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Amokfahrt in New York Ex-Soldat rast am Times Square in Menschenmenge

4. Update Mitten in New York rast ein Autofahrer in eine Menschenmenge. Seine Fahrt über den Gehweg tötet eine Frau und verletzt 22 Menschen teils lebensgefährlich. Möglicherweise stand der Ex-Soldat unter Drogen.

18.05.2017 18:25
New York
Polizisten sichern die Unfallstelle am Times Square. Foto: afp

Mittagspause am Times Square: Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel, Angestellte und Touristen tummeln sich rund um den Platz im Herzen Manhattans. Doch dann sind plötzlich Schreie zu hören, kurz darauf Sirenen. „Ein rotes Auto kam auf mich zugerast, fünf bis sechs Menschen lagen schon auf der Motorhaube“, sagt Kaoru Emura, die in der Nähe für einen japanischen TV-Sender arbeitet. Sie und viele andere springen aus dem Weg, um dem ungebremst rasenden Auto zu entkommen. Chaotische Szenen spielen sich ab.

Zuerst seien alle „wie gelähmt“ gewesen, sagt Emura nach der tödlichen Pkw-Fahrt vom Donnerstag gegen 12 Uhr mittags (Ortszeit). „Aber dann haben die Menschen angefangen zu schreien und sind zu den Verletzten gelaufen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum das Auto nicht langsamer wird, warum ich keine Bremsen höre.“ Mehrere Straßenblöcke lang sei das Auto auf dem Gehsteig gerast und habe einige der Verletzten auf der Motorhaube mit sich getragen, sagt Emura der Deutschen Presse-Agentur. „Es war furchtbar angsteinflößend, das Schlimmste, was ich je gesehen habe.“

Kurz darauf ist eine 18-Jährige Frau tot, 22 Menschen sind teils lebensgefährlich verletzt. Dreieinhalb Straßenblocks ist der Fahrer über den Gehweg gerauscht, bevor er an der 45th Street Ecke 7th Avenue einen Poller rammt und zum Stehen kommt. Die rechte Hälfte seines Wagens hängt in der Luft, die Haube zum komplett demolierten Motorraum ist nach hinten verbogen.
Die Flucht ergreift der 26 Jahre alte Fahrer, ein Ex-Soldat der US-Marine aus dem Stadtteil Bronx, vergeblich: Mit festem Griff und schnellen Schritten wird er von NYPD-Beamten abgeführt.

Vorgebeugt knickt er unter den Armen der Uniformierten ein, als sie ihn auf die Rückbank eines Streifenwagen setzen, wie das Video eines Instagram-Nutzers vom Unfallort zeigte. Bei der Festnahme soll er keinen nüchternen Eindruck gemacht haben, berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf Strafverfolger.

Helfer versorgen die Opfer auf der Straße, der täglich von rund 300 000 Menschen durchkreuzte Verkehrsknotenpunkt wird abgesperrt. Dutzende Polizeiwagen, Feuerwehrautos, Krankenwagen und Einsatzkräfte rücken an. Über den Wolkenkratzern kreisen Hubschrauber.

Erinnerungen an Berlin, London, Stockholm und Nizza werden wach. Nicht wenige fragen sich: Ist das der seit langem befürchtete Terroranschlag auf dem weltberühmten Times Square? Bürgermeister Bill de Blasio gibt Entwarnung: „Beruhend auf den Informationen, die wir derzeit haben, gibt es keine Hinweise, dass dies ein terroristischer Akt war.“ Die viel besuchten Orte der Stadt sollen die insgesamt 36 000 Polizisten aber trotzdem noch stärker bewachen. „Als Vorsichtsmaßnahme“, wie De Blasio sagt. „Es sind gefährliche Zeiten.“ Auch Präsident Donald Trump wird über die Lage informiert.

Bald ist in US-Medien unter Berufung auf Strafverfolger von „K2“ die Rede, einer als synthetisches Marihuana oder auch „Spice“ bekannten Droge, die der 26-Jährige vor seiner tödlichen Fahrt möglicherweise konsumierte. Zumindest wegen Trunkenheit am Steuer wurde er schon mehrfach verhaftet, in den Jahren 2015 und 2008. Erst diesen Monat sei der polizeibekannte Mann festgenommen worden sein, weil er in seiner Wohnung in der Bronx vor einem Besucher ein Küchenmesser gezückt haben soll.

Aber selbst wenn er betrunken oder high war: Kann die Fahrt des kastanienbraunen Pkw, der auf einer Kreuzung an der 42nd Street plötzlich wendete und dann in hohem Tempo über den Gehweg fuhr, ein Unfall sein, Kontrollverlust bei voller Fahrt? „Dass dieser Mensch von einer Arbeitsschicht kommt, ein paar Drinks in einer Bar nimmt, nach Hause fährt und so viel Schaden anrichtet – das passt einfach nicht zusammen“, kommentiert ein Moderator des TV-Senders „NY1“.

Am Times Square hängt der Schock am Donnerstagabend noch nach. Ermittler haben Beweise am abgesperrten Tatort mit gelben Schildern am Boden markiert. Der auf einem Poller sitzende Pkw wirkt wie die Requisite eines Filmsets, dessen Reifen einsam in der Luft hängen. Touristen drängeln sich an den Absperrungen der Polizei, um Fotos vom leeren Platz zu machen. Für sie dürfte es auf tragische Weise ein unvergesslicher Besuch gewesen sein. (dpa)

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