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Afrikanische Schweinepest Die Angst vor der Seuche

Hiesige Schweinehalter fürchten Einbußen durch die Afrikanische Schweinepest. Mehr Wildschweinabschüsse werden gefordert. Doch Kritiker sagen, es werde die falsche Sau durchs Dorf getrieben.

23.01.2018 08:51
dpa
Wildtiere in der Stadt
Nahrungsquelle Mülleimer: Eine Bache in einem Waldstück im Berliner Stadtbezirk Tegel. Foto: dpa

Obelix, dem Gallier, würde es wohl gefallen im Deutschland heutiger Zeit: Die Bundesrepublik gehört zu den Ländern mit der höchsten Wildschweindichte weltweit. Die Landwirte, deren Mais- und Rapsfelder den Tieren eine üppige Futterküche sind, hadern seit Jahren mit den hohen Bestandszahlen. Nun rückt auch noch die Afrikanische Schweinepest (ASP) gefährlich nahe – und die Rufe nach höheren Abschusszahlen und weniger Jagdeinschränkungen werden lauter.

Je weniger Wildschweine es gebe, desto kleiner sei das Risiko einer Virusausbreitung hierzulande, so das Argument. Klar ist aber auch, dass es höchstwahrscheinlich kein Schwarzkittel sein wird, der den Erreger über die Grenze trägt. „Die höchste Wahrscheinlichkeit für eine Einschleppung besteht durch menschliche Aktivitäten“, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

Ein einzelnes achtlos weggeworfenes Wurstbrot kann der Ursprung eines Ausbruchs sein, wenn es mit dem Virus verseucht ist und von einem Wildschwein gefressen wird. In luftgetrocknetem Schinken oder Salami könne der Erreger Monate oder gar Jahre überdauern, erklärt Mettenleiter. Ob und wann die Seuche näher rücke, sei darum kaum vorherzusagen. „Es sind Sprünge von mehr als 1000 Kilometer bekannt.“

Derzeit ist das Virus noch 350 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze: Im tschechischen Bezirk Zlín nahe der slowakischen Grenze wurde der Erreger Ende Juni 2017 erstmals nachgewiesen. Mit einem Bündel an Maßnahmen wurde versucht, ihn wieder aus dem Bestand zu tilgen – bislang erfolglos. „In den vergangenen Tagen gab es einige neue Fälle“, sagt Mettenleiter. „Generell ist es keinem der in den letzten zehn Jahren betroffenen Länder gelungen, das Virus dauerhaft wieder loszuwerden.“

Begonnen hatte der aktuelle Seuchenzug 2007 in Georgien am Schwarzen Meer. Wahrscheinlich wurden mit dem Virus belastete Speiseabfälle von einem aus Afrika gekommenen Schiff an Land entsorgt. Der Erreger gelangte nach Russland, Weißrussland und in die Ukraine, von 2014 an folgten erste Nachweise in den baltischen EU-Ländern und Polen. Auch Ausbrüche bei Hausschweinen wurden von dort schon gemeldet. Bei ihnen endet eine Infektion ebenso wie bei europäischen Wildschweinen fast immer tödlich – anders als bei den Busch- und Warzenschweinen Afrikas.

Das Virus wird durch direkten Tierkontakt über Sekrete und Blut, in Afrika auch über Zeckenstiche übertragen. Da Tröpfcheninfektionen nicht vorkommen, ist das Ansteckungsrisiko geringer als bei der klassischen Schweinepest. Menschen erkranken generell nicht an dem Erreger. Dennoch ist er gefürchtet, vor allem von Landwirten. Denn schon beim ersten Nachweis in Deutschland – egal ob bei Wild- oder Hausschwein – würde der Export von Schweinefleisch in Länder außerhalb der EU zum Erliegen kommen. Im vergangenen Jahr lag die Ausfuhrmenge einschließlich Nebenerzeugnissen nach Daten der EU-Kommission bei mehr als einer Million Tonnen.

Neben dem Exportstopp drohe ein Preisverfall, hieß es vom Deutschen Bauernverband (DBV). Schweinefleisch ist nach Angaben der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) nach wie vor die am meisten konsumierte Fleischsorte in Deutschland. Rund 60 Prozent – das sind 600 000 Tonnen – der nachgefragten Rohfleischmenge kommt demnach vom Schwein, mehr als Hähnchen- und Rindfleisch zusammen.

Da verwundert kaum, dass DBV-Vizepräsident Werner Schwarz am liebsten 70 Prozent der Wildschweine in Deutschland abgeschossen sähe, wie er jüngst forderte, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Das allerdings wäre wichtig, da der Bestand im Jahresverlauf immens schwankt. Im zurückliegenden Jagdjahr erlegten Deutschlands Jäger knapp 600 000 Wildschweine, die vierthöchste Anzahl seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1930er Jahren, wie der Jagdverband mitteilte.

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