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Alternativer Nobelpreis für Ina May Gaskin Eine Hebamme verändert die Welt

Sie gilt als Mutter der authentischen Geburtshilfe und übt beißende Kritik an dem, was in unserer Kultur aus der Geburt geworden ist: Die Amerikanerin Ina May Gaskin wird mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

03.12.2011 18:06
Sebastian Moll
Ina May Gaskinerhält den Alternativen Nobelpreis.

Wenn man Ina May Gaskin reden hört, dann möchte man nie mehr ein Krankenhaus betreten. Schon gar nicht, um ein Kind zur Welt zu bringen. Laut Gaskin ist der gesamte, übertechnisierte Geburtsvorgang, wie er in der westlichen Medizin praktiziert wird, nur auf eines ausgelegt: der Mutter ein Maximum an Schmerzen und Ungemach zuzuführen. Sie wird verdrahtet, an Schläuche gehängt, in der denkbar unbequemsten Haltung stillgestellt und dann mit den Apparaten alleine gelassen.

Ina May Gaskin, der man mit ihrer grauen Zottelmähne auch im Alter von 71 Jahren noch von weitem den Hippie ansieht, bringt ihre beißende Kritik an dem, was in unserer Kultur aus der Geburt geworden ist, ruhig und ohne Zorn vor. Sie ist alles andere als eine naive Wissenschaftskritikerin. Und genau das erklärt wohl ihren Erfolg, für den sie am Montag in Stockholm mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wird.

Gaskin gilt als „Mutter der authentischen Geburtshilfe“. Wie niemand sonst hat sie in den vergangenen 40 Jahren die Hausgeburt popularisiert. Durch Gaskin ist die spirituelle Dimension des Gebärens, der Entstehung neuen Lebens, wieder in das Bewusstsein der Schwangeren und der Gesellschaft insgesamt gerückt.

Die Kreuzzug der studierten Literaturwissenschaftlerin für die natürliche Geburt begann mit ihrer eigenen Mutterschaft. Die Entbindung in einer Klinik in Illinois erlebte die damals 25-Jährige als entwürdigend. Später lebte sie in einer Kommune, die durch die USA pilgerte; während der Reise der Hippie-Gruppe kamen elf Kinder zur Welt – ohne die Hilfe von Medizinern. Gaskin war stets dabei und entdeckte, wie sie heute sagt, ihre Berufung zur Hebamme.

1976 veröffentlichte sie ihr Buch „Spirituelle Hebammen“ und traf damit einen Nerv. 1975 wurden in US-Kliniken 20?000 Kinder mit Hilfe von Hebammen zur Welt gebracht. Zwanzig Jahre später waren es rund 240?000. Gleichzeitig gab es Ende der 1990er-Jahre 30?000 Hausgeburten im Jahr. Die Gaskin-Methode sieht unter anderem vor, dass sich die Mutter im Vierfüßlerstand auf Händen und Knie abstützt. So soll das Becken gelockert und die Geburt erleichtert werden.

Gaskins wichtigste Lehre aber ist: „Wir müssen wieder lernen, dem Körper zu trauen. Die Technik ist für viele Sachen gut. Aber der Körper kann viele Sachen ganz hervorragend alleine.“ Die Geburt gehört dazu.

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