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Abenteurerin Der eisige Tag der Caroline Mikkelsen

Caroline Mikkelsen war damals keineswegs ein robustes Naturmädchen, das das große Abenteuer suchte. Erinnerung an die erste Frau in der Antarktis.

19.02.2015 15:38
Am Ziel: Mikkelsen im Februar 1935. Foto: Norwegian Polar Institute

Pinguine, überall waren Pinguine.“ Woran sich Caroline Mandel Jahrzehnte später am deutlichsten erinnerte, ist nicht die eisige Kälte der Antarktis, sondern die Schar von Pinguinen, die sie 1935 begrüßten. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Walfangkapitän Klarius Mikkelsen, war sie als junge Frau zum Südkontinent gereist und hatte am 20. Februar als erste Frau der Welt die Antarktis betreten. Dafür bekam sie einen Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde. Doch geprahlt hat die Ende der 1990er Jahre gestorbene Norwegerin damit nie. Im Gegenteil.

Fast 60 Jahre behielt sie ihr Abenteuer für sich. „Um meinen zweiten Mann zu schonen“, sagte sie in einem Interview, das sie 1995 der norwegischen Zeitung „Aftenposten“ gab. Ihr erster Mann, Klarius Mikkelsen, starb 1941, Caroline heiratete drei Jahre später den Gärtner Johan Mandel aus Tønsberg. Damit änderte sie ihren Namen von Mikkelsen in Mandel und blieb für spätere Nachforschungen unauffindbar. Erst 1995, als eine australische Expedition öffentlich nach ihr fahndete, sah sie ein, dass es Zeit war, ihre Geschichte zu erzählen.

„Sie war sehr bescheiden und sprach nur leise“, erinnert sich der Journalist Eivind Fossheim an das Gespräch vor 20 Jahren. Trotz ihres hohen Alters habe die mehrfache Großmutter sich noch an alle Einzelheiten der schicksalhaften Tage im Februar 1935 erinnert.

Immer schick angezogen

Caroline Mikkelsen war damals keineswegs ein robustes Naturmädchen, das das große Abenteuer suchte. Mit der Mannschaft der „Thorshavn“ stach eine Frau in See, die schöne Kleider liebte, entwarf und schneiderte, und auch auf dieser Reise war sie stets damenhaft gekleidet. Doch das war kein Problem. „Die Mannschaft verwöhnte mich“, schwärmte sie noch Jahre später.

Dass Frauen ihre Männer bei solchen Reisen begleiteten, war zu der Zeit nicht ungewöhnlich, sagt Øyvind Thuresson vom Walfangmuseum in Sandefjord. Aus der ihr gesellschaftlich zugedachten Rolle fielen sie dabei offenbar nicht. „Ich habe Bilder von Frauen gesehen, die waren wie für eine Teeparty angezogen.“

Als das Schiff, das Walöl transportieren sollte, sich der arktischen Küste näherte, entschied sich die Mannschaft, an Land zu gehen. „Es war am Morgen des 20. Februar 35“, erinnerte sich die 89-Jährige. „Wir befanden uns fünf nautische Meilen vor der schneefreien Küste, die Sonne schien und von Osten wehte eine leichte Brise. Mit der Thorshavn kamen wir nicht näher ans Land, also stiegen mein Mann und ich mit sieben Besatzungsmitgliedern in ein Rettungsboot und ruderten.“

In einer kleinen Bucht gingen sie an Land. „Wir wurden von Herden von Pinguinen begrüßt. Soweit wir blicken konnten, lagen große Pinguinkolonien auf den Felsen.“

Neben einem kleinen Wasserlauf, rund 60 Meter über dem Meer, fanden sie die perfekte Stelle: „Wir bauten einen Steinhaufen, und ich hatte die Ehre, die norwegische Flagge zu hissen“, erinnert sich Caroline Mandel. Kapitän Klarius Mikkelsen hielt eine Rede über den norwegischen Einsatz in der Antarktis. Gefeiert wurde mit Kaffee.

Nach fünf Stunden begab sich die Gruppe wieder an Bord und segelte weiter entlang der unbekannten Küste, die sie nach der Frau des Reeders und Eigentümers der Thorshavn, Ingrid Christensen, benannten. Die Bergkette benannten sie nach der norwegischen Region Vestfold.

Aber auch Caroline sollte ein Denkmal gesetzt werden. „Am 21. Februar sahen wir einen 250 Meter hohen Berg, der meinen Namen bekam. Er befindet sich 69 Grad und 49 Minuten Süd und 73 Grad 50 Minuten Ost.“ Das Gebiet gehört heute zu Australien, doch zu Ehren der norwegischen Entdecker beließ man es bei den Namen.

Die Suche nach dem Steinhaufen der Norweger beschäftigte in den vergangenen Jahrzehnten vor allem die Australier, die unweit der Stelle eine Forschungsstation betreiben. Im September 1995 machte sich eine Expedition auf den Weg und hatte Erfolg. Der australische Archäologe Martin Davies fand den Steinhaufen, an dem Mikkelsen 60 Jahre zuvor die norwegische Flagge gehisst hatte. Wenige Tage später stürzte der Forscher in den Vestfold-Bergen und starb. (dpa)

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