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Bankraub in Steglitz Profis waren Dilettanten

Nach Angaben eines Ermittlers war zwar der Tunnel der Steglitzer Bankräuber professionell gebaut. Die Tat selbst sei aber dilettantisch ausgeführt worden, die Gangster hinterließen Hunderte Spuren.

22.01.2013 14:57
Von Andreas Kopietz
Der Eingang zum 45 Meter langen Tunnel, den die Steglitzer Bankräuber bis zum Tresorraum der Volksbank-Filiale gegraben haben. Foto: Reuters

Wie dicht ist die Polizei den Steglitzer Tunnelgangstern auf den Fersen? Am Dienstag veröffentlichte sie das Foto eines der mutmaßlichen Täter. Zu solchen Schritten entschließen sich Fahnder erst, wenn alle anderen Ermittlungsmethoden zu einem Verdächtigen nichts gebracht haben. Denn bei einer öffentlichen Fahndung besteht die Gefahr, dass auch viele Unbeteiligte, die dem Gesuchten ähneln, unter Verdacht geraten.

Für den Einbruch in die Filiale der Volksbank an der Steglitzer Schlossstraße hatten die Täter einen Tiefgaragenplatz in der Wrangelstraße gemietet. Von dem durch ein Rolltor vor Blicken geschützten Platz aus gruben sie einen 45 Meter langen Tunnel bis zum Tresorraum der Bank. Der Mann, der im Februar vergangenen Jahres den Platz mietete, legte eine gefälschte niederländische Identitätskarte vor. Das Lichtbild auf dem Ausweis zeigt diesen Mann, an den sich der Vermieter erinnern kann.

Der Mieter wurde als Mitteleuropäer beschrieben. Er ist 1,75 bis 1,85?Meter groß und hat eine schlanke bis kräftige Figur. Seine kurzen Haare sind mittelblond bis braun. Er trug eine Brille und sprach deutsch mit einem nicht geklärten ausländischen Akzent. Die Polizei sucht jetzt Zeugen, die Angaben zur Identität des Mannes machen können und die ihn im Zeitraum von Februar 2012 bis zum 14. Januar dieses Jahres, als der Tunnel-Coup bekannt wurde, in Berlin gesehen haben.

1000 Winkel, unzählige Spuren

Ein weiterer Ermittlungsansatz der Polizei sind jene Winkel, mit denen die Bande die Verschalung des Tunnels baute. Etwa 1000 Winkel verwendeten sie.

Diese weisen einige Besonderheiten auf: Sie bestehen aus Hartholz, das ist in mehreren Lagen gepresst ist. Solche Winkel gibt es in deutschen Baumärkten nicht. „Wir haben in Deutschland kein Geschäft gefunden, das solche Winkel anbietet“, sagte ein Ermittler am Dienstag der Berliner Zeitung. Die Holzwinkel haben eine Schenkellänge von 140 Millimetern, eine Breite von 40 Millimetern und eine Stärke von 20 Millimetern. Die Polizei fragt: Wo wurde eine große Anzahl von derartigen Winkeln gekauft oder gestohlen? Wer kann sonstige Angaben zu diesen Holzwinkeln machen?

Nach Angaben der Polizei war zwar der Tunnel professionell gebaut. Die Tat selbst sei aber dilettantisch ausgeführt worden. So fand die Kriminaltechnik Hunderte Spuren wie zum Beispiel Formspuren von Werkzeugen, Fingerabdrücke oder Genmaterial. Diese Masse muss die „SoKo Tunnel“ jetzt der Reihe nach bewerten und zuordnen, relevante von irrelevanten Spuren unterscheiden – was die Sache hoch kompliziert macht.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei dieser großen Menge nicht komplett um Trugspuren handeln könne, die gelegt wurden, um Ermittler in die Irre zu führen. Bei der „SoKo Tunnel“ sind inzwischen mehr als 170 Hinweise eingegangen. Dennoch bittet die Polizei weiter darum, dass sich Zeugen zu der Tat melden.

Hinweise nimmt das Fachkommissariat beim Landeskriminalamt unter 030/46?64?945?107 entgegen sowie per Mail unter lka451@polizei.berlin.de. In der vergangenen Woche hatte die Polizei bereits ein Phantombild zur Fahndung nach einem anderen Mann veröffentlicht. Mehrere Zeugen hatten ihn in der angemieteten Tiefgarage gesehen. Er hatte sich als Bauarbeiter getarnt.

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