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Amy Winehouse Das Risiko des Ruhms

Der Tod von Amy Winehouse reiht sich in eine lange Tradition. Sie pflegte den Mythos von „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“, doch die Sängerin ist nicht nur ein Opfer ihres Lebenswandels.

26.07.2011 17:38
xxsj
Eigenwilliges Gedenken: Neben Blumen und Kerzen haben Fans von Amy Winehouse vor ihrer Wohnung in London auch Schnapsflaschen und Weingläser abgelegt. Foto: Reuters

Der Tod von Amy Winehouse reiht sich in eine lange Tradition. Sie pflegte den Mythos von „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“, doch die Sängerin ist nicht nur ein Opfer ihres Lebenswandels.

Der plötzliche Tod von Amy Winehouse hat die Welt für einen Moment erschüttert, und das, obwohl er mehr als absehbar war. Noch weiß man nichts über die Todesursache – sie sei in ihrem Bett eingeschlafen und nicht mehr erwacht, heißt es – doch für alle scheint klar zu sein, dass Amy Winehouse an ihrer Drogen- und Alkoholsucht gestorben ist. Die 27-Jährige war neben ihrer kräftigen Stimme, dem Rockabilly-Outfit und der Ronettes-Bienenkorbfrisur wegen ihres exzessiven Lebenswandels bekannt: Drogengeschichten, Gerichtsverfahren, Eheprobleme – und nicht zuletzt wegen verpatzter Konzertauftritte, wie jenem in Belgrad vor einem Monat, wo sie zwar stehen, aber nicht singen konnte.

Der alte Mythos von „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“ – Amy Winehouse verstand ihn für sich zu nutzen. Zwar haben Kollegen wie Robbie Williams, Eminem oder Pete Doherty auch gerne jene Vorstellungen vom destruktiven Lebensstil bedient – doch bei Amy Winehouse gehörte er zum Konzept. Das macht nicht nur ihr Hit „Rehab“ deutlich, in dem sie die Bitte von Freunden, in eine Entzugsklinik zu gehen, mit den Worten „No, no, no“ ablehnt. In einem Werbevideo gab sie nüchtern zu, dass ihre exzessive Ader auch eine Art Schlüssel zum Erfolg sei.

Schon am Tag ihres Todes wurde Winehouse zum neuen Mitglied des „27 Club“ erklärt, einer Gruppe berühmter Musiker, die ebenfalls mit 27 Jahren gestorben sind: Doors-Sänger Jim Morrison starb an Herzstillstand, vermutlich aufgrund einer Überdosis Heroin, bei der Woodstock-Ikone Janis Joplin gilt eine Überdosis Heroin zweifelsfrei als Todesursache und Jimi Hendrix starb an seinem Erbrochenem, nachdem er Alkohol in Kombination mit Schlaftabletten genommen hatte. Sie alle gelten bis heute als Ikonen – genauso wie Kurt Cobain, der sich durch einem Schuss mit der Schrotflinte umbrachte.

Häufig werden die tragischen Tode mit den Folgen des Ruhms erklärt, mit innerer Leere, Depressionen und steigendem Erwartungsdruck – Beispiel dafür gibt es aus dem Showbusiness zuhauf: Marilyn Monroe, die an einer Überdosis Barbiturate in Verbindung mit Schlafmittel starb. Elvis Presley litt unter heftiger Tablettensucht und Billy Holiday galt lange als heroinsüchtig, auch wenn sie letztlich an Leberzirrhose starb. Der Psychiater Borwin Bandelow, der 2006 das Buch „Celebrities: vom schwierigen Glück, berühmt zu sein“ veröffentlichte, vertritt die These: Wer es im Pop- und Showbusiness bis ganz nach oben schafft, könne kein ganz gesunder Mensch sein. Er dreht die Logik um und legt dar, dass Menschen schon exzentrisch sind, bevor sie berühmt werden – dass manche sogar deswegen überhaupt erst berühmt werden.

Es geht um Betäubung

Das mag zutreffen, doch war es nicht auch die Kombination von Genie und Wahnsinn, die viele zu Drogen greifen ließ? Literaten wie Charles Baudelaire oder Arthur Rimbaud versuchten sich an Haschisch und Opiaten. In den Zwanzigern war Kokain bei Schriftstellern wie Gottfried Benn oder Georg Trakl nicht unbeliebt und Aldous Huxley gab sich dem LSD hin. Später wurden in der Musikwelt Drogen häufig als bewusstseinserweiternde Hilfsmittel eingesetzt. So sagte Keith Richards zur Veröffentlichung seiner Biografie: „Es gibt keinen Song der Rolling Stones, den ich ohne Drogen besser oder anders geschrieben hätte.“

Wo es früher darum ging, durch Rauschmittel neuartige oder halluzinogene Erfahrungen zu sammeln, geht es heute vielleicht mehr darum sich zu betäuben. Man darf nicht vergessen, wie sehr sich der Druck durch das Internet erhöht hat. So tauchte im Januar 2008 auch ein Film von Amy Winehouse im Netz auf, der sie beim Drogenkonsum zeigte. Auch die Boulevardblätter bemühen sich, jeden Fauxpas Prominenter sorgfältig zu dokumentieren: die Abstürze Lindsay Lohans, die Eskapaden Paris Hiltons, die Ausraster von Britney Spears oder die Ausfälle Mel Gibsons.

Der Konzertveranstalter Marek Lieberberg sagte jüngst der Süddeutschen Zeitung, das Internet sei eine „perfekte Menagerie für Idioten“, mit all der Häme, die in den Kommentaren ausgegossen werde. Bei Amy Winehouse sei es zudem ein geldgieriges Umfeld, das sie durch das Fegefeuer jage. Damals hat sie noch gelebt, diese zerbrechliche Künstlerseele. Eine bittere Note des öffentlichen Zugrundegehens ist die Tatsache, dass die Stars nach ihrem Tod oft größeren Ruhm erlangen als zu Lebzeiten. Gestern schoss das fünf Jahre alte Erfolgsalbum „Back to Black“ von Amy Winehouse an die Spitze der iTunes-Charts in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

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