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Amesbury bei Salisbury Vergiftete waren Nowitschok ausgesetzt

1. UpdateDie britische Terrorabwehr geht davon aus, dass die beiden nahe Salisbury gefundenen Erkrankten mit der Substanz Nowitschok in Berührung kamen. Das Nervengift war auch im Fall des Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter im Spiel.

Amesbury
Polizeichef Paul Mills tritt in Amesbury vor die Presse. Die Behörden gehen davon aus, dass auch der neue Vergiftungsfall auf die Substanz Nowitschok zurückgeht. Foto: afp

Erst wenige Wochen ist es her, dass Spezialisten in Marsmännchenkluft unter sorgfältiger Polizeibewachung die Bewohner von Salisbury erschreckten. Nun hat die Kripo erneut öffentliche Plätze in dem lieblichen Provinzstädtchen abgesperrt: Vier Monate nach der Vergiftung des russischen Ex-Spions Sergej Skripal und seiner Tochter Julia wurden im wenige Kilometer entfernten Amesbury erneut eine Frau und ein Mann bewusstlos aufgefunden. Beide schweben in Lebensgefahr.

Am späten Mittwochabend bestätigt der Leiter der britischen Anti-Terror-Behörde: Auch bei den beiden neuen Vergiftungsfällen  ist das Nervengift Nowitschok nachgewiesen worden. Dies hätten Testergebnisse des Chemie-Labor des britischen Militärs ergeben. Es lägen keine Hinweise darauf vor, dass die beiden schwer erkrankten Opfer gezielt ins Visier genommen worden seien.

Die Polizei der südenglischen Grafschaft Wiltshire hatte den Vorfall am Dienstagabend öffentlich gemacht. Demnach waren die Opfer bereits am Samstag in einer Neubausiedlung am Rande von Amesbury gefunden und ins Bezirksspital von Salisbury eingeliefert worden. Zunächst habe man verschmutzte Drogen wie Heroin oder Kokain als Ursache vermutet, so die Polizei. 

Die Terrorabwehr ermittelt

Die Kripo Salisbury hatte den Fall zu einem „wichtigen Vorkommnis“ erklärt. Zudem ermitteln Beamte der britischen Terrorabwehr gemeinsam mit der Polizei von Wiltshire, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte.

In Amesbury und Salisbury werden Gebäude und öffentliche Plätze einer genauen Prüfung durch ABC-Spezialisten des Forschungszentrums Porton Down unterzogen, das etwa auf halber Strecke zwischen den beiden Ortschaften liegt. Untersucht wird britischen Medienberichten zufolge ein Zentrum der örtlichen Baptisten, wo am Samstagnachmittag ein Gemeindefest gefeiert wurde. Offenbar gehörten die späteren Opfer zu den Teilnehmern. Sie seien aber „nicht Angehörige unserer Gemeinde“, erläuterte ein Sprecher. Ein kleiner Park sowie eine Arztpraxis in Salisbury wurde ebenfalls zeitweise abgesperrt.

Mitten in dem Provinzstädtchen waren im März der pensionierte Doppelagent Sergej Skripal, damals 66, und seine 33-jährige Tochter Julia bewusstlos auf einer Parkbank aufgefunden worden. Nach Wochen im Krankenhaus konnten beide entlassen werden; sie sind aus dem öffentlichen Rampenlicht verschwunden.

Nach intensiven Tests bestätigte die Organisation zur Ächtung von Chemiewaffen OPCW: Die Skripals waren Opfer eines Anschlags mit dem Nervengift namens Nowitschok („Neuling“). Da dies aus sowjetischer Forschung stammte, fiel der Verdacht auf Skripals Heimatland Russland als Drahtzieher für den ersten Einsatz einer Chemiewaffe in Europa seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Großbritannien und seine Verbündeten wiesen gemeinsam rund 140 russische Diplomaten, darunter viele Spione, aus; Moskau reagierte mit der gleichen Zahl an Ausweisungen.

Mysteriöse Umstände

Viele der Umstände des ungewöhnlichen Mordanschlages bleiben mysteriös. Wer hatte ein Interesse an der öffentlichen Hinrichtung eines Mannes, den der Westen 2010 gegen inhaftierte russische Agenten ausgetauscht hatte? Wer verfügte über den seltenen Kampfstoff, aber offenbar über zu wenig Wissen, um das gewünschte Ergebnis, also den Mord, zu erzielen? Oder war die Warnung an Verräter des russischen Staates genug, unabhängig vom Ausgang der langwierigen Krankenhausbehandlung? Moskaus wütende Dementis tat London als „Nebel von Lügen, Halbwahrheiten und Verschleierung“ ab, so beispielsweise MI5-Chef Andrew Parker.

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