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Artenschutz Geparde drohen auszusterben

Ihre Felle werden auf dem Schwarzmarkt gehandelt, Geparden-Babys an Scheichs verkauft. Das sind nur zwei der Gründe, weshalb das schnellste Landtier der Welt vom Aussterben bedroht ist.

Der Bestand der Geparden hat sich innerhalb von 40 Jahren fast halbiert. Foto: REUTERS

Mit 120 Kilometern pro Stunde ist der Gepard das schnellste Säugetier der Welt – offenbar jedoch noch immer nicht schnell genug, um dem drohenden Aussterben zu entkommen. Mit weltweit lediglich rund 7100 verbliebenen Exemplaren ist die langbeinige Katze wesentlich gefährdeter als bislang angenommen, fanden Wissenschaftler jetzt heraus: Um die blitzschnellen Tiere besser schützen zu können, müssten sie im Washingtoner Artenschutzabkommen Cites dringend von „verletzlich“ zu „gefährdet“ eingestuft werden.

Bei der letzten großen Erhebung vor 40 Jahren wurden mit weltweit 14 000 Exemplaren noch fast doppelt so viele Geparden wie heute gezählt. Gehe der Schwund des pfeilschnellen Raubtiers so weiter, werde es in 15 Jahren nur noch weniger als 4000 dieser einzigartigen Katzen geben, rechneten 54 Wissenschaftler und Naturschützer aus 18 Staaten aus, die ihre Forschungsergebnisse jetzt im US-Magazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht haben. Danach hat der Gepard 91 Prozent seines natürlichen Lebensraums verloren: In Asien, wo die Katze einst außer in Afrika zu Hause war, sind nur noch rund 50 Exemplare im Iran zu finden.

Die einzigen nennenswerten Geparden-Populationen sind im Südlichen Afrika übrig geblieben: In Südafrika, Namibia, Mosambik, Angola, Sambia und Simbabwe leben mit über 4000 Exemplaren die Hälfte aller verbliebenen Katzen. Doch auch in Simbabwe ging ihre Zahl von 1200 vor 16 Jahren auf heute nur noch 170 zurück. Der Grund für den massiven Rückgang ist in erster Linie der Mensch.

In Simbabwe hat die umstrittene Landreform dafür gesorgt, dass der Lebensraum der Raubtiere drastisch reduziert wurde. Geparden haben bis zu 3000 Quadratkilometer große Reviere – ein fast viermal so großes Gebiet, wie die Stadt Berlin einnimmt. Die pfeilschnellen Läufer lassen sich deshalb nicht auf Tierparks beschränken: Fast 80 Prozent ihres Lebensraums liegt außerhalb der geschützten Reservate. Dort sind die Geparden der Jagd und den Fallen ihrer menschlichen Feinde schutzlos ausgesetzt. „Unsere Studie zeigt, dass die Großkatzen wesentlich akuter vom Aussterben bedroht sind, als bisher angenommen“, sagt die Leiterin des Wissenschaftlerteams, Sarah Durant von der Londoner Zoologischen Gesellschaft.

Felle werden auf dem Schwarzmarkt gehandelt

Die Großkatzen ernähren sich vor allem von Gazellen, Antilopen und kleineren Säugetieren, die auch unter Menschen als Leckerbissen gelten – sie sind also direkte Konkurrenten des Homo sapiens. Hinzu kommt, dass sie unter Viehhirten unbeliebt sind, und dass ihre gefleckten Felle auf dem Schwarzmarkt bis zu 1000 US-Dollar einbringen. Schließlich gelten Geparden-Babys derzeit als letzter Schrei unter den Erdölscheichs in den Golf-Staaten: Sie blättern für ein junges Raubkätzchen bis zu 10 000 Dollar hin. Nach Angaben des „Cheetah Conservation Funds“ wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 1200 lebende Gepardenbabys aus Afrika in den Mittleren Osten geschmuggelt: 85 Prozent von ihnen sollen nicht einmal die Reise überlebt haben.

Die einzige Überlebenschance der Geparden ist nach Auffassung der Autoren der Studie, dass sie sowohl von der Internationalen Naturschutz-Union (IUCN) wie von Cites so schnell wie möglich in die höchste Schutzstufe aufgenommen werden. Außer der verstärkten internationalen Aufmerksamkeit habe diese Neueinstufung auch finanzielle Vorteile, meinen die Experten: Damit würden zusätzliche Mittel frei, die in gezielte Schutzmaßnahmen fließen könnten. Am wichtigsten sei jedoch, dass den Geparden auch ein Leben außerhalb der Reservate ermöglicht werde: Ihre Ghettoisierung komme einem „Disaster“ für die raumbedürftigen Raubtiere gleich.

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