Lade Inhalte...

Bad Godesberg Eine Stadt driftet auseinander

Während der Bonner Republik war Bad Godesberg eine feine Adresse. Doch heute treffen hier zwei Welten aufeinander, beherrscht von Gewalt und Vorurteilen.

10.06.2016 13:22
Ingrid Müller-Münch
Europa Deutschland Nordrhein Westfalen Bonn Bad Godesberg schöne Häuserzeile nähe Rheinufer Mc
Europa, Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Bonn, Bad Godesberg, schöne Häuserzeile nähe Rheinufer, McPWAL McPWAL Europe Germany North Rhine Westphalia Bonn Bath Godesberg Beautiful Houses line Vicinity Rhine river McPWAL McPWAL Foto: imago stock&people (imago stock&people)

In St. Marien war jeder Platz besetzt. 700 Menschen waren in das Bad Godesberger Gotteshaus gekommen, um Abschied von Niklas P. zu nehmen. Der Trauergottesdienst begann ungewöhnlich – mit einem Sound, der sonst eher auf Straßen und Plätzen zu hören ist. „Nie wieder gut zu machen, nie wieder gut zu machen, nein nie mehr nie mehr nie mehr …..“ Der Rapper Djasporap erfüllte die Kirche mit seinem Sprechgesang. Womit deutlich wurde: diese Beerdigung hier ist etwas Besonderes. Etwas besonders Trauriges. Denn Niklas P., ein 17-jähriger Realschüler, der hier Mitte Mai zu Grabe getragen wurde, war das Opfer eines brutalen Überfalls. So brutal, dass „wir nicht mehr wegschauen können“, sang Djasporap.

Die Nacht vom 6. auf den 7. Mai war lau. Niklas P. chillte mit Freunden in der Rheinaue. Auf dem Rückweg wurde er von einer Gruppe junger Männer attackiert, niedergeschlagen, schon am Boden liegend gegen den Kopf getreten. Eine Woche später erlag der 17-jährige Realschüler seinen schweren Verletzungen.

An der Ecke Rheinallee/Rüngsdorfer Straße – genau an der Stelle , an der Niklas P. überfallen wurde – schaut ein junger Mann auf die verwelkenden Blumensträuße, die am Tatort niedergelegt wurden. Er zögert mit der Antwort auf die Frage, ob er Angst habe, jetzt, nachdem so etwas geschehen ist. „Ich bin 18. Ist schon ein komisches Gefühl, wenn man da entlang geht“. Ein paar Mädchen, die sich ebenfalls die Blumensträuße und Kondolenzkarten anschauen, fühlen sich abends in Godesberg nicht mehr wohl. „Sind jetzt ja schon öfters Vorfälle gewesen.“ Deshalb rufen sie nach Partys oder Treffen mit Freunden ihre Eltern an. Die holen sie dann ab.

Niklas P. wurde genau an der Stelle überfallen, an der sich Bad Godesberg in zwei Welten teilt. Nirgendwo in der Republik stoßen Arm und Reich so dicht aufeinander wie hier. Auf der einen Seiten erstreckt sich, zwischen Rhein und Eisenbahntrasse, ein Villenviertel mit prachtvollen Gründerzeitbauten, großzügigen Gärten, Alleen, Wohlstand. Wer die Unterführung nimmt, vor der Niklas P. ins Koma geprügelt wurde, landet im ehemaligen sogenannten Knolleviertel, in dem einst kleine Handwerker ihre Betriebe hatten. An ihrer Stelle entstanden vor allem arabische Geschäfte und Kneipen. Handyshops, Shisha-Stuben, Ramschläden, Dönerbuden, Schnellimbisse.

Das Stadtbild hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Nicht unbedingt zum Guten, wie es die alteingesessenen Godesberger empfinden. Und wenn Politik und Polizei nicht höllisch aufpassen, dann kippt die Stimmung bald. Unterschwellig gärt es hier schon lange.

Eigentlich waren die Bad Godesberger Ordnungskräfte stolz darauf, dass sie ein paar Jugendgangs, die noch vor Jahren ihren Stadtteil tyrannisiert hatten, zerschlagen konnten. Doch dann kam Anfang Mai die Schreckensmeldung über den tödlichen Überfall auf Niklas P. Zuvor schon hatten sich Überfälle, Diebstähle und Sexattacken im Bereich des Kurparks gehäuft.

