spezielles Hotel.

Banksy-Hotel in Bethlehem eröffnet
Von jedem Zimmer im ?Walled Off Hotel? aus gucken die Gäste auf den Wall. Foto: Stefanie Järkel (dpa)

Als Banksy 2005 zum ersten Mal nach Bethlehem kam und mit seinen Spraydosen Hauswände und die Sperrmauer bemalte, ahnte keiner in dem verschlafenen palästinensischen Städtchen, welch weltberühmter Streetart-Künstler da zugange war. Empört übertünchten Einheimische gar einige seiner Graffitis. Sie fühlten sich persönlich beleidigt, etwa von dem Banksy-Motiv eines israelischen Soldaten, der die Papiere eines Esels kontrolliert. Heute zählt Banksy-Kunst in Bethlehem zur Touristenattraktion, die direkt nach der Geburtskirche kommt. Die Bilder schmücken inzwischen ein Hotel, das seinesgleichen sucht.

„Walled Off Hotel“ heißt es, was etwa „ummauertes Hotel“ bedeutet. Am Samstag hat es seine Pforten für die Allgemeinheit geöffnet und die Kamerateams standen sich fast auf den Füßen. Der englische Name klingt ein wenig wie das Luxushotel Waldorf. Aber diese Bethlehemer Herberge bietet andere Superlative. Sie wirbt mit dem „hässlichsten Ausblick der Welt“ – in allen zehn Zimmern schaut der Gast direkt auf die nur wenige Meter entfernte, acht Meter hohe Mauer, die Israel um die Geburtsstadt Christi errichtet hat, um Palästinenser vom benachbarten Jerusalem fernzuhalten. Damit geht das Walled Off glatt als das politischste Hotel durch und als das skurrilste dazu.

Draußen wie drinnen ist der Nahostkonflikt thematisch präsent, meist mit subversiven Augenzwinkern, typisch Banksy eben. Den Weg hinein weist ein Portier in Gestalt eines lebensgroßen Plastikaffen im roten Jackett, an der Hand einen aufgeplatzten Koffer. In der Lobby im britischen Kolonialstil servieren livrierte Kellner Afternoon Tea und Salatplatten mit Mauersegmenten aus Toast. Für musikalische Untermalung sorgt ein selbstspielendes Klavier. Nur Überwachungskameras, die wie Hirschgeweihe montiert sind, und eine in Tränengaswolken gehüllte Statue brechen das wohlige Ambiente.

Im Artist Room, der für 265 Dollar pro Nacht zu haben ist, hängt eine Replik von Banksys Kissenschlacht zwischen einem israelischen Soldaten und einem vermummten palästinensischen Straßenkämpfer. Die Federn scheinen aufs Bett geradezu runter zu rieseln. Billiger, für schlappe 30 Dollar, kommt man im Mehrbettzimmer im Keller unter, das mit Militärpritschen aus Restbeständen der Armee eingerichtet ist. Krönung ist die Präsidentensuite, die laut Eigenwerbung „mit allem ausgestaltet ist, was ein korrupter Staatsführer braucht“: Heimkino, Bar, viel Kunst an den Wänden und einem zerschossenen Wassertank als Planschbecken. Diesen Luxus können sich bis zu sechs Normalsterbliche für 965 Dollar die Nacht teilen. Vorausgesetzt sie hinterlegen eine Kaution von 1000 Dollar als Schutz vor Diebstahl. Banksy-Werke werden in der internationalen Kunstszene in sechststelligen Summen gehandelt.

Dabei weiß keiner mehr über diesen berühmtesten aller Sprayer, als dass er um die 40 Jahre alt sei und aus Bristol stamme. Auf der Website des Hotels wird auch betont, dass er zwar die Einrichtung finanziert habe, aber die Einnahmen den lokalen Betreibern überlasse. Banksy selbst kassiere „keinen Penny“. Wie die Kontakte laufen, darüber schweigt Hotelmanager Wisam Salsaa sich aus. „Das bleibt unser großes Geheimnis.“

Bezogen werden können die Zimmer erst ab 20. März. Aber schon jetzt, strahlt Salsaa, „sind wir für die nächsten drei Monate nahezu ausgebucht“. In den vergangenen Tagen hat er, der bislang ein Reiseunternehmen führte, eine Menge Kritik einstecken müssen. Das Banksy-Hotel schlage aus dem Elend noch Profit. Früher waren es die Kunstbanausen, die sich durch die Mauergraffiti provoziert fühlten. Heute sind es palästinensische Künstler wie Bashir Qonqar, die stört, „dass wir aus der Mauer eine Industrie gemacht haben“. Ihnen hält Salsaa entgegen, dass die meisten Bethlehem-Pilger die Mauer nicht mal wahrnähmen. „Wir stoßen die Besucher darauf und tragen dazu bei, dass die Mauer irgendwann fällt.“

Richtig zur Sache geht es im Museumsteil hinter der Lobby, der die Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts erzählt. Im Zeitraffer lässt da eine Videoinstallation Panzer, Flugzeuge und Intifada-Aktivisten wie im Comic über eine Reliefkarte sausen bis hin zum Mauerbau im Westjordanland. „Wir sind im Alltag schon an unsere Lage gewöhnt, meint Omar Sbitany, 36, der aus Ost-Jerusalem hergekommen ist. „Hier sieht man, dass das kein normales Leben ist.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Israel

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