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Ausbrecherkönig Redoine Faïd Er ist dann mal wieder weg

Nachdem ihn die Polizei fast geschnappt hatte, fehlt von Frankreichs Ausbrecherkönig Redoine Faïd jede Spur. Man hofft, dass der Gesuchte bald den nächsten Raubüberfall verüben und dabei Spuren hinterlassen wird.

Gerichtszeichnung von Redoine Faïd
Redoine Faïd ist Frankreichs Ein- und Ausbrecher Nummer eins. Foto: afp

Wäre er nur Einbrecher, er hätte es niemals zu Frankreichs meistgesuchtem Verbrecher gebracht. Aber Redoine Faïd ist eben auch Ausbrecher. Ob er zu Dynamit, Trennschleifer oder Rauchbomben greift – er hat sich bisher noch aus jedem französischen Gefängnis den Weg ins Freie gebahnt. Vorstadtjugendliche himmeln ihn an. Was gäben sie dafür, wenn sie sich in ihrem von Armut, Arbeitslosigkeit und Gewalt geprägten Alltag der Polizei so genial entziehen könnten wie der Franko-Algerier mit dem sanften Blick, den dichten Brauen und dem kahlen Schädel. 

Die bisher letzte Kostprobe seines kriminellen Könnens lieferte der mit neun Geschwistern in einem Mietskasernenviertel von Creil aufgewachsene Gangster Mitte vergangener Woche ab. Nördlich von Paris war er mit einem seinem älteren Bruder Rachid im Auto unterwegs. Im Kofferraum lag von Ein- und Ausbrechern geschätztes Arbeitsmaterial: Plastiksprengstoff, Benzin, Zünder, falsche Autokennzeichen. 

Da Faïd sich nicht nur über Gefängnismauern und Straßensperren, sondern auch über Verkehrsregeln hinwegzusetzen pflegt, zog er die Aufmerksamkeit einer Polizeistreife auf sich. Von den Ordnungshütern als gefälscht erkannte Nummernschilder erhöhten das Interesse am Fahrzeug und dessen Insassen noch. 

Redoine Faïds letzte Flucht war ein „Kinderspiel“

Die Beamten schritten zur Tat, hießen den Mann am Steuer rechts ranfahren. Der Angesprochene hielt das für wenig ratsam. Er gab Gas. Eine Verfolgungsjagd begann, an deren Ende Faïd in der Falle zu stecken schien. In das Parkhaus eines Einkaufszentrums der Pariser Vorstadt Sarcelles war er gerast. Aber dann kam es eben wie so oft. Der Staatsfeind Nummer eins schien sich wieder einmal in Luft aufgelöst zu haben. 

Gemessen an seinem jüngsten Ausbruchs-Coup war die Flucht vom Dienstag freilich ein Kinderspiel gewesen. Als der wegen bewaffneten Raubüberfalls verurteilte Faïd am 1. Juli dem Gefängnis von Réau den Rücken kehrte, bedurfte es ganz anderer Mittel und Fähigkeiten. 
Drei Komplizen hatten für jenen Tag einen Flug mit einem Helikopter gebucht. Sie zwangen den Piloten, in einem kleinen Innenhof des südlich von Paris gelegenen Gefängnisses zu landen.

Vermummt und mit Maschinenpistole in der Hand bahnten sich die Befreier mit Trennschleifern den Weg zum Besuchertrakt, wo Faïd mit einem seiner Brüder zusammengekommen war. Rauchbomben zündend stürmte das Trio mit dem Häftling zurück zum Hubschrauber. Nach zehn Minuten war alles vorbei. Zurück blieb verwirrtes, eingeschüchtertes Wachpersonal. 

Mehrere Tausend Polizisten versuchen seither, dem Ausbrecher auf die Spur zu kommen. Sie glauben, dass der große Bruder Rachid und Jugendfreunde Faïd zur Freiheit verholfen haben. Und sie hoffen, dass der Gesuchte Geld braucht, den nächsten Raubüberfall verüben und dabei Spuren hinterlassen wird. 

So spektakulär die Flucht aus Réau indes auch war, niemand ist dabei zu Schaden gekommen. Dass Faïd eine Schusswaffe bei sich zu tragen pflegt, wenn er Geldtransporter überfällt, Bankdirektoren kidnappt oder ausbricht, heißt nicht, dass er sie auch gern benutzt. In der minutiösen Planung, die seinen Verbrechen vorausgeht, ist Blutvergießen nicht vorgesehen. 
Faïd begreift sich nicht als Brutalo. Er sieht sich als Gentleman. Gerichtspsychiater bescheinigen ihm, dass er besitzt, was einen solchen auszeichnet: „Charme, Charisma, Intelligenz.“

Gefängniswärter attestieren dem sie vorzeitig verlassenden Insassen „gute Manieren“. Dass er hinter Gittern seine Biografie mit dem Titel „Einbrecher“ verfasst hat, passt ins Bild. Dass er weder raucht noch trinkt, eine Zeitlang gern gesehener Gast bei Fernseh-Talkshows war und den Spitznamen „Doc“ trägt, ebenfalls. 

Einmal nur sind die Dinge außer Kontrolle geraten. Im Mai 2010 kam nach einem Raubüberfall bei einer sich anschließenden Verfolgungsjagd eine Polizistin ums Leben. Im Juni 2011 wurde Faïd festgenommen und zu 25 Jahren Haft verurteilt. Am Ende blieb es dann bei einem Jahr und zehn Monaten. Im April 2013 brach Faïd aus. Mit in der Zelle gehortetem Sprengstoff und einer Pistole bahnte er sich in der Strafvollzugsanstalt von Lille den Weg nach draußen, nahm Geiseln, ließ sie wieder frei, legte fünf Gefängnistore in Schutt und Asche. 

Und wenn der von der Polizei als „bewaffnet und extrem gefährlich“ zur Fahndung Ausgeschriebene eines Tages doch in die Falle gehen, wenn er gar im Kugelhagel sterben sollte? Dann wird es wohl so kommen, wie Faïd es aus dem Film „Heat“ kennt, den er ein Dutzend Male angeschaut hat. In der Schlussszene feuert Polizeichef Vincent Hanna (Al Pacino) die tödliche Kugel auf Gangsterboss Neil McCauley und ergreift respektvoll die Hand des Sterbenden, der ihm bis zuletzt ein ebenbürtiger Widersacher gewesen war.

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