Polizeipräsenz soll erhöht werden

Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan hat Konsequenzen angekündigt. Ein Runder Tisch „Jugendgewalt“ traf sich zum ersten Mal und entschied: Die Präsenz von Polizei und Stadtordnungsdienst soll vor allem an dunklen, häufig frequentierten Ecken wie dem Tatort erhöht werden. Außerdem soll ein Gesamtkonzept gegen Gewalt an Bonner Schulen erarbeitet werden. Früher, als Bad Godesberg noch die gute Stube Bonns war, gab es hier Polizei zuhauf. Für die Ortsansässigen war normal, dass an fast jeder Straßenecke irgendetwas bewacht wurde, eine Botschaft oder eine Politikerresidenz. Mit dem Wegzug der Bundesregierung nach Berlin wurde die Polizeipräsenz extrem zurückgefahren.

Bad Godesberg ist ein Stadtbezirk im Umbruch. „Ein Stadtbezirk, der auch sehr stiefmütterlich nach dem Wegzug der Bundesregierung behandelt worden ist. Da haben wir keinen Fisch extra gekriegt auf unseren Teller“. Nein, die Godesberger haben nicht nur keinen Fisch extra bekommen, wie es Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke (CDU) formuliert. Im Gegenteil. Sie wurden mit dem Wegzug der Bundesregierung um die Jahrtausendwende ihrer Identität beraubt.

„Mir sinn nich aus Godesberg, mir sinn was Besseres“. Diesen Spruch hat das ehemalige Mitglied des Bonner Theaterensembles, Schauspieler Rolf Mautz, als Kind oft gehört. Damals, als sein Geburtsort noch fein und vornehm war. Und man in den edlen Boutiquen Botschaftergattinnen begegnete oder „Frauen aus Togo, großen schwarzen Frauen, die in bunte Gewänder gekleidet waren. Das“, so Mautz, „war sehr beeindruckend. Es machte immer einen exotischen, reichen, begüterten Eindruck.“

Inzwischen ist das anders. Zwar zogen in die edlen Botschaftsresidenzen Manager der umliegenden Großkonzerne. Telekom ist nicht weit. UN-Behörden siedelten sich an. Einige Ministerium sind noch geblieben. Doch vieles ist anders. Das einstige so zwanglose Multikulti-Nebeneinander ist verschwunden. Heute trifft man in Bad Godesberg vor allem auf Menschen aus der islamischen Welt. Männer in langen weißen Gewändern, Frauen, allesamt hochverschlossen, das Gesicht verdeckt hinter dichten Hijabs, umhüllt von schwarzen Burkas. Was viele Alt-Godesberger stört, weil deren Erscheinungsbild inzwischen den städtischen Alltag dominiert.

Godesberger fühlen sich verdrängt, nicht mehr zu Hause in ihrem Stadtteil. Außerdem haben sie Angst. Vor Überfällen. Vor Gewalt. Diese Angst ist nicht unbegründet. Auch die Polizei beklagt, dass der Umgang in Bad Godesberg rauer geworden ist. Laut Kriminalstatistik wurden 2014 an die 200 Gewalttaten registriert. Im vergangenen Jahr waren es knapp 20 Prozent mehr. „Natürlich hat es hier große Konflikte gegeben“, sagt Schauspieler Mautz. Und dann zählt er auf: Vorwiegend marokkanische Schüler überfallen andere Jugendliche. Handys werden abgegriffen. Leute mit Waffen bedroht. Geldautomaten gesprengt. „Das Problem, das wir haben, ist, dass es hier etliche Jugendgangs gibt. Die sich also überwiegend aus jungen Menschen mit Migrationshintergrund zusammensetzen.“

