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Amoklauf von Dossenheim Familie des Amokläufers entschuldigt sich

Bewegende Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs von Dossenheim. Die Angehörigen des Täters entschuldigen sich über einen Seelsorger. Die nordbadische Gemeinde steht noch immer unter Schock.

26.08.2013 07:46
Gäste auf dem Weg zur Trauerfeier in Dossenheim. Foto: dpa

Dossenheim trauert. Die Straßen sind wie leergefegt, es regnet. Auch am Tag fünf nach dem Amoklauf eines 71 Jahre alten Sportschützen mit drei Toten und fünf Schwerverletzten sind die Bürger in der kleinen nordbadischen Gemeinde aufgewühlt.

Hunderte haben sich am Sonntagabend in der voll besetzten evangelischen Kirche zu einem ökumenischen Gottesdienst unter dem Motto „Zeit zum Klagen, Schweigen, Trauern“ versammelt. Wegen eines Streits um die Nebenkosten seiner Wohnung hatte der Amokläufer am Dienstag bei einer Eigentümerversammlung in der Kleinstadt bei Heidelberg ein Blutbad angerichtet. Am Ende erschoss er sich selbst.

Die Gottesdienstbesucher wirken bestürzt, grüßen hilflos-stumm. Still warten sie auf den Beginn der Trauerfeier – und erleben eine Überraschung. Denn mitten im Gottesdienst tritt ein Seelsorger der Feuerwehr an den Altar und liest eine schriftliche Erklärung der Angehörigen des Täters vor.

Kerzen für die Opfer

„Wir können uns nur aus tiefstem Herzen für das Leid entschuldigen“, heißt es in der Erklärung aller Familienmitglieder, die aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Gottesdienst gekommen sind. Dazu gehört auch die 70-jährige Witwe, die ebenfalls bei der Versammlung war. Kurz vor seinem Tod hatte ihr Mann auch auf sie gezielt und sie schwer verletzt. Sie seien „zutiefst traurig und betroffen“, schreiben die Angehörigen. Nach über 30 Jahren in Dossenheim wollen sie trotzdem weiter hier leben. Sich selbst bezeichnen sie als Opfer der Geschehnisse.

Zuvor haben der evangelische Pfarrer, die katholische Gemeindereferentin sowie der Dossenheimer Bürgermeister sieben Kerzen angezündet – für die Opfer, die Verletzten und Augenzeugen, die Helfer, Angehörigen und Freunde sowie explizit auch für den Täter und dessen Hinterbliebene. „Wir werden sie nicht alleine lassen“, betont der Pfarrer. Die Menschen seien „aufgewühlt, traurig, erschrocken, voller Fragen“. In einem Gebet bittet die Gemeindereferentin: „Lass uns zur Ruhe kommen.“ Die Dossenheimer seien sprachlos und könnten „nicht begreifen, was geschehen ist“.

Der Amoklauf hatte nicht nur bundesweit für Bestürzung gesorgt, sondern auch eine Debatte über schärfere Waffengesetze ausgelöst. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelte der Sportschütze aus blinder Wut: Er fühlte sich bei der Nebenkostenabrechnung betrogen. Mit den Worten „Ich bring‘ Euch alle um“ eröffnete er das Feuer auf die Miteigentümer. (dpa)

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