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Amanda Knox Der Fall Amanda Knox wird neu verhandelt

Der Prozess gegen Amanda Knox – den „Engel mit Eisaugen“ – wird neu aufgerollt. Das oberste italienische Kassationsgericht in Rom hebt den Freispruch für die amerikanische Studentin und ihren Ex-Freund auf.

2011 war Amanda Knox aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Foto: REUTERS

Es ist eine Chance, doch noch aufzuklären, was genau sich in jener Mordnacht in der Studentenwohnung in Perugia abspielte: Der Prozess gegen Amanda Knox – den „Engel mit Eisaugen“ – wird neu aufgerollt. Das oberste italienische Kassationsgericht in Rom hat am Dienstag den Freispruch für die amerikanische Studentin und ihren Ex-Freund, den Italiener Raffaele Sollecito, aufgehoben und entschieden, dass der Fall neu verhandelt werden muss. Beide waren zunächst für schuldig befunden worden, Knox’ Mitbewohnerin, die britische Erasmus-Studentin Meredith Kercher, in der Nacht zum 2. November 2007 in Perugia getötet zu haben und wurden 2009 zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt. Ein Berufungsgericht sprach sie dann aber 2011 wegen Mangels an Beweisen frei.

Amanda Knox, die stets beteuert hatte, nichts mit dem Mord zu tun zu haben, war sofort nach dem Freispruch in ihre Heimatstadt Seattle zurückgekehrt. Nach Angaben ihres italienischen Anwalts Carlo Dalla Vedova reagierte sie am Dienstag bestürzt und überrascht. „Wir dachten, dass der Fall abgeschlossen ist“, sagte er. Knox wolle aber weiter kämpfen. Die heute 25-Jährige soll am 30. April dem US-Fernsehsender ABC ein Exklusiv-Interview geben, dann soll auch das Buch erscheinen, das sie über ihre fast vier Jahre in italienischer Haft geschrieben hat. Ob sie zum neuen Prozess nach Italien kommen wird, ließ ihr Anwalt offen. Sollte sie sich weigern, könnte ihre Auslieferung beantragt werden.

Raffaele Sollecito, Knox’ damaliger Freund, der als Informatiker inzwischen an einem Forschungsprojekt in Verona beteiligt ist, erreichte die Gerichtsentscheidung an seinem 29. Geburtstag. Er sei enttäuscht, sagte er seinem Anwalt, er habe gehofft, der Fall werde endlich abgeschlossen. Sollecito beteuerte seine Unschuld.

Mit durchschnittener Kehle

Meredith Kercher, damals 21 Jahre alt, war mit durchschnittener Kehle in dem Haus gefunden worden, das sie sich gemeinsam mit Amanda Knox und weiteren Studenten in Perugia teilte. Ihr Körper war mit Messerstichen übersät, sie war vergewaltigt worden. Die Ermittler gingen davon aus, dass sie bei Sexspielen unter Drogeneinfluss getötet worden war. In erster Instanz kam das Gericht zu der Überzeugung, dass Knox und Sollecito die britische Studentin im Rausch umbrachten, während ein Bekannter, der aus der Elfenbeinküste stammende Rudy Guede, das Opfer festhielt.

Im Berufungsverfahren äußerten Experten dann aber starke Zweifel an den DNA-Tests, auf denen das Urteil beruht hatte. Es kam zum Freispruch. Als Einziger rechtskräftig verurteilt ist bislang der 24 Jahre alte Rudy Guede, in einem getrennten Verfahren, zu 16 Jahren Haft.

Kerchers Familie hatte nach den Freisprüchen ebenso wie die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Sie reagierte erleichtert, dass der Fall neu aufgerollt wird. Staatsanwalt Luigi Riello hatte erklärt, der Freispruch von Knox und Sollecito beruhe auf schweren logischen Fehlern und Gesetzesverstößen. Das Kassationsgericht hat seine Entscheidung noch nicht näher begründet. Es verfügte aber, dass der neue Prozess in Florenz stattfinden soll.

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