Wer mehr über ihre Befindlichkeit erfahren will, muss nur in die Kammerspiele gehen. „Ich bin in Deutschland geboren. Meine Eltern in der Türkei“, schreit dort ein Sprechchor aus Laienschauspielern mit Migrationsgeschichte in den Zuschauerraum. „Meine Großeltern mütterlicherseits sind mazedonische Einwanderer. Und väterlicherseits: Mein Opa ist in Syrien geboren und meine Oma im Libanon. Ich bin sowohl türkisch als auch islamisch aufgewachsen. Meine Mutter ist sunnitisch, mein Vater alevitisch. Meine Oma gehörte zu den ersten Gastarbeitern. In der Schule war ich die einzige Türkin. Ich habe nie gewusst, wo ich hingehöre… Das erste, worauf die Leute gucken, wenn du dich bewirbst, ist das Aussehen. Und wenn du anders als Meier oder Schmidt heißt, dann hast du kaum eine Chance…. Mittlerweile, wenn man einen Vollbart hat, na gehst du morgen nach Syrien?“

Zukunftschancen driften auseinander

In Bad Godesberg gibt es nicht nur eine räumliche Distanz zwischen Villen- und Knolleviertel. Hier spalten sich Lebenswege, driften Zukunftschancen auseinander. Hier wird scharf getrennt, zwischen Kindern nordafrikanischer Migranten, die mit ihren Familien in vernachlässigten Vierteln um Bad Godesberg herum leben. Und den Gymnasiasten aus den vornehmen Wohngegenden. „Wir haben vier Privatschulen in Bad Godesberg. Davon sind drei in kirchlicher Trägerschaft. Das heißt, dass muslimische Jugendliche sehr selten diese Schulen besuchen. Was wiederum diese Schulen attraktiv für Deutschdeutsche macht“, erklärt Magdalena Winchenbach, Lehrerin an einer hiesigen Realschule. „Dadurch sammeln sich Schüler mit Migrationshintergrund sehr stark an anderen Schulen.“ Vor allem an Real- und Hauptschulen. Was zu einer „Trennung von Schülern hier in dem Stadtteil führt, die nicht gesund ist. Es fehlt einfach die alltägliche Begegnung im Schulalltag.“

Die Folge davon ist, dass Migrantenjugendliche und Gymnasiasten kaum noch Berührungspunkte miteinander haben. Und wenn sie dann aufeinandertreffen, knallt es häufig. „Dass man grundlos angemacht wird, angepöbelt wird, dass da jemand ist, der Streit sucht, das kennen die Jugendlichen“, so Winchenbach. „Das passiert ihnen im Bus, auf der Straße. Damit leben sie.“ Der Schritt von der verbalen Auseinandersetzung zur tätlichen Auseinandersetzung ist ihrer Erfahrung nach sehr klein. „Wenn einer den anderen beleidigt, dann ist das ein Grund zuzuschlagen.“

In und um Bad Godesberg gibt es Wohnviertel, in die sich selbst die Polizei nur mit Verstärkung traut. Gegenden, wo einst die kleinen Angestellten der Ministerien oder Botschaften lebten. Mit ihrem Wegzug nach Berlin wurden ihre Apartments frei. Nordafrikaner kauften oder mieteten sie. Die Kinder dieser Arbeitsmigranten chillen am liebsten im Bad Godesberger Kurpark. „Bei uns in Pennefeld, Sittersdorf oder Heiderhof“, allesamt Viertel im Godesberg herum, „gibt’s keine Plätze, wo es so schön ist“, meint ein Jugendlicher „Ja wir chillen“, lächelt mich ein anderer an und bereitet seine Lederjacke auf der verdreckten Parkbank aus, damit ich mich nicht schmutzig mache.

Sie haben sich in Godesberg kennengelernt, treffen sich regelmäßig. Wirken auf Spaziergänger bedrohlich. Dieser Pulk junger Männer in schwarzen Lederjacken, Kappen mit Schirm im Nacken. Einige gehen noch zur Schule, einer macht eine Ausbildung als Hotelfachmann. Ein anderer arbeitet übergangsweise in einer Bäckerei. Wo sie herkommen? Na Godesberg! Nein, ich meine, ursprünglich. Ach so: „Ich bin Kurde. Ich Italiener. Ich bin deutsch. Ich komme aus Albanien, Ägypten. Der da ist Russe.“

