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"Atlas der wahren Namen" Mittelerde lebt

Fröhliche Meeresbucht (Lissabon), Schlafende Erde (Sibirien), Kapuzenland (Gabun): Ein Lübecker Verlag hat die Herkunft von Landschafts- und Städtenamen erforscht.

29.07.2008 00:07
Hans-Hermann Kotte
Abendland (Europa) im Ausschnitt: Von Winkelburg (Hamburg) bis nach Mittenwiesen (Mailand), von der Stadt der Bootsleute (Paris) bis nach Waldbach (Wien). Foto: Kalimedia

Wenn jemand im afrikanischen Land Gambia das Wort Wuppertal hört, dann denkt er sicher nicht an Schwebebahn und Friedrich Engels. Denn Wuppertal bedeutet in Wolof, der dortigen Sprache, so viel wie "Feuer machen". Diese Anekdote kam mir in den Sinn, als ich mir den gerade erschienenen "Atlas der wahren Namen" ansah: Er besteht aus einer Welt- und Europakarte, in die die ursprüngliche Wortbedeutung der geografischen Namen eingetragen ist.

Alles andere als eine trocken-lexikalische Sache ist das, vielmehr entfaltet sich fast schon ein magischer Kosmos: Namen wie Fröhliche Meeresbucht (Lissabon), Schlafende Erde (Sibirien), Kapuzenland (Gabun) oder Vater der Gewässer (Mississippi) erinnern mächtig an die Sagenwelt von J.R.R.Tolkien, an Karl May oder an Donald-Duck-Comics. Mit diesen Karten (Made in "Volksland") lassen sich hübsche Ratespiele veranstalten: Auf der Vorderseite versucht man sich zwischen Eisenburg und Terrassenbucht zu orientieren, und kann dann auf der Rückseite im alphabetischen Verzeichnis nachlesen, dass Bordeaux vom baskischen burdeux (Eisenburg) kommt und Taiwan aus dem chinesischen tai (Terrasse) und wan (Bucht). Hübsch, dass es manche Orte gar zweimal gibt: Treffpunkt (Canberra, Toronto) oder Zwischen Flüssen (Hanoi, Mesopotamien).

Meist gehen die Namen auf räumliche Gegebenheiten zurück, aber auch auf Vegetation, Tierwelt, Bodenschätze, Wasserläufe oder Klima. Auch bestimmte Eigenschaften, die Völkern zugesprochen werden, finden sich in den Namen - Stärke, Ehre, Tapferkeit - und natürlich spielen Mythen und Herrschergestalten eine Rolle, ebenso Jagen und Sammeln, Handel und Wandel.

Auf die Idee mit dem etymologischen Atlas sind die beiden Kartographen Stephan Hormes und Silke Peust von der Lübecker Firma Kalimedia gekommen, als ihnen vor drei Jahren das "Handbuch der geographischen Namen" von Dietmar Urmes in die Hände fiel. "Das hat bei uns einen fast kindlichen Entdeckergeist geweckt", sagt Hormes. Eine Begeisterung, die den Kartenleser ansteckt.

Ach ja, zum Schluss noch mal zu Wuppertal und Gambia: Der erste Name erklärt sich ja von selbst, der Fluss und sein Tal. Und der zweite kommt aus dem Portugiesischen von cambio, tauschen, handeln. Also: Gambia, das Land des Tauschhandels.

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