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Amoklauf in den Niederlanden „Äußerlich völlig ruhig“

Mit einer Maschinenpistole bewaffnet stürmt ein junger Mann am Samstag in ein Einkaufszentrum in den Niederlaanden und eröffnet wahllos das Feuer. Sechs Menschen sterben, der Täter erschießt sich selbst.

09.04.2011 15:31
Sieben Menschen sind bei dem Amoklauf im Einkaufszentrum ums Leben gekommen.

Mit einer Maschinenpistole bewaffnet stürmt ein junger Mann am Samstag in ein Einkaufszentrum in den Niederlaanden und eröffnet wahllos das Feuer. Sechs Menschen sterben, der Täter erschießt sich selbst.

Nach dem blutigen Amoklauf in einem Einkaufszentrum südlich von Amsterdam rätselt die Polizei weiter über die Motive des Täters. Der 24-Jährige habe zwar bei seiner Mutter einen Abschiedsbrief hinterlassen, darin aber nichts über seine Beweggründe mitgeteilt, sagte die ermittelnde Staatsanwältin Kitty Nooy gestern. Der Amokschütze hatte am Samstag in einem Shopping-Center der Ortschaft Alphen aan den Rijn mit einer Maschinenpistole um sich gefeuert und sechs Menschen getötet sowie mehr als 15 zum Teil schwer verletzt, ehe er sich mit einem Kopfschuss das Leben nahm.

Der Täter, dessen Namen die Behörden mit Tristan van der Vlis angaben, war Mitglied eines Schützenvereins. Laut Staatsanwaltschaft waren ihm in den vergangenen Jahren insgesamt fünf Waffenscheine ausgestellt worden. Er sei zuletzt im Besitz von drei Waffen gewesen. Der junge Mann wohnte nach Angaben der Staatsanwältin zusammen mit seinem Vater in der Nähe des Einkaufszentrums.

Er feuerte blindlings um sich

Augenzeugen zufolge tauchte der Angreifer gegen Mittag im Einkaufszentrum „De Ridderhof“ im Westen der Niederlande auf, als dort zahlreiche Familien mit ihren Kindern unterwegs gewesen seien. Nach ersten Erkenntnissen erschoss der mit einer militärischen Tarnjacke bekleidete Amokläufer bereits auf dem Parkplatz vor dem Einkaufszentrum einen Mann und sei dann „äußerlich völlig ruhig“ in das Gebäude gegangen. Dort habe er blindlings um sich gefeuert. Als die Schüsse fielen, brach nach Augenzeugenberichten Panik aus.

Das niederländische Fernsehen berichtete später live vom Tatort und interviewte per Telefon zahlreiche Augenzeugen. Die meisten gaben an, zehn bis 20 Minuten lang seien Schüsse gefallen. „Anfangs dachten wir, das wäre ein Feuerwerk“, sagte Hajam Leouesset. „Aber sehr bald hat man Leute in alle Richtungen rennen sehen, und man hörte ihre Schreie“, berichtete die junge Frau. „Dann habe ich diesen Mann gesehen, der überall Blut hatte.“ Er habe um sich geschossen und sich dann in der Nähe der Kassen eines Supermarktes selbst umgebracht.

Staatsanwältin Kitty Nooy erklärte später, im Auto des Amokschützen sei ein Brief mit Hinweisen zu angeblich in mehreren Einkaufszentren deponierten Bomben gefunden worden. Die Polizei ließ drei weitere Einkaufszentren sowie die umliegenden Wohnungen in der rund 40 Kilometer südlich von Amsterdam gelegenen Region evakuieren. Bei Durchsuchungen der Shopping-Center wurde jedoch kein Sprengstoff entdeckt.

Den Ermittlern zufolge sei damit so gut wie sicher, dass es sich bei dem Amokläufer um einen Einzeltäter gehandelt hat. Die Anwohner konnten in der Nacht in ihre Häuser zurückkehren. Die Stadtverwaltung richtete eine Hotline ein, über die sich besorgte Angehörige informieren konnten.

Hinweise auf Sprengsätze

„Es ist unglaublich, dass unsere Stadt an einem solch schönen Tag ein solches Blutbad erleben musste“, sagte der geschäftsführende Bürgermeister der Stadt, Bas Eenhoorn. Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Zugleich übermittelte er Beileidsbekundungen von Königin Beatrix.

Für die niederländische Regierung sprach Justizminister Ivo Opstelten von einem „fürchterlichen Drama“. Der Minister erinnerte an den Anschlag vor knapp zwei Jahren in Apeldoorn. Dort hatte ein Mann sieben Menschen und sich selbst getötet, als er während einer Parade zum Nationalfeiertag sein Auto in die Menschenmenge steuerte. (dpa/afp)

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