In Godesberg prallen diese unterschiedlichen Nationalitäten aufeinander. Das geht nicht immer gut. Die Politik weiß das. Doch allzu lange hat sie weggeschaut, gehofft, dass sich die Probleme von selbst lösen. Einige der Alteingesessenen haben deshalb aus Frust eine eigene Partei gegründet. Juppi Schäfer, ein Uralt-Godesberger, ist Vorsitzender der Partei „Die Godesberger“. Er wohnt auf der Bonner Straße. „Und die Bonner Straße wird im Volksmund auch Bagdad-Allee genannt, weil hier halt so viele arabische Leute wohnen.“ Juppi Schäfer lacht. Er hätte längst wegziehen, sein Haus an einen Araber verkaufen können. „Ich lass mich nicht vertreiben“, sagt er und wohnt weiterhin auf dieser Bonner Straße, die ihn dazu zwingt, selbst tagsüber seine Rollläden geschlossen zu halten. Sonst wird der Lärm zu groß. Vor seiner Haustür treffen sich die Araber, plauschen auf der Straße, amüsieren sich. „Und jede Nacht höre ich dann vor meinem Tor: Machhalla halla halla. Und wenn man dann nachts das Fenster aufmacht und sagt, könnt ihr mal ein bisschen leiser sein, ich will schlafen, mittlerweile ist es zwölf oder ein Uhr nachts, dann heißt es nur, willst du vor die Fresse, komm runter. Das ist also live von der Bagdad-Allee, äh Bonner Straße.“

Schauspieler Rolf Mautz ärgert vor allem, dass Bad Godesberg inzwischen als Salafisten-Hochburg gilt. Als zentrales Agitationsfeld der Fanatiker. Und dass die Stadtverwaltung seiner Meinung nach dem Treiben untätig zuschaut. Wie im Fall der Initiative „Lies“. Deren Gründer Abou Nagie ist laut Verfassungsschutz ein salafistischer Prediger. Samstags stellt er sich häufig auf den Theaterplatz und verteilt kostenlos den Koran an Passanten. Mautz wollte das nicht einfach so hinnehmen, hat ihn in ein Gespräch verwickelt. Ein aggressives Gespräch. Anschließend hat er das Ordnungsamt angerufen und gesagt, „hier wird der Koran verkauft von der Initiative Lies, die nachweislich dafür bekannt ist, dass sie Leute für den Dschihad anwerben. Wie verhalten Sie sich dazu? Da haben sie gesagt, ja, wenn die’ne Erlaubnis dafür haben….“

Es sind drei verschiedene Gruppen arabisch aussehender Menschen, die das Straßenbild von Bad Godesberg prägen: Zum einen die nordafrikanischen Migranten, die dauerhaft seit dem Wegzug der Bundesregierung in Bad Godesberg und den umliegenden Stadtteilen leben. Hinzu kommen seit kurzem Flüchtlinge, die Godesberg aufgenommen hat. Insgesamt 1,5 Prozent der 73.000 Stadtteilbewohner. Darüber hinaus gibt es eine dritte Gruppierung. Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke (CDU) nennt sie, wie fast alle Godesberger, die „Gesundheitstouristen, die in der Regel aus den arabischen Ländern kommen.“ Patienten der umliegenden Kliniken.

1993 kam Detlev Schröder nach Bad Godesberg, übernahm die Leitung des Waldkrankenhauses. „Damals hatten wir hier ein faszinierendes Umfeld“. Allein etwa 175 Botschaften hatten sich seiner Erinnerung nach in Godesberg niedergelassen. Und aus diesem Milieu kamen viele seiner ausländischen Patienten. Sie blieben gerne, denn Bad Godesberg hat bis heute einiges zu bieten. „Wir haben im Umkreis von sechs Kilometern neun chirurgische Häuser. Ich glaube, dass Bad Godesberg nach Tel Aviv die Stadt mit der größten Arztdichte ist“.

Gesundheitstourismus

Der Medizintourismus ist Bad Godesberg deshalb auch erhalten geblieben. Ein Reizthema für die einen, eine willkommene Einnahmequelle für die anderen. Detlev Schröder weiß aus eigener Erfahrung, wie dieser sogenannte Gesundheitstourismus entstand und wie er abläuft: „Die Länder, die Geld haben, schicken Familien mit dem kranken Patienten hierher. Also ein Kranker, fünf, sechs Angehörige.“ Wer das bezahle? Der Staat natürlich. „Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Saudi Arabien“. Er erklärt das Procedere: „Die Gesundheitsabteilungen der Länder geben, nach vorhergehender Expertise, den Patienten eine sogenannte Kostenübernahmeerklärung mit. Die wurde dann hier über die Botschaft eingereicht.“ Doch seitdem die meisten Botschaften wegzogen, funktioniert das System nicht mehr reibungslos. Deshalb gehen immer mehr Kliniken dazu über, sich noch vor der Behandlung des Patienten Vorschüsse in bar geben zu lassen. Aber noch immer sind diese Patienten keineswegs arm, wie Schröder weiß. „Heute kriegt ein Angehöriger, der seine Frau aus Kuwait zur Behandlung nach Bad Godesberg begleitet, 10 000 Euro im Monat Taschengeld.“

Die Godesberger stehen dieser Art Touristen mit gemischten Gefühlen gegenüber. Zum Beispiel der pensionierte Berufsfeuerwehrmann Hans-Werner Schmidt, in dessen Eigentumswohnanlage von 170 Wohneinheiten inzwischen 33 an Medizintouristen vermietet wurden. Und deren Lebensrhythmus ist, so beklagt er , einfach nicht mit dem Lebensstil deutscher Rentner, die hier vornehmlich wohnen, zu vereinbaren. „Nicht der Medizintourismus ist das Problem, sondern das Verhalten der Touristen.“ Gegen 22 Uhr, wenn die deutschen Nachbarn sich langsam bettfertig machen, wachen ihre neuen Mitbewohner erst richtig auf. Dann bleiben die Türen offen, unterhält man sich über den Fluren, wird gekocht, die Kinder toben herum.

Bezirksbürgermeisterin Stein-Lücke kennt das Problem. Weiß um die zahlreichen Vermieter, „die schlecht oder gar nicht renovierte Wohnungen aus den sechziger, siebziger Jahren dazu verwenden, in kurzer Zeit unglaubliches Geld zu machen. Es geistern Zahlen von 6000, 7000 Euro pro Monat für eine durchschnittliche 08/15-Mietwohnung durch Godesberg.“

Ein erster Schritt zur Befriedung wurde inzwischen getan. Ein klitzekleiner Schritt angesichts von über 1000 Gesundheitstouristen pro Jahr. Im Zentrum von Bad Godesberg wird derzeit ein „Boardinghaus“ gebaut, ganz auf die Bedürfnisse dieser Klientel zugeschnitten. Das soll entzerren, aber auch die Verdrängungseffekte durch Mietwucher eindämmen.

Die Kritiker der derzeitigen Situation in Bad Godesberg wehren sich entschieden gegen den Vorwurf, Rassisten zu sein. Ihre Bedenken, ihre Klagen, ihre Anliegen deuten auch eher auf Frust hin, auf nicht kompatible Lebensgewohnheiten, auf Fremdheitsgefühle und Unverständnis von beiden Seiten.

Der Tod von Niklas P. hat das Augenmerk von Politik, Polizei und Medien verschärft auf die Schwachpunkte in Godesberg gelenkt. Schwachpunkte, auf die die Bonner Integrationsbeauftragte Coletta Manemann immer wieder aufmerksam macht. Ihr ist es wichtig, „dass im Stadtteil die gegenseitige Ausgrenzung und der abfällige Umgang miteinander aufhören.“ Nach Anschlägen wie in Paris oder Brüssel müssen sich muslimische Jugendliche anhören: „Was haben Eure Leute da wieder gemacht? Haste ’ne Bombe im Rucksack? Mensch, wir sind es satt mit euch Muslimen!“ Das, so erlebt es Manemann in ihren Sprechstunden, halten diese jungen Leute kaum noch aus. „Da liegen die Nerven ziemlich blank. Das Wir und das Ihr, das ist in Bad Godesberg noch nicht behoben.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen