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Ampelmännchen in Wien Homosexuelle Ampel-Pärchen

Neben den klassischen Strichfiguren weisen an den Ampeln in Wien jetzt auch lesbische, schwule und heterosexuelle Pärchen Fußgängern den Weg über die Straße. Die Stadtverwaltung wirbt damit für mehr Toleranz und erhofft sich außerdem eine Steigerung der Verkehrssicherheit.

11.05.2015 15:17
Daniel Kortschak
In Wien zeigen Fußgängerampeln jetzt auch schwule, lesbische und heterosexuelle Pärchen. Foto: rtr

Wer an der großen Kreuzung am Wiener Schottentor die Ringstraße zu Fuß überquert, stößt neuerdings auf eine besondere Ampel: Statt der üblichen Strichmännchen signalisieren dort zwei Händchen haltende Frauen freie Bahn oder mahnen zur Geduld. Ein Herzchen zwischen den beiden Piktogramm-Figuren macht klar: Es handelt sich um ein geleichgeschlechtliches Paar.

Von den ungewöhnlichen Ampelfiguren erhofft sich die Wiener Stadtverwaltung mehr Aufmerksamkeit: "Es ist ein Versuch, ob dadurch die Verkehrssicherheit verbessert werden kann", zitiert das Online-Portal der Wiener Tageszeitung Kurier Sonja Vicht von der für die Ampeln zuständigen Magistratsabteilung 33.

An rund 50 Standorten im Stadtgebiet sollen in den kommenden Wochen neue Ampelmännchen installiert werden. Ausgewählt wurden dafür Kreuzungen, an denen besonders oft Fußgänger bei Rot die Straße queren. Um herauszufinden, ob sich die ungewöhnliche Maßnahme tatsächlich positiv auf die Disziplin der Wiener Fußgänger auswirkt, soll das Projekt wissenschaftlich begleitet werden, heißt es aus dem Wiener Rathaus.

Stadt sieht Zeichen für mehr Toleranz

Doch die Ampel-Pärchen sollen nicht nur einen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten, sondern auch ein Zeichen für mehr Toleranz setzen. Der Zeitpunkt dafür ist günstig gewählt, denn einige Großevents werden in nächster Zeit Wien in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken: Der Song-Contest wird ab 19. Mai Tausende Journalisten und Zehntausende Zuschauer in die Österreichische Hauptstadt locken.

Bereits zuvor steht mit dem Life Ball Europas größte Benefizveranstaltung zu Gunsten HIV-positiver und an Aids erkrankter Menschen auf dem Programm. Im Juni folgt dann mit der Regenbogenparade die wichtigste Veranstaltung der Lesben-, Schwulen- und Transgender-Bewegung in Österreich. Wenn die Regenbogenparade am 20. Juni über die Wiener Ringstraße zieht, soll die Installation der neuen Ampelfiguren bereits abgeschlossen sein. Neben einem lesbischen wird dann auch ein schwules Pärchen auf den bunten Tross herunterleuchten.

Opposition empört über "Genderwahnsinn"

Eine Vorstellung, die Toni Mahdalik, der für die rechtsnationale FPÖ im Wiener Landtag sitzt, in Rage versetzt. Er spricht von "rot-grünem Genderwahnsinn" in Wien und kritisiert die Kosten des Projektes, die besser in die Armutsbekämpfung investiert werden sollten. Auch die konservative ÖVP hat kein Verständnis für den "teuren Geniestreich" der rot-grünen Stadtregierung. Anstatt um die Ampelmännchen solle sich die Politik lieber um die 150 000 Arbeitslosen in der Stadt kümmern, findet ÖVP-Landesparteiobmann Manfred Juraczka.

Die Aufregung der rechten Rathausopposition ist allerdings mindestens zum Teil unbegründet: Denn neben lesbischen und schwulen werden auch gemischtgeschlechtliche Paare in Wien die Fußgängerampeln zieren. Die Signalfarben Rot und Grün bleiben allerdings unverändert, da gibt es schon aus Gründen der Verkehrssicherheit keinen Spielraum für ein farbliche Gleichberechtigung aller Rathausparteien. Die ÖVP-Farbe Schwarz und das Blau der FPÖ wären als Ampelfarben auch gänzlich ungeeignet.

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