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„Arab Fashion Week“ Männer müssen draußen bleiben

Mit der „Arab Fashion Week“ in Riad hat jetzt auch der Nahe Osten eine eigene Modewoche – trotz seiner strengen Kleiderordnung.

Saudi Princess Deena Aljuhani Abdulaziz, director of Vogue Arabia, poses before the Fendi's Autumn/Winter 2017 women collection during Milan's Fashion Week, in Milan
Die saudi-arabische Prinzessin Deena Aljuhani Abdulaziz im Februar 2017 während der Fashion Week in Milan. Foto: Reuters

Eine Modewoche ohne Fotografen. Was quasi als unmöglich galt, ist jetzt Realität. Im Ritz-Carlton-Hotel von Riad startete am Dienstagabend die erste „Arab Fashion Week“, genau wie in anderen Ländern werden den Gästen vier Tage lang Modenschauen verschiedener Marken präsentiert. Nur dürfen eben Fotografen genauso wenig dabei sein wie männliche Gäste. Die arabische Modewoche ist ganz den saudischen Frauen vorbehalten.

Für Modemarken ein hochinteressantes Publikum, deswegen sind zur „Arab Fashion Week“ auch internationale Labels wie Roberto Cavalli oder Jean Paul Gaultier angereist. Ihr Ziel ist klar: ein äußerst vielversprechender Markt. Rund 205 Milliarden Euro haben Muslime 2016 laut dem Report „State of the Global Islamic Economy“ für islamkonforme Mode ausgegeben, für 2022 wird ein Anstieg auf rund 301 Milliarden Euro prognostiziert. „Die Mode ist vielleicht zurückhaltend“, so der Report, „doch ihr Erfolg ist es nicht.“ Und das ist längst auch in den Pariser Chefetagen und Mailänder Ateliers angekommen.

2014 war es die US-Designerin Donna Karan, die als Erste eine „Ramadan“-Kollektion herausbrachte, hübsche Kleider, die Musliminnen das Ende des Fastenmonats versüßen sollten. Mit Mango zog ein Jahr später der erste Massenhersteller nach. Besonders großes Aufsehen erregte 2016 das italienische Luxuslabel Dolce & Gabbana: Ihre „Allure of the Middle East“-Kollektion beinhaltete nicht nur hochgeschlossene Outfits und knöchellange Röcke, sondern konsequenterweise auch Hidschabs. Die Kopftücher made in Italy sollen sich sensationell gut verkaufen – sie gefallen dennoch lange nicht jedem.

Ein Modemacher sei nicht dazu da, „Komplize einer Diktatur zu sein, die Frauen dazu zwingt, sich zu verstecken“, sagte damals etwa Pierre Bergé, langjähriger Lebens- und Geschäftspartner des 2008 verstorbenen Designers Yves Saint Laurent. Damit steht Bergé für ein weit verbreitetes Vorurteil, das unter jedem Kopftuch eine unterdrückte Frau vermutet. Ein Klischee, das modernen Muslimas ihren eigenen Willen abspricht und ihre Männer in die Rolle des Gesetzgebers zwingt. Dabei ist der Hidschab – so umstritten sein Ursprung und seine Praxis auch sind – längst angekommen in der Moderne.

Das beweisen nicht zuletzt zahllose Bilder auf Instagram unter dem Hashtag #hijabista, dem muslimischen Äquivalent der Fashionista. Ascia Al Faraj aus Kuwait etwa schart auf der Plattform rund zwei Millionen Follower um sich, Dina Tokio aus London kommt auf 1,4 Millionen und eine eigene Modekollektion: Auf ihren Bildern schlürfen sie Chai-Latte, balancieren die neueste Designerbrille auf der Nase, halten Beauty-Produkte in die Kamera – und tragen Kopftuch. Alles auf einmal. Auf Youtube wiederum gibt es unzählige Video-Tutorials, die jungen Muslimas auf der ganzen Welt zeigen, wie sie den Hidschab neu interpretieren, ihn anders binden und modern kombinieren können.

Und seit März 2017 wird mit „Vogue Arabia“ in Saudi-Arabien, Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Jordanien, dem Libanon und den Vereinigten Arabischen Emiraten auch die erste Ausgabe des wichtigsten Modemagazins der Welt in Nahost verlegt. Chefredakteurin für den Launch der Zeitschrift war Prinzessin Deena Aljuhani Abdulaziz, auch sie ist ein muslimischer Star in den sozialen Medien. Zwar trägt die Prinzessin kein Kopftuch, doch sie übersetzt ebenso die Gebote der Mäßigung und Verhüllung in eine moderne Modesprache. Die somalisch-stämmige Halima Aden hingegen ist das erste international bekannte Model mit Hidschab – und einem Vertrag bei der renommierten Agentur IMG.

Um zu sehen, dass sich modebewusste – und solvente – Muslimas auch und gerade westlicher Luxusmarken gern bedienen, muss man aber gar nicht durch arabische Social-Media-Profile klicken. Es reicht ein Blick auf die Avenue Montaigne in Paris oder die Münchner Maximilianstraße: In regelrechten Scharen gehen hier Tag für Tag verschleierte Kundinnen bei Chanel, Dior und Saint Laurent ein und aus, schleppen fünf, sechs, sieben Tüten aus den Boutiquen, geben kleine und auch größere Vermögen aus.

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