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Autodiebstahl Das Leben kann gemein sein

Pro Nacht werden im Schnitt 50 Autos geklaut: Bei Familie Hamann waren es gleich zwei.

Autodieb
Autodieb bei der Arbeit (Symbolfoto). Foto: Imago

Für Sachsens Polizei mag es eine gute Woche gewesen sein, für Familie Hamann aus Hartha, einer Kleinstadt, zwischen Dresden und Leipzig, war es das sicher nicht. Die Polizei, um das Gute der Geschichte voranzustellen, schnappte am Mittwoch zwei Autodiebe, etwas, das auch nicht so häufig vorkommt.

Einer stand auf der A4 Richtung Görlitz im Stau, bekam Muffensausen, ließ das geklaute Auto stehen und rannte weg. In einem nahegelegenen Dorf schnappte die Polizei den 19-Jährigen, das Auto war in Leipzig gestohlen worden. Der andere Dieb hatte einen Audi vermutlich in Darmstadt gestohlen und war in Ostsachsen Bundespolizisten auf der A4 aufgefallen. Nach einer wilden Verfolgungsjagd, die auf einem Acker endete, sammelten sie einen 32-jährigen Polen ein, er leicht verletzt, der geklaute Wagen ein Totalschaden.

Aber das ist alles nichts gegen die Nacht von Montag auf Dienstag nebst folgendem Vormittag der Familie Hamann aus Hartha, als Vater Ingo tief in der Nacht ein leises Knacken hört und sich nichts dabei denkt, weil er a) sehr müde ist und b) hin und wieder Igel nachts im Garten Krach machen. Also schläft er weiter. Als seine Frau um 4.30 Uhr früh aufsteht und zur Arbeit fahren will, sieht sie das Malheur. Ein Einbruch, der Schlüsselkasten im Haus leer geräumt, der neue Opel Zafira vorm Haus, 35.000 Euro wert, geklaut.

An einem Tag zum Fußgänger

Man alarmiert die Polizei und die leitet sofort eine europaweite Fahndung ein. Mit dem Zweitwagen, einem kleinen Opel Corsa, der 100 Meter vom Haus entfernt parkte und vor genau einer Woche gekauft wurde, fährt Ingo Hamann dann vormittags los, um neue Schlösser fürs Haus zu kaufen. Gott sei Dank, sagte er sich, habe er noch ein Paar Ersatzschlüssel für den Wagen gehabt. Mittags kommt er zum Essen nach Hause, parkt vor der Tür, macht Pause.

Als er kurze Zeit später aus der Tür schaut, ist auch der Corsa weg. Geklaut. Kein guter Tag, plötzlich Fußgänger. „Ich bin am Dienstag überhaupt das erste Mal damit gefahren“, sagt Hamann entsetzt dem „Döbelner Anzeiger“. Er kann die Dreistigkeit der Diebe kaum fassen: „Ich dachte, die sind mit dem Zafira längst auf dem Weg nach Polen.“ Dass sie ihm auflauern und auch noch den zweiten Wagen stehlen: „Nicht zu begreifen“, sagt er. Ein klein bisschen Happy End: Tags darauf wird der Corsa gefunden. Auf einem Acker. Der Dieb hat wohl die Kontrolle über das Auto verloren und ist aus einer Kurve geflogen und dann weggerannt. Die Polizei ermittelt.

300 Millionen Euro Schaden durch Autodiebstahl

Nun noch ein richtiges Happy End, diesmal mit und dank Hund: In Mittelherwigsdorf im ostsächsischen Dreiländereck knurrt der fünfjährige Briard-Labradormischling Kira in der Nacht zu Mittwoch derart laut und böse, dass Besitzer Mike Häntsch aufsteht, zur Taschenlampe greift und rausgeht, um nach seinem Audi A4 zu sehen. Er sieht einen Mann neben, und einen anderen in seinem Wagen, der gerade am Armaturenbrett herumfummelt. Junge Kerle, sie rennen sofort weg, als sie den wütenden Mann mit der großen Taschenlampe sehen.

In Deutschland werden pro Nacht im Schnitt 50 Autos geklaut. Insgesamt, so der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), waren es vergangenes Jahr 18 227, im Vorjahr waren es ähnlich viele. Der Gesamtschaden liegt bei 300 Millionen Euro. Am allerliebsten gestohlen werden teure SUVs und schwere Geländewagen. Berlin ist und bleibt die Hauptstadt der Autodiebe (3477 Fälle), mit Abstand auf Platz zwei liegt Hamburg (1112 Fälle).

Hartha in Sachsen taucht in diesen Tabellen natürlich nicht auf und kann nicht mit Berlin mithalten. In einem Ranking „Dreiste Diebstähle“ allerdings würde das Städtchen garantiert ganz weit vorne liegen. Auf Platz zwei käme vermutlich immer noch ein Altfall aus dem Jahr 2010: Damals wurde in der Dresdner Neustadt ein kleiner Audi gestohlen. Tags darauf entdeckten Polizisten an der A4 Wagen und Dieb. Es kam zu einer hektischen Verfolgungsjagd mit Festnahme. Danach erfuhr der einschlägig vorbestrafte Mann aus Polen, wem er den Wagen geklaut hatte: Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

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