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Amazonas Abenteuer eines großen Jungen

Ed Stafford lief 860 Tage lang den Amazonas entlang und kam weiter als je ein Mensch vor ihm. Dabei trotzte der Brite vielen Gefahren.

Ed Stafford lief 860 Tage lang den Amazonas entlang. Foto: AFP

Ed Stafford lief 860 Tage lang den Amazonas entlang und kam weiter als je ein Mensch vor ihm. Dabei trotzte der Brite vielen Gefahren.

„Mission beendet“, twitterte Ed Stafford jetzt erleichtert, als er am Atlantik ankam. 860 Tage lang sei der Brite dem Amazonas von der Quelle bis zur Mündung gefolgt – und zwar zu Fuß, meldete die Londoner Zeitung Times am Dienstag. „Ich war mir immer sicher, dass es möglich sei“, schrieb der 34jährige britische Ex-Soldat in seinem Blog, den er – per Laptop, Video und Satellitenverbindung – auch von den unwirtlichsten und entlegensten Abschnitten seines Fußmarschs stets aktualisierte.

Genau das hatten alle, die den Amazonas kennen, bestritten: Viele sind dem Wasserlauf von den Anden bis zum Atlantik mit einem Boot gefolgt, über weite Teile jedenfalls – aber auf die Idee, den Fluss entlang zu laufen, war bisher noch niemand gekommen.

Stafford begann am 2. April 2008 in Camaná an der peruanischen Pazifikküste und stieg zunächst auf den den 5997 Meter hohen Vulkan Mismi, an dessen Hängen der Amazonas-Zufluss entspringt, dessen Quellen am weitesten von der Mündung entfernt ist. Zunächst war der Extremwanderer von einem anderen Briten begleitete worden. Der gab jedoch nach drei Monaten auf.

Später schloss sich Gadiel Sánchez, ein peruanischer Waldhüter, Stafford an. „Ich bin zuerst mitgegangen, weil ich mich dafür verantwortlich fühlte, diesen Irren durch ein äußerst gefährliches Gebiet voller Drogenhändler und feindlicher Stämme zu geleiten“, sagte der 31jährige Peruaner. Aber dann kam auch er auf den Geschmack an der Wildnis – und lief bis zum Ende mit.

Ein „Öko-Krieger“ sei er nicht, beteuerte Stafford. Er wollte nur ein „eigensüchtiges Abenteuer für große Jungs“ bestehen. In der Tat sind die Erkenntnisse über die Zerstörung des Waldes, über die Stafford in seinem Satelliten-Berichten gelegentlich schreibt, stets so oberflächlich, dass ihn niemand für einen Natur-Aktivisten halten würde. Sein Beweggrund, 28 Monate Strapazen und Gefahren auf sich zu nehmen, war ein anderer – ein sehr britischer: „Ich habe es nur gemacht, weil es niemand vor mir gemacht hat“.

"Wir bringen den Gringo um!"

Am mulmigsten war ihm im September 2008 zumute, als er von einem Dorf aus per Radio bei der nächsten Gemeinde anfragte, ob er über ihr Gebiet dürfe. „Die Antwort war glasklar: Wenn der Gringo zu uns kommt, bringen wir ihn um“, berichtete Stafford. Er versuchte, die Gemeinde zu umgehen, wurde aber von anderen Indianern gefangen genommen, die ihn bald freiließen, nachdem er sich verpflichtet hatte, bei ihnen einige Führer anzuheuern. Zweimal wurde Stafford des Mordes beschuldigt, die Ashaninka-Indianer gingen nicht nur mit Pfeil und Bogen auf ihn los, sondern schossen auch auf ihn. Erboste Eingeborene, die ihn für einen Öl-Sucher hielten, wollte ihm Zement in den Mund stopfen. Andere verdächtigten ihn, auf der Suche nach menschlichen Organen zu sein.

Die Mückenstiche mit denen er gequält wurde, schätzt er auf „über 50?000“, und hunderte Mal piesackten ihn Bienen. Kobras und Anakondas, Skorpione und Spinnen, Zitteraale und fünf Meter lange Krokodile ergänzen das sozusagen klassische Arsenal der Amazonas-Schrecken. „Zuerst erschien uns Amazonien geheimnisvoll und gefährlich, aber jetzt fühlen wir uns in sicherem Gebiet“, teilte Stafford mit, „nie waren die Nächte so entspannend wie jene, in denen wir mitten im Dschungel allein am Lagerfeuer saßen“. Außer Reis und Bohnen aßen Stafford und sein Weggefährte vor allem eines: Fisch, Fisch und noch mal Fisch